Gedenken an Haider: Marterl enthüllt

1. Todestag

 

Gedenken an Haider: Marterl enthüllt

Am ersten Todestag von Jörg Haider haben am Sonntag Landeshauptmann Gerhard Dörfler und sein Vize Uwe Scheuch bei einer Gedenkfeier am Unfallort in Lambichl südlich von Klagenfurt ein Marterl enthüllt. In ihren Ansprachen erinnerten sie an den "großen Politiker" und "großartigen Menschen" Jörg Haider und dessen Leistungen für das Land und die Bevölkerung.

tattoo (c) APA: Dieser Mann ließ sich Haiders Konterfei eintätowieren.

1.000 Menschen wohnten Zeremonie bei
Bei strahlendem Herbstwetter waren rund 1.000 Menschen - so die Angaben der Polizei - zur Feier gekommen. Die Loiblpass-Bundesstraße war gesperrt, eine Spur wurde zum Parkplatz umfunktioniert. Vor den Ansprachen wurden unter den Besuchern vor allem diverse Verschwörungstheorien diskutiert, zahlreiche Anwesende wollten die Unfallversion einfach nicht glauben. Dörfler bemühte sich, zu erklären, dass es sich tatsächlich um einen Verkehrsunfall gehandelt habe. Ein Mann, der auf dem rechten Oberarm eine Tätowierung trägt, die das Gesicht Jörg Haiders darstellt, wurde von den Fotografen regelrecht belagert. Auch er meinte: "Unfall war das sicher keiner." Wie der ehemalige Landeshauptmann aber seiner Meinung nach tatsächlich zu Tode gekommen sein soll, wollte er nicht sagen, das sei ihm "zu gefährlich".

Freundschaft
Dörfler erzählte in seiner Ansprache von seiner Freundschaft zu dem Verstorbenen, die bereits lange vor seinem Einstieg in die Politik begonnen habe. Er würdigte die Leistungen des "Ausnahmepolitikers", der stets ein Herz für die Menschen gehabt habe. Der kleine Mann von der Straße sei Haider mindestens so wichtig gewesen wie Manager großer Konzerne. Dörfler, wie auch nach ihm Scheuch, schalt die Journalisten, die ein verzerrtes Bild von Kärnten zeichnen würden. "Wir Kärntner feiern gemeinsam, aber wir trauern auch gemeinsam, das ist kein Totenkult", betonte der Haider-Nachfolger.

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"Landeshauptmann kann nicht sterben"
Scheuch mochte da nicht nachstehen und unterstellte der schreibenden Zunft, "Halbwahrheiten und Lügen" zu verbreiten. Er berichtete, wie sein kleiner Sohn am Todestag vor einem Jahr auf die Nachricht reagiert hätte, dass Haider gestorben sei: "Er hat gesagt, 'das kann nicht sein, der Landeshauptmann kann nicht sterben'." Haider sei zwar tot, doch in den Herzen der Menschen werde er stets lebendig bleiben, so Scheuch.

Bei der Enthüllung des Marterls, das vier Heiligenbilder, unter anderem eines vom Kärntner Landespatron, zieren und das mit Lärchenschindeln gedeckt ist, wurde das Kärntner Heimatlied gesungen. Zum Abschluss präsentierten sich Dörfler und Scheuch in demonstrativer Umarmung, um immer wieder kolportierten Gerüchten, sie seien einander nicht grün, zu begegnen. "Ihr werdet es nicht erleben, dass der Gerhard und der Uwe streiten", so Dörfler.

Am Vormittag hatte es bereits eine Gedenkmesse im Klagenfurter Dom gegeben, für den Nachmittag war ein Requiem in der Stiftskirche in Ossiach angesetzt. Ein Konzert für geladene Gäste in der Musikakademie in Ossiach bildete den Abschluss der Gedenkfeiern zu Haiders Tod.

Sie sollte eigentlich einer der Höhepunkte zum ersten Todestag von Jörg Haider werden und bis Jänner 80.000 Besucher anlocken: Am Samstag wurde im Klagenfurter Bergbaumuseum die erste Ausstellung über den ehemaligen Kärntner Landeshauptmann für alle Besucher geöffnet. Doch von regem Zustrom keine Spur: Nur wenige kamen, Gruppen und Nicht-Kärntner fehlten fast völlig.

Bis 14 Uhr kamen magere 150 Besucher
Der ÖSTERREICH-Lokalaugenschein zeigt: Kurz nach Ausstellungs-Eröffnung um 9 Uhr in der Früh verirrten sich gerade einmal sechs Besucher in die Schauräume. Zu Mittag waren es gerade einmal 150 Personen – das sind nur 30 Besucher pro Stunde.

Jörg Haider-Special zu seinem 1. Todestag

Das geringe Interesse an der Schau erstaunt umso mehr, weil nur einen Tag zuvor Haiders engste Familienangehörigen Werbung vor Ort gemacht hatten: Seine 91-jährige Mutter Dorothea war am Freitag zur Ausstellungspräsentation ebenso in den Stollen des Museums gekommen wie Haiders Schwester Ursula Haubner und seine Ehefrau Claudia. Sie kämpfte beim Rundgang sogar mit den Tränen.

Für Aufregung sorgte die Enthüllung von Haiders "Liebhaber"

Klar ist: Die wenigen Besucher gedachten besonders der Volksnähe des Politikers. „Ich habe mit ihm zwar nie persönlich gesprochen, aber eins weiß ich: Er hat gesagt, was die Leute gedacht haben. Und das hat ihn hier in Kärnten so beliebt gemacht“, so Ferdinand Strutz. Eine andere Besucherin ergänzt: „Er war für uns kleine Leute immer da, hatte ein offenes Ohr für unsere Probleme.“

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„Ich bin sehr zufrieden“
Museumsdirektor Gerhard Finding gibt sich derweil optimistisch: „Ich bin mit dem Start sehr zufrieden, die Reaktionen sind sehr positiv.“ Detail am Rande: Eine Firmengruppe wollte vor dem Museum eine Haider-Statue enthüllen, sobald die 5.000-Besucher-Marke überschritten ist. Man rechnete sogar mit einer Präsentation noch an diesem Wochenende. Nach dem Fehlstart dürfte sich die Enthüllung allerdings auf unbestimmte Zeit verzögern.

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