28. Juli 2010 17:14
Karl-Heinz Grasser
sieht sich – wieder einmal – als „Opfer einer Hetzjagd“. Weggefährten des
ehemaligen blauen Finanzministers beschreiben ihn hingegen als „nervös“:
Denn: Gleich zwei Spitzen-Kabinettsbeamte der schwarz-blauen Regierungszeit
belasten Grasser. Nach den Vorwürfen seines Ex-Mitarbeiters Michael
Ramprecht hat nun die Aussage des Ex-Kabinettschefs im
Infrastrukturministerium, Willibald Berner, vor der Staatsanwaltschaft jede
Menge neuer Fragen aufgeworfen:
Es geht um den „Verdacht der Untreue“ und um mögliche „Kick-back-Zahlungen“
an eine „honorige Gesellschaft“ – darunter befindet sich laut Berner auch
der Name Grasser. Berner behauptet, dass PR-Mann Peter Hochegger – ein
Grasser-Freund – ihm bereits 2000 von einem „FP-Masterplan“ erzählt habe.
Mehrere Grasser-Freunde und der Ex-Politiker sollten demnach durch
Privatisierungserlöse „profitieren“. Grasser selbst weist alle Vorwürfe
zurück (siehe unten). Die Staatsanwaltschaft will nun klären, was beim
Verkauf von 60.000 Bundeswohnungen der Buwog 2004 wirklich passierte. Und ob
dabei unerklärliche Gelder geflossen seien.
Kontoöffnung und Einvernahme stehen bevor
ÖSTERREICH-Recherchen
ergeben, dass eine Öffnung der Konten von Grasser unmittelbar bevorsteht.
Und dabei geht es längst nicht nur um Grassers offizielle Konten: Ermittler
prüfen seit einigen Wochen die Konten der Mandarin AG – mit Sitz in Vaduz –
Liechtenstein. Im kleinen Steuerparadies hatte auch Grassers Trauzeuge,
Walter Meischberger, Konten. Jener Meischberger, der gemeinsam mit PR-Mann
Hochegger für Beratungen im Zuge des Buwog-Verkaufes knapp 10 Mio. Euro
erhalten hatte. Meischberger und Hochegger sollen – wie Grasser – auf der
Liste jener Personen gestanden haben, die via „Treuhandfirma in
Liechtenstein“ durch Privatisierungen der VP-FP-Koalition „profitieren“
sollten.
Die Konten der Mandarin AG wurden kürzlich durch Liechtensteiner Ermittler
gesperrt. Österreichische Kriminalbeamte recherchieren nun, ob der
Treuhänder auch für heimische Polit-Prominente Konten verwaltet.
Ein Ermittler erzählte
ÖSTERREICH, dass „Konten von Grasser in der Mandarin
AG vermutet“ werden. Genau jene Konten möchte die Justiz öffnen – und nicht
nur die von Grasser offiziell angegebenen Kontodaten.
Befinden sich KHG-Geheimkonten in Vaduz?
Meischberger und Hochegger
wurden bereits mehrmals von der Staatsanwaltschaft einvernommen. Hochegger
hat bei einer seiner Aussagen bestätigt, dass es 2000 jenes Treffen zwischen
Belastungszeugen Berner und ihm gegeben habe. Und dass damals über eine
Liechtensteiner Treuhandfirma geredet wurde, über die Gelder aus
Privatisierungen fließen könnten.
Grasser selbst wurde bislang nicht einvernommen. Demnächst soll es so weit
sein: Die Justiz will ihn mit Zeugen und Geldflüssen konfrontieren. Es gilt
die Unschuldsvermutung.
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ÖSTERREICH: Herr Grasser, was sagen Sie zu den
Berner-Vorwürfen? Karl-Heinz Grasser: Lächerlicher
geht es wirklich nicht mehr. Herr Berner kann mich gar nicht
belasten, ich hatte mit ihm nichts zu tun. Was habe ich damit am
Hut, wenn Berner im Jahr 2000 ein Treffen mit Hochegger hatte, wo
der ihm etwas über ein angebliches FPÖ-Meeting erzählt hat? Das ist
doch völlig absurd, ich weiß davon nichts, sämtliche
Querverbindungen weise ich auf das Schärfste zurück.
ÖSTERREICH: Trotzdem werden die Forderungen nach
Öffnung Ihrer Konten immer lauter... Grasser: Auch
hier muss ich mich wiederholen: Ich habe dem Staatsanwalt angeboten,
dass er alles bekommt, was er braucht. Da muss man nichts gewaltsam
öffnen, ich habe nichts zu verbergen.
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