ÖSTERREICH-Interview

Frank: "Dieses Land fährt bald an die Wand"

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Video zum Thema W. Fellner im Gespräch mit Stronach: Die Highlights

Es tut uns leid. Dieses Video ist nicht mehr verfügbar.

wahlTV_banner_neu.jpg © TZ ÖSTERREICH/Kernmayer

>>> Sehen Sie hier das ganze Interview mit Frank Stronach als Video


Auf der Terrasse seines Fontana-Landguts nahm sich Frank Stronach zwei Stunden Zeit für das große ÖSTERREICH-Sommergespräch.

Vor zwei Wochen hatte Frank landesweites Aufsehen erzielt, als er für ein ÖSTERREICH-Interview sein Hemd auszog und mit 81 Jahren einen Strip hinlegte.
Diesmal bat Frank zum Steuer- und Seelen-Strip, zum Gespräch über Geld, sein Leben, den schmutzigen Wahlkampf und seine Überlegung, vielleicht als Bundespräsident zu kandidieren.

Wie immer bestand Frank auf dem Du-Wort, polterte gegen Faymann & Pröll, gab sich politisch bescheiden.

Erster will er „erst“ bei der nächsten Wahl werden.

Dafür sagt Stronach erstmals überdeutlich, dass er als Partner für eine Koalition bereit ist.

Als Resümee bleibt: Frank Stronach ist bei dieser Wahl zumindest eine spannende Kult-Figur …
 

"Habe mehr Steuern bezahlt, als alle anderen Politiker zusammen"

ÖSTERREICH: Frank, bist du voll im Wahlkampf-Stress?
STRONACH: Ich hab koan Stress, es ist schön, mit dir dazusitzen, Wolfgang – lassen wir die Welt vorbeiziehen. Warum soll ich Stress haben? Ich kann nimma entlassen werden, ich kann ka Flugzeug mehr versäumen, ich brauch ka Geld von der Bank. Warum soll ich Stress haben?

VIDEO: Frank Stronach über den Kampf vor der Wahl >>>

ÖSTERREICH: Na, weil du ganz schön hergeflascht wirst in diesem Wahlkampf.
STRONACH: Ich wusste, dass mich das System attackieren wird, wenn ich kandidiere. Der ehemalige Prime Minister von Kanada hat mir gesagt, als er gehört hat, dass ich in Österreich kandidiere: „Frank, du wirst mit Dreck beworfen werden – aber der trocknet und fällt wieder ab. Mach dir nichts draus.“ Die haben doch alle unheimliche Angst, dass ich sie vom Futtertrog verjage. Die haben nur eine Möglichkeit: mich zu beschmutzen!

ÖSTERREICH: Und das macht dir nichts?
STRONACH: Ich habe die Wahrheit und die Fakten auf meiner Seite. Ich hab nix zu verlieren.

ÖSTERREICH: Der Hauptvorwurf gegen dich ist: Du bist ein Steuerflüchtling.
STRONACH: Ich habe immer gesagt: Ich habe in Österreich so circa 2 Millionen verdient im Jahr, davon 50 % Steuer bezahlt, also gut eine Million Steuer. Da wollten alle meinen Steuerakt sehen – also hab ich versprochen: Ich lege offen, was ich hier an Steuern bezahle. Und das hab ich jetzt gemacht. Der Notar hat bestätigt: Frank hat von 2006 bis 2013 exakt 9,9 Millionen Steuer gezahlt in Österreich. Das sind zehn Millionen in sieben Jahren. Das beweist, dass ich in diesem Land so viel Steuer zahle wie alle anderen Politiker zusammen.

ÖSTERREICH: Du verdienst auch viel mehr?
STRONACH: Was heißt, ich verdiene mehr? Ich habe in Österreich viele Milliarden investiert und Hunderte Millionen Steuer gezahlt als Magna. Ich habe in Österreich investiert. Ich hätte auch woanders investieren können. Meine Aktionäre waren immer dagegen. Die haben immer gesagt: Du machst zu wenig Profit in Österreich. Und ich habe gesagt: Ich mach’s aus Liebe zu diesem Land. Und wenn’s euch nicht passt, verkauft’s eure Aktien.

ÖSTERREICH: Trotzdem sagen deine Gegner jetzt: Du bist ein Steuerflüchtling.
STRONACH: Moment mal. Ich gehe nicht weg aus Österreich wegen der Steuern, sondern ich habe hier wieder Aktivitäten begonnen, nachdem ich ohne Mittel ausgewandert bin und im Ausland ein Vermögen geschaffen habe. Es gibt, glaube ich, keinen Bürger in diesem Land, der so viel gegeben hat wie ich. Ich hab über 13.000 Arbeitsplätze geschaffen, ich hab 150 Millionen an Sozialspenden gegeben. Ich habe in Österreich nur gegeben – und nie was genommen. Und zur Steuer: Ich hab 25 Anwälte in meinem Büro. Denen hab ich gesagt: Macht alles genau nach den Gesetzen. Deshalb kann ich jetzt meine Steuern vorlegen – und jeder wird sagen: korrekt.

VIDEO: Frank Stronach zum Thema "Steuerflüchtling" >>>

ÖSTERREICH: In Wahrheit verdienst du aber nicht eine Million, sondern in Kanada bis zu 300 Millionen im Jahr.
STRONACH: Erstens, Wolfgang, sind es schlechte Manieren, wenn man über Geld spricht. Zweitens habe ich nie 300 Millionen verdient im Jahr , es gibt übrigens auch Jahre, in denen ich fast nichts verdient habe. Und drittens habe ich dieses Geld in Kanada verdient, weil dort sind meine Aktivitäten. Das geht gar nicht, dass ich dafür in Österreich Steuern zahle, das sind meine Aktivitäten drüben. Und das geht auch keinen was an. Das ist privat.

ÖSTERREICH: Ich dachte, du bist für Transparenz?
STRONACH: Ja – aber in Österreich, wo ich öffentlich bin. In Kanada bin ich privat, da brauch ich keine Rechenschaft ablegen.

ÖSTERREICH: Was sind deine Geschäfte?
STRONACH: Ich bin der größte Pferdewett-Anbieter der Welt. Ich habe Pferderennbahnen. Das geht in die Milliarden. Ich investiere – in Farmen, in Landwirtschaft, in Ernährung. Ich bin ein Wirtschaftsmann mit Herz und Hausverstand. Ich lasse das Geld nie auf der Bank liegen – ich lasse es arbeiten.

ÖSTERREICH: Warum hast du deinen Hauptwohnsitz nicht in Österreich?
STRONACH: Mein Hauptwohnsitz ist im Flugzeug. Aber in Kanada lebt meine Familie, meine Kinder, Enkerl. Da ist mein Lebensmittelpunkt.

ÖSTERREICH: Aber soll jemand in Österreich fürs Parlament kandidieren, der die meiste Zeit in Kanada lebt?
STRONACH: Ich bin Österreicher – und ich will was beitragen zu einem besseren Österreich. Und wenn man die Fakten zusammenzählt, wird man sehen, dass ich von allen Bürgern am meisten für dieses Land geleistet habe. Was hat denn ein Herr Strache geleistet? Was zahlt denn der an Steuern? Ich glaube, der hat noch keinen einzigen Arbeitsplatz geschaffen. Im Gegenteil, die schaffen Rahmenbedingungen, dass viele Unternehmen zusperren müssen, und so gehen Arbeitsplätze verloren. Ich gebe – das ist der Unterschied.

ÖSTERREICH: Du bist auf Platz 1 deiner Liste. Wirst du auch wirklich ins Parlament gehen?
STRONACH: Ich nehme das Mandat an und werde in den Nationalrat gehen. Keine Frage.

ÖSTERREICH: Und würdest du auch in eine Regierung gehen? Als Finanz- oder Wirtschaftsminister?
STRONACH: Unsere Partei ist nicht rechts oder links – nur sachlich. Wir wollen Verantwortung übernehmen. Und ich sag dir ganz klar: Wir würden sehr gerne in eine Regierung gehen – aber nur unter der Bedingung, dass unsere vier Punkte erfüllt werden.

VIDEO: Frank Stronach über Koalitionsvorraussetzungen >>>

ÖSTERREICH: Und die sind?
STRONACH: Erstens: Keine Schulden mehr! Wir müssen aufhören, Schulden zu machen. Es muss ein ausbalanciertes Budget mit kleinem Überschuss geben. Wir müssen anfangen, die Schulden zurückzubezahlen. Dazu ist der zweite Punkt wichtig: Wir wollen jedes Jahr, über die nächsten 5 Jahre, 5 % von den Verwaltungskosten abbauen – das sind 3 bis 4 Milliarden Ersparnis. 5 % weniger Verwaltung jedes Jahr – fünf Jahre lang. Macht ein Viertel weniger am Ende. Der dritte Punkt sind klare Steuerregeln. Jeder soll seine Steuererklärung selber machen können. Wir brauchen ein vereinfachtes Steuergesetz ohne Schlupflöcher und Privilegien. Und ganz wichtig: Firmen, die ihren Ertrag in Österreich investieren, sollen nur mehr 10 % Steuer zahlen. Und die sollen sie an die Arbeiter geben können. Das wären Hunderte Millionen, die die Arbeiter plötzlich mehr an Kaufkraft kriegen würden. Und der vierte Punkt ist eine Parlamentsreform: Nur noch 100 Abgeordnete sollen Berufspolitiker sein – der Rest sollen Bürger sein, die nicht aufgrund der Partei, sondern nach ihrem Lebenslauf gewählt werden.

ÖSTERREICH: Und wenn diese Punkte ins Regierungsprogramm kommen, macht ihr bei einer Regierung mit?
STRONACH: Genau, dann machen wir mit.

ÖSTERREICH: Und du würdest selbst in die Regierung gehen?
STRONACH: Ganz sicher net. Das musst du verstehen: Ich bin noch gesund, ich geh auf Buckelpisten Ski fahren mit junge Buam, Tennis spielen mit junge Buam. Ich hab so viel gearbeitet – ich will noch a bissl leben. Aber ich würde gern meine Erfahrung den jungen Leuten geben, die dann für uns in der Regierung sitzen. Die Kathrin Nachbaur – die wäre eine tolle Ministerin.

ÖSTERREICH: Du hast den Satz gesagt: Eigentlich müsstest du dir diesen Wahlkampf nicht antun, du könntest auch am Strand liegen und dich von vier Frauen massieren lassen. Das hat viele Frauen empört.
STRONACH: Das sollte keine Aussage gegen Frauen sein. Ich habe größten Respekt vor Frauen. Ich lasse mich gerne manchmal massieren. Masseurin oder Masseur ist ein ehrenwerter Beruf.

VIDEO: Frank Stronach über die Frauen >>>

ÖSTERREICH: Da lieber von mehreren Frauen gleichzeitig?
STRONACH: Das war eine scherzhafte Aussage. Ich würde nie schlechte Aussagen über Frauen treffen.
 

Nächste Seite: Teil 2 des großen ÖSTERREICH-Interviews mit Frank Stronach.

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