14. Juli 2010 18:38
ÖSTERREICH: Herr Grasser, wie sehen Sie dem Prozesstermin gegen
Ihren Ex-Mitarbeiter Ramprecht entgegen?
Karl-Heinz Grasser: Herr Ramprecht hat eine Reihe unwahrer
Behauptungen aufgestellt und selbst vor Gericht mehrfach gelogen. Seitens
seines Anwalts wurden eine Reihe von Anträgen gestellt, die ich nur als
lächerlich bezeichnen kann. Ich werde heute als Zeuge aussagen und die
Grundlage dieser Anträge als unwahr zurückweisen.
ÖSTERREICH: In einem dieser Anträge wird Ihnen falsche
Zeugenaussage vorgeworfen. Sie hätten gesagt, keinen Kontakt mehr zu Walter
Meischberger zu haben – es gibt aber die Aufzeichnung eines Telefongesprächs
zwischen Ihnen.
Grasser: Grundsätzlich möchte ich für die gesamte Causa festhalten,
dass ich selbstverständlich immer die Wahrheit gesagt habe, natürlich auch
als Zeuge vor Gericht unter Wahrheitspflicht. Dieser Vorhalt ist genauso
gelogen wie alle anderen von Herrn Ramprecht eingebrachten Anträge.
ÖSTERREICH: Aber telefoniert haben Sie mit Meischberger ...
Grasser: Danach bin ich vor Gericht gar nicht gefragt worden. Die
Frage lautete, wie mein Verhältnis zu Meischberger sei. Ich habe
geantwortet, dass da gar keins besteht, weil mich die ganze Sache in hohem
Maße ärgert. Und dass ich keinen Kontakt habe.
ÖSTERREICH: Wann war das?
Grasser: Im März. Wäre ich gefragt worden, wann ich zuletzt mit
Meischberger telefoniert habe, hätte ich gesagt, dass das wohl so Anfang
Februar war. Ich hab später bei Durchsicht des Protokolls sogar meinen
Anwalt gefragt, ob ich es dahin gehend ändern lassen soll, dass ich DERZEIT
keinen Kontakt mehr mit Meischberger habe – er meinte, das sei nicht nötig,
weil doch jeder wisse, dass wir früher engen Kontakt hatten.
ÖSTERREICH: All das werden Sie heute darlegen?
Grasser: Ich werde aussagen, dass alle Vorhaltungen unwahr sind und
dass hier das Instrument der Lüge nachhaltig eingesetzt wird, um mich zu
verfolgen. Dass Herr Ramprecht permanent die Unwahrheit sagt, lässt
erkennen, wes Geistes Kind er ist. Dass bei ihm jetzt eine Hausdurchsuchung
stattfand, zeigt doch, dass auch der Staatsanwalt begründeten Zweifel an
Ramprechts Aussagen hat.
ÖSTERREICH: Sie sind zuversichtlich, aus all dem rauszukommen?
Grasser: Ich vertraue in die Unabhängigkeit der Justiz. Am Ende wird
jeder sehen, dass der Grasser sich nichts hat zuschulden kommen lassen. Und
dass der Buwog-Verkauf ein professionelles, transparentes Verfahren mit
bestem Ergebnis für den Steuerzahler war.
ÖSTERREICH: Wie geht es Ihnen damit, dass aber fast täglich neue
Vorwürfe gegen Sie laut werden?
Grasser: Ich bin eigentlich nicht gewillt, meine Zeit damit zu
verschwenden, das immer wieder zu diskutieren. Der Staatsanwalt wird die
Ermittlungen gegen mich am Ende einstellen. Ich habe nichts gemacht.