H.C. Strache: Italien 
statt Totenrede

Nazi-Gedenken

H.C. Strache: Italien 
statt Totenrede

Strache sagte kurzfristig seine umstrittene "Totenrede" am Heldenplatz ab. Offenbar aus Angst, dort mit Küssel-Fans fotografiert zu werden.

Es wäre der Aufreger der Woche gewesen: Heinz-Christian Strache wollte am Sonntag die "Totenrede" auf dem Wiener Heldenplatz halten. Ein umstrittener Plan, wird doch dort von rechten Burschenschaftern nicht die Befreiung vom Nazi-Terror gefeiert – sondern der "fatalen Kapitulation der Wehrmacht" gedacht, wie es im Aufruf der berüch­tigten Neonazi-Homepage alpen-donau.info heißt.

Doch Strache sagte Sonntagabend praktisch wenige Minuten vor der Veranstaltung ab. Ein Informant aus FPÖ-Kreisen will wissen, warum: "Er hat einen Tipp aus der Polizei ­bekommen. Im Haus Gottfried Küssels sind Passwörter und Namen von Personen gefunden worden, die auch am Totengedenken teilnehmen wollten." Für Küssel gilt die Unschuldsvermutung.

Ermittler glauben von dem Rechtsextremen, er stehe hinter der Neonazi-Homepage alpen-donau.info. Es wäre also mit der Anwesenheit von Küssel-Fans zu rechnen gewesen – peinlich für Strache. Der FPÖ-Chef dürfte versucht haben, das Schlimmste zu vermeiden: Ein Auftritt samt Foto mit Neonazis hätte die angestrebte Kanzlerschaft gefährdet.

Ausrede: Italien-Reise wegen Flüchtlings-Volksbegehren
Strache lancierte am Montag eine andere Erklärung: Es habe sich ein dringender Termin in Italien ergeben, so FP-General Herbert Kickl in ÖSTERREICH. Strache habe politische Gespräche mit Gesinnungsgenossen geführt. Dabei sei es vor allem um die Flüchtlingsströme und gemeinsame Aktionen mit der italienischen Rechten gegangen. Sogar ein übernationales Volksbegehren sei angedacht worden. Und schon heute werde der FPÖ-Obmann wieder ins Ausland jetten – konkret nach Moskau.

Politikberater Thomas Hofer sieht gute Gründe, dass Strache den gemeinsamen Auftritt am Heldenplatz vermieden hat. Hofer: "Strache hat derzeit rund 25 Prozent bei Umfragen, vielleicht drei Prozent davon hätte der Auftritt mit Burschenschaftern interessiert – für die andere wirkt das abschreckend." Strache habe also "die Notbremse ziehen müssen". Das wäre nicht das erste Mal: Beim Wahlkampfauftakt der FPÖ-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz fehlte Strache 2009 ebenfalls – angeblich auch wegen einer Auslandsreise. Zeugen wollen ihn aber beim Nobel-Italiener Novelli gesehen haben.

FPÖ-Mann Kickl dementiert jede Drückeberger-Absicht: "HC Strache hat ja den Ehrenschutz über das Totengedenken." Die Rechte sieht das anders: FPÖ-EU-Mann Andreas Mölzer spann auf seiner Homepage bereits eine Dolchstoßlegende: "Hat man dem FPÖ-Obmann doch ins Stammbuch geschrieben: Wer bei den bösen Burschenschaftern auftrete, könne sich die Ambi­tionen auf jegliches höhere Staatsamt in der Republik Österreich abschminken."

Autor: (gü)
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