22. Dezember 2009 17:08
ÖSTERREICH: Aufgrund des Schweizer Minarett-Verbots gab es auch
hierzulande eine Debatte über Frauenrechte und Islam. Wie sehen Sie das?
Gabriele Heinisch-Hosek: Die Plakate der Minarett-Gegner in der
Schweiz zeigten Minarette und eine voll verschleierte Frau. Manche
Feministinnen haben da die Burka mit dem Minarett gleichgesetzt. Für mich
besteht dieser Zusammenhang nicht.
ÖSTERREICH: Es wurde hierzulande auch ein Burka-Verbot gefordert …
Heinisch-Hosek: Ich lehne die Burka als Zeichen der Unterdrückung von
Frauen ab. Sie erschwert Frauen auch massiv den Zugang zum Arbeitsmarkt. In
Österreich gibt es kaum voll verschleierte Frauen. Aber gäbe es das öfter,
müssten wir ein Verbot prüfen. Möglich wären etwa Verwaltungsstrafen in
öffentlichen Gebäuden. Zwar werden manche Frauen auch zum Kopftuch
gezwungen, aber es gibt auch viele, die es aus freien Stücken tragen, und
das ist zu tolerieren. Aber dass eine Frau freiwillig eine Burka trägt, kann
ich mir schwer vorstellen.
ÖSTERREICH: ÖVP-Innenministerin Maria Fekter hatte die Idee, eigene
Straftatbestände für sogenannte Kulturdelikte, wie Zwangsheirat, zu schaffen
…
Heinisch-Hosek: In Österreich gibt es schon den Straftatbestand der
Ehenötigung, unter den auch Zwangsheirat fällt. So können
Familienmitglieder als Täter belangt werden, wenn sie ihre Tochter zur Ehe
zwingen. Hier bin aber nicht nur ich als Frauenministerin gefordert,
sondern die Justiz, das Innenministerium und der Bildungsbereich. Man muss
in den Schulen mit den Eltern reden, besonders auch mit den Vätern, sodass
die Mädchen, wie aus einer Tiroler Studie bekannt, nicht nach der
Pflichtschule in der Familie verschwinden, ohne Ausbildung, ohne Arbeit.
ÖSTERREICH: Wie sehen Sie allgemein das Verhältnis von Islam und
Frauenrechten?
Heinisch-Hosek: Muslimische Frauen haben die gleichen Probleme mit
Unterdrückung wie Frauen anderer Ethnien oder Religionen. Die Rechtsparteien
deuten immer nur auf muslimische Frauen. Ich kümmere mich als
Frauenministerin um alle Frauen.