13. September 2007 12:58
Rund 1.000 Teilnehmer der Demonstration gegen den Ausbau der Anlage im
Bezirk Brigittenau hatten sich vor dem islamischen Zentrum versammelt. Zur
Speerspitze der Demonstration machte sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache,
der von der Menge mit tosendem Beifall begrüßt wurde. Im Rahmen der
Denmonstration dachte der Wiener FPÖ-Gemeinderat Harald Stefan im Interview
mit oe24.at laut darüber nach, ob der Islam in Österreich überhaupt eine
zugelassene Religion bleiben kann.
Bilder von der Demo:
FPÖ-Kultursprecher sieht Islam als "zunehmendes Problem"
Harald
Stefan, Wiener FPÖ-Gemeinderat und Kultursprecher seiner Partei, warnte am
Rande der Demo vor dem nach Wien "hereindrängenden Islam."
Die Gesellschaft in Österreich werde dadurch negativ verändert, die Rechte
der Einheimischen systematisch untergraben, so Stefan gegenüber oe24.at. "Der
Islam ist ein zunehmendes Problem. Man muss ernsthaft darüber nachdenken, ob
im Lichte der letzten Ereignisse, der Islam in Österreich eine anerkannte
Religion bleiben kann."
SPÖ-Gemeinderäte: Stefan rücktrittsreif
Die
SPÖ-Abgeordneten Nurten Yilmaz und Omar Al-Rawi reagierten am Freitag
entsetzt auf die Aussagen des blauen Kultursprechers: "FPÖ-Gemeinderat
Harald Stefan hat ein Verbot des Islam in den Raum gestellt. Damit ist er in
einer Demokratie, die sich zur Religionsfreiheit bekennt, als politischer
Mandatar nicht mehr tragbar", so die beiden nach dem Bericht auf
oe24.at. Das einzige, was die FPÖ könne, sei, Sorgen und Ängste zum
Aufhetzen von Menschen zu missbrauchen.
FPÖ-Chef Strache auf Seite der Bürger
Ganz im Auftrag
der "kleinen Bürger" sah FPÖ-Chef Strache seinen Auftritt bei
der Anti-Islam-Demo. Strache betonte, dass diese von der parteiunabhängigen
Bürgerinitiative organisiert worden sei: "Wenn andere Parteien
hier nicht vertreten sind, müssen diese anderen Parteien erklären, weshalb
sie nicht auf der Seite der Bürger stehen."
Das Goldene Wienerherz
Viele Teilnehmer der Anti-Islam-Demo
ließen sich von der islamfeindlichen Stimmung anstecken: Sprüche wie "
De solln sich hamschleichen,..." waren noch die harmloseren. So mancher
Bewohner der Brigittenau macht seinem Ärger darüber Luft, dass man bereits
Fremder im eigenen Land sei. "Wann I in die Türkei geh und frag ob I a
Kirchn dort bauen derf, werns mi fragn ob i deppert bin. Bei uns derf jeder
sei Moschee bauen, wo er will. So schauts aus." brachte ein Mann die
Stimmung der Anrainer auf den Punkt.
Auffallend war auch eine gewisse Orientierungslosigkeit bei so manchem
Teilnehmer: Auf die Frage, was er denn eigentlich mit seinem Transparent
sagen wolle, antwortete ein Bannerträger verdutzt: "I was ned, was
da drauf steht, I bin grad erst kommen." Das minder
beachteteTransparent trug die Aufschrift "Wiener Islamisten regieren
die Sozialisten." und war wohl eine Anspielung auf den
SPÖ-Bezirksvorsteher Karl Lacina, der versprochen hatte, dass das Gebetshaus
nicht ausgebaut wird.
Lesen Sie auf der nächsten Seite: So lief die Demo ab
Demonstranten treffen Gegen-Demonstranten
Während der Kundgebung
skandierten einige Dutzend neonazistisch gekleideter Jugendliche "Hier
marschiert der nationale Widerstand", während am Kopf der Menge
vornehmlich ältere Mitglieder einer Bürgerinitiative marschierten, die "Kane
Moschee wär' schee" als Parole erkoren hatten. Am Rande des Zuges
trafen die Teilnehmer in Nebengassen immer wieder auf Gegen-Demonstranten.
So hatte die Sozialistische Linkspartei und die Antiimperialistische
Koordination zur Versammlung aufgerufen und rund 150 Personen mobilisiert.
Kleinere Rangeleien wurden von einem Großaufgebot an Polizei mit 300
Personen allerdings schnell unterbunden. Getrennt durch die Beamten
beschimpften sich die Gegner deshalb wahlweise als "Heimatverräter"
und "Nazis".
Verstöße gegen Verbotsgesetz?
Die Polizei prüft jetzt
mögliche Verstöße gegen das Verbotsgesetz. Laut Einsatzleiter Walter Nevoral
seien "nicht mehr als ein Dutzend" potenzielle Neonazis bei der
Kundgebung gewesen: "Die Fachbeamten waren dort und werden das
untersuchen." Konkret wird geprüft, ob verbotene Symbole getragen oder
illegale Parolen skandiert wurden. Anzeigen lagen am Freitag keine vor.
Aufgeheizte Stimmung:
Als Endpunkt des Protest hatten man sich
die Brigittenauer Bezirksvorstehung auserkoren, wo ein Moscheemodell mit der
Aufschrift "Moschee ade" präsentiert wurde. Diese Geste wurde von
der anwesenden Menge mit dem Ruf "Anzünden" quittiert, bevor
sie die Bundeshymne anstimmte.
SP-Bezirksvorsteher Karl Lacina vereinbarte parallel dazu mit den Vertretern
der Bürgerinitiative, welche die Aktion geplant hatte, weitere Gespräche zu
suchen. Deren Vertreterin Hanne Schuster hatte zuvor ihr Engagement unter
anderem mit einer Gesprächsverweigerung der Gegenseite begründet: "Dieses
Sich-Nicht-Öffnen macht uns Angst."
Der Stein des Anstoßes in der Brigittenau, das islamische Zentrum, besteht
seit 1996 und beinhaltet Seminare und Gebetsräume. Es soll ausgebaut werden,
wobei es rein baulich keine muslimische Ausprägung - wie etwa Minarette -
bekommen soll.