Karl-Heinz Grasser

Finanzminister geht in die Privatwirtschaft

Der Innenpolitik kommt der Glamour-Faktor abhanden. "Jet-Set"-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (38) wird unter Rot-Schwarz nicht mehr in der Himmelpfortgasse sitzen und wendet sich wieder verstärkt der Privatwirtschaft und Gemahlin Fiona zu. Es ist der zweite Abschied des früheren Freiheitlichen und nunmehrigen Fast-Schwarzen aus der Politik.

Berg- und Talfahrt
Grassers Karriere gleicht einer Berg- und Talfahrt, wobei die Bergstationen wohl überwiegen. Geboren am 2. Jänner 1969 als Kind von Unternehmern, verbrachte er die Schulzeit in seiner Heimatstadt Klagenfurt. Die Matura schaffte er mit Auszeichnung, anschließend studierte der Kärntner an der Universität Klagenfurt Angewandte Betriebswirtschaft.

Steile Karriere mit Haider
Im März 1992 begann die politische Karriere Grassers, als ihn Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider als Mitarbeiter in den FPÖ-Parlamentsklub holte. Bereits im August 1993 wurde er zum freiheitlichen Generalsekretär ernannt. Als Haider im Spätherbst 1994 das Kärntner FPÖ-Regierungsteam umbildete, schlug Grassers erste große Stunde. Er wurde zum Zweiten Landeshauptmannstellvertreter gewählt.

Manager bei Magna
Das große Zerwürfnis mit dem großen Mentor ließ immerhin bis 1998 auf sich warten. Grasser erkannte bei Haider mangelnde Motivation, erhielt dafür eine ordentliche Kopfwäsche und wenige Monate später hieß es Abschied nehmen, wenn auch freiwillig. Der ehemalige Liebling des freiheitlichen Übervaters flüchtete sich zu Magna, wo er für Frank Stronach den Konzern-Sprecher gab.

Finanzminister ab 2000
2000 war alles vergessen, Grasser wieder dick da: Nachdem Thomas Prinzhorn von Bundespräsident Thomas Klestil als Finanzminister abgelehnt worden war, besann sich Haider der Tugenden seines früheren Lieblingsschülers und machte Grasser zum jüngsten Herren über die Staatsfinanzen in der Zweiten Republik.

Sehr populär
Friktionsfrei lief es auch danach nicht. Zwar boomten Grassers Popularitätswerte in der Bevölkerung, jedoch machte ihn gerade das in der eigenen Partei nicht beliebter. Grasser Alleingänge und sein Rudern um Unabhängigkeit wurden mit Misstrauen beäugt, umso logischer war es, dass er der erste war, der sich mit Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer nach dem Putsch von Knittelfeld, den er live miterlebt hatte, aus dem Staub machte.

Statt der angekündigten Australien-Reise vor der Rückkehr in die Privatwirtschaft war Grasser aber flugs wieder am Wiener Parkett zu finden, diesmal plötzlich als Parteifreier auf einem ÖVP-Ticket - und er gewann seinem neuen Mentor Wolfgang Schüssel als "Mister Nulldefizit" auch gleich die Neuwahl. Dankbarkeit des Kanzlers ist ihm dafür bis heute gewiss.

Homepage-Affäre
Die Ära Grasser zwei war dann weniger lustig. Die Homepage-Affäre, als er sich von der Industriellenvereinigung eine PR-Website sponsern ließ, brachte den Strahlemann erstmals so wirklich ins Wanken. Schon davor hatte seine wankelmütige Rolle beim Eurofighter-Kauf für einiges Stirnrunzeln gesorgt. Nun war es aber wirklich ernst. Dutzende Male wurde überprüft, ob Grasser korrekter Weise keine Steuern gezahlt habe - ja, fanden letztlich die kontrollierenden Stellen. Zweifel blieben zumindest bei der politischen Konkurrenz und den Medien bestehen.

Hang zur Selbstdarstellung
Aber auch des Finanzministers Hang zur Selbstdarstellung sorgte ebenso zunehmend für Unmut wie das von Kommentatoren oft als schlampig gewertete Amtsverständnis des von Ex-Ziehvater Haider als "moralischer Flachwurzler" apostrophierten Publikumslieblings - etwa als er auf Einladung des Bankers Julius Meinl auf einer Yacht durch die Meere segelte. Nicht zu vernachlässigen war der Neidfaktor: Keinem anderen österreichischen Politiker war es in den letzten Jahren gelungen, auf internationalem Parkett so viel Aufmerksamkeit zu erlangen.

Die Jet-Set-Komponente
Populär ist Grasser mittlerweile wieder - und das hat er nach Einschätzung von Kommentatoren der Jet-Set-Komponente zu verdanken, die von den großen Tageszeitungen auch wohlwollend begleitet wurde. Eloquent, charmant und bei öffentlichen Auftritten souverän war der Kärntner Feschak immer schon. Seit er jedoch das zweite Mal unter der Haube ist - die Glückliche ist Kristallerbin Fiona Swarovski - geht scheinbar alles noch leichter von der Hand.

Seepferdchen-Badehosen
Keine Seepferdchen-Badehosen-Urlaubs-Fotos, kein Gezerre um das neue Bauernhof-Domizil in Kitzbühel, kein Autounfall der Ex-Verlobten nach einem heimlich gefilmten Grasser-Kuss-Video mit Fiona konnten Grassers Sympathiewerte am Klettern hindern. Ein Finanzminister, der auch in Deutschland die bunten Gazetten dominiert, war offenbar das, was den Österreichern bis dahin gefehlt hatte. Nunmehr muss man sich hier zu Lande wohl um einen neuen Polit-Prinzen umsehen.

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