Hälfte der Frauen trotz Vollzeit-Job arm

Ungleichheit

Hälfte der Frauen trotz Vollzeit-Job arm

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Die Politik streitet über 1.300 Euro Mindestlohn. In manchen Berufen wäre so eine Regelung dringend nötig, wie Studien zeigen.

"Die Hälfte der Frauen in Österreich verdient weniger als 1.000 Euro!" Mit dieser Aussage brachte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek am Montag die heftige Diskussion über 1.300 Euro Mindestlohn ins Rollen.
Eine der Frauen, die davon stark profitieren würden, ist Sandra Soknic (19). Die "Miss Vienna 2009" sorgte für Aufsehen, als sie Modeln nicht zu ihrem Hauptberuf machte, sondern am 1. November des Vorjahres eine Ausbildung bei der Wiener Polizei startete. Ein ehrenvoller Job, der allerdings mit rund 1.100 Euro brutto pro Monat alles andere als fürstlich bezahlt wird.
Kein Wunder, dass Soknic bei Antritt sagte: "Das Geld sollte nicht die größte Rolle spielen. Wenn man etwas macht, das man nicht gerne macht, dann ist man unglücklich."

1.100 Euro brutto pro Monat – kein Einzelfall:

  • Eine AMS-Studie zeigt: Es gibt in Österreich noch immer Dutzende Berufe, bei denen das Einstiegsgehalt teilweise bis zu 300 Euro unter der 1.300-Euro-Marke liegt.
  • Am geringsten ist das Anfangsgehalt bei Hilfsarbeitern, Nähern oder Boten. Sie bekommen nur 1.000 Euro brutto, was exakt dem derzeitigen Mindestlohn entspricht.
  • Eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer OÖ zeigt: 10 Prozent der Beschäftigten in Österreich kommen mit dem, was sie verdienen, nicht aus.
  • Das sind im Vergleich zu vor zehn Jahren um satte 38 Prozent mehr – nämlich rund 350.000 Menschen.
  • Am häufigsten sind Frauen betroffen, insbesondere jene unter 25 Jahren. 16 Prozent von ihnen kommen mit ihrem Einkommen gar nicht aus, für 46 Prozent "reicht es gerade".
  • Nur für die Hälfte aller Arbeitnehmer ist der Lohn "ausreichend" oder "sehr gut". Ebenfalls eindeutig: Immer weniger Menschen in Österreich sind mit ihrem Gehalt zufrieden. 2010 sind nur noch 58 Prozent mit der Verdiensthöhe einverstanden, vor 10 Jahren waren es noch 65 Prozent.
  • Frauen werden weiterhin benachteiligt: Für eine Stunde Arbeit in Österreich bekommt ein Mann durchschnittlich 14,74 Euro brutto – eine Frau lediglich 10,99 Euro brutto. Das zeigen Daten von "Eurostat".
  • Der europaweite Vergleich zeigt auch: Die Einkommensschere ist in fast jedem anderen Land geringer als in Österreich. Frauen verdienen hierzulande um 25,5 Prozent weniger als Männer. Nur Estland liegt mit 30,3 Prozent schlechter. Zum Vergleich: In Italien liegt die Einkommensschere nur bei 5 Prozent.

 

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