28. Dezember 2008 21:37
Vor allem die Grünen hatten im Oktober gegen die Wahl Grafs zum Dritten
Nationalratspräsidenten mobilisiert – der FPÖ-Politiker war wegen seiner
Mitgliedschaft bei der schlagenden Burschenschaft Olympia in Kritik geraten.
Graf wollte zwar die Olympia nicht verlassen. Der FPÖ-Mann distanzierte sich
aber von Rechtsradikalismus und Nationalsozialismus.
Noch zwei Olympen
Doch laut den Informationen, die ÖSTERREICH
zugespielt wurden, sind diese Erklärungen in einem neuen Licht zu sehen.
Denn Graf holte sich seine Büromitarbeiter vom rechten Rand: So gehören
sowohl Grafs Büroleiter Walter Asperl als auch der IT-Beauftragte des
Dritten Präsidenten, Sebastian Ploner, der Olympia an.
„Bestellung bei Aufruhr“
Doch nicht nur das:
ÖSTERREICH liegen Bestelllisten des rechtsradikalen deutschen
Internet-Versandhauses "Aufruhr" vor, wonach zwei nunmehrige
Graf-Mitarbeiter in der Vergangenheit durchaus fleißige Kunden waren: So
orderte Ploner im Dezember 2003 das einschlägig bekannte Buch von Jürgen
Riehl mit dem Titel: Funkenflug – Das Handbuch für nationale Aktivisten.
Daneben stand der Kalender Germanische Welt 2004 auf der Bestellliste.
"Es lebe das Deutsche Reich!"
Einige Monate später
wurden T-Shirts mit rechtsradikalen Aufschriften bestellt: Landser, Soldaten
des Reiches; Reichsbürger; "Es lebe das Deutsche Reich!" und: "Ich bereue
nichts" stand auf den T-Shirts.
"Ritter des Ku Klux Klan"
Auch Graf-Mitarbeiter Marcus
Vetter findet sich auf der Kundenliste von Aufruhr, er orderte 2005 das
rassistische Buch "National Knights of the Ku Klux Klan" sowie die CD "Wie
stark der Feind auch sei" des Liedermachers Michael Müller, den der deutsche
Verfassungsschutz als „rechtsextrem“ einstuft.
Graf schweigt dazu
Graf selbst war zu den Vorwürfen gegen seine
Mitarbeiter zu keiner Stellungnahme bereit. Zwar erreichte ÖSTERREICH den
FPÖ-Politiker telefonisch – und der versprach auch zu reagieren, wenn er die
Bestelllisten einsehen dürfe. Doch Stunden nach Übermittlung der Listen an
Graf war der dann für ÖSTERREICH nicht mehr zu sprechen.
"Distanzierung für den Hugo"
Der Grüne Karl
Öllinger reagierte jedenfalls scharf: „Angesichts seiner Mitarbeiter ist
Grafs Distanzierung vom Nationalsozialismus für den Hugo.“ Eigentlich müsse
man Graf zum Rücktritt auffordern – „auch wenn ich weiß, dass das nichts
nützt“.