ORF-Skinhead-Affäre

© ÖSTERREICH/ Kernmayer

"Gab nie Gutachten für FPÖ"

Das von der FPÖ am Donnerstag vorgelegte Gutachten über angebliche Manipulationen auf ORF-Aufnahmen zur Reportagereihe "Am Schauplatz" wird bei weiterer Recherche zusehends mysteriöser. Denn die deutsche Frauenhofer-Gesellschaft behauptet, dass "für die FPÖ durch unser Institut nie ein Gutachten erstellt wurde". Allerdings sei die vorgebrachte Untersuchung für ein Wiener Audiostudio ergangen. Dieses wiederum teilte auf Anfrage mit, dass man "nur eine rein analytische Untersuchung im Bereich der Tontechnik mit offenem Ergebnis" durchgeführt habe.

Keine Beweise für "spezielle Aussagen"
Der Gutachter wollte anonym bleiben, betonte aber, dass auf dem Band keine Beweise für "spezielle Aussagen" gefunden worden seien. Allerdings gebe es eine Stelle, die auffällig ist und gegebenenfalls weiterer Untersuchungen bedürfe. Dass er die deutsche renommierte Fraunhofer-Gesellschaft kontaktiert habe, liege daran, dass "wir nicht als Gutachter tätig sind", so der Audioexperte weiter.

Verdächtiges Ausatmen kein Beleg für Manipulation
Als auffällig bezeichnete er folgende Passage: "In der zweiten Hälfte des betrachteten Ausschnitts ist in beiden Fällen ein stimmhafter Klang wahrnehmbar". Aufgrund der starken Behaftung mit Artefakten könne nicht mit Sicherheit festgestellt werden, welche Wortäußerung hier vorliege. Er nannte das von der FPÖ als Beweis präsentierte "Ausatmen", das auf dem Band festgestellt wurde: "Der Fakt, dass das stimmhafte Signal so stark vom Ausatmen überdeckt wurde, könnte darauf hinweisen, dass es in einiger Entfernung von den Mikrofonen ausgesprochen wurde und das Ausatmen zu diesem Zeitpunkt absichtlich zum Zweck der Verdeckung beigemischt wurde." Mit einer Einschränkung: "Allerdings lassen sich im Signal keine Belege dafür finden."

Gutachter warnt vor subjektiven Aussagen
Man habe "jederzeit vor Interpretationen und subjektiven Aussagen gewarnt", betonte der Gutachter am Freitag. Anders hatte dies die FPÖ präsentiert: Bei dem "Schnaufer" handle es sich um eine Tonspur, die in die Länge gezogen worden sei, sagte FP-Chef Heinz Christian Strache bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz.

Sachverständiger konne keine Manipulation entdecken
Dem von der FPÖ beigezogenen Audioexperten lag außerdem nur ein vom ORF online gestellter Film sowie der Ton aus der Fernsehausstrahlung der "Am Schauplatz"-Folge "Am rechten Rand" vor. Die Originalkassette von dem Dreh, die auf einem Profi-Format mit vier Tonspuren aufzeichnet, wurde bereits von einem gerichtlich beeideten Sachverständigen untersucht, der keine Manipulation gefunden hatte.

Der Disput entstand um die Reportage, als Redakteur Ed Moschitz zwei junge Glatzköpfe zu einer FPÖ-Veranstaltung begleitete. Bei der Begnung mit Strache warf dieser dem "Am Schauplatz"-Redakteur Ed Moschitz vor laufender Kamera vor, die Protagonisten zu Nazi-Parolen angestiftet zu haben. Seither laufen Rechtsstreitigkeiten zwischen ORF und FPÖ. Gegen Strache wird seinerseits wegen des Verdachts der falschen Beweisaussage und Verleumdung ermittelt.
 

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