Heinz Fischer tritt wieder an

Staatschef

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Heinz Fischer tritt wieder an

Bundespräsident Heinz Fischer hat am Montagvormittag bekannt gegeben, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. In einem im Internet veröffentlichen Video teilte der Staatschef mit, dass er bei der Wahl am 25. April neuerlich antreten wird.

Keine große Überraschung
Fischer kündigte an, dass er sich als "über den Parteien stehender Kandidat" bewerben wird. Die Überraschung hält sich in Grenzen, die Entscheidung ist schon seit längerem erwartet worden, hat das Staatsoberhaupt doch in den vergangenen fünfeinhalb Jahren mehrfach betont, dass ihm das Amt Freude bereite. In der Hofburg scheint Fischer die Wirkungsstätte gefunden zu haben, die seinem ausgeprägten Hang zur Ausgewogenheit und seiner diplomatische Art des vorsichtigen Formulierens am meisten entgegenkommt.

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  • Wenn keine Gegenkandidaten antreten, wird nur abgestimmt.

Landesvater mit vorsichtiger Hand
Das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen und als Brückenbauer zu agieren, so beschreibt er gerne seine Rolle als erster Mann im Staate. "Der Bundespräsident mischt sich in Fragen der Tagespolitik nicht ein, aber er definiert seine Positionen und hat eine Meinung, die er auch kundtut. Dabei kommt es auch sehr auf die Sprache an, d.h. Standpunkte des Bundespräsidenten sollten mit Augenmaß formuliert und um Ausgewogenheit bemüht sein", so beschreibt Fischer selbst seine Art der Amtsführung. Die Rolle des diplomatischen Landesvaters, der seine Statements auf bekannt vorsichtige Art und wohldosiert abgibt, hat Fischer seit seinem Amtsantritt am 8. Juli 2004 kultiviert.

Dialog und Toleranz
Als seine Lebensphilosophie nennt Fischer ein leicht abgewandeltes Zitat von Sir Karl Popper: "Ich kann Recht haben, du kannst Recht haben, aber beide sind wir verpflichtet, uns auf die Spur der Wahrheit zu begeben." Er sei immer bestrebt gewesen, Dialogbereitschaft und Toleranz gegenüber anderen Meinungen zu zeigen, um einen Konsens zu finden, "jedoch niemals um den Preis, dafür bewährte Grundsätze und die Suche nach Wahrheit aufzugeben". Sich einzumischen oder gar "ein Zeugnis zu schreiben" - was er etwa nach dem Scheitern der Regierung Gusenbauer/Molterer im Juli des Vorjahres ablehnte - ist nicht seine Art, obwohl Fischer als Befürworter der Großen Koalition gilt.

Keine Unterstützung von ÖVP
Bei allem Streben nach Äquidistanz hat vor allem die ÖVP doch immer wieder etwas auszusetzen am langjährigen SPÖ-Politiker. Nicht zuletzt Aussagen zur sozialen Gerechtigkeit oder der rechtlichen Gleichstellung homosexueller Partnerschaften haben in der Volkspartei Unmut ausgelöst und dazu beigetragen, dass die ÖVP eine Unterstützung seiner Wiederkandidatur und ihn als gemeinsamen überparteilichen Kandidaten zu akzeptieren, abgelehnt hat. Angesichts des Verzichts von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll ist derzeit aber kein wirklich ernsthafter Gegenkandidat in Sicht, der Fischer gefährlich werden könnte.

Beim "Volk", und das ist ihm wohl wichtiger als die Polit-Landschaft, genießt der Bundespräsident hohe Sympathiewerte. Mit schöner Regelmäßigkeit etwa ist er Nummer eins im APA/OGM-Vertrauensindex, genießt also von allen Politikern das höchste Vertrauen bei den Österreichern. Dass er den Kontakt mit ihnen nicht verliert, dafür sorgen auch mehr oder weniger regelmäßige Abstecher ins vermeintlich politikfreie Leben, ob in den Bergen oder auf Wiener Märkten. "Ich bin kein Protokoll-Freak", sagte er denn auch schon vor seiner Wahl, bei der er sich mit 52,39 Prozent der Stimmen gegen die ÖVP-Kandidaten Benita Ferrero-Waldner durchsetzte.

Als achtes Staatsoberhaupt der Zweiten Republik zog Fischer 2004 in die Hofburg ein, sein Wechsel ins Amt war nur überschattet vom plötzlichen Tod seines Vorgängers Thomas Klestil. Dennoch: Fischer hatte es geschafft, nach 30 Jahren saß wieder ein Sozialdemokrat in der Präsidentschaftskanzlei. Nicht nur unzählige Termine im Inland, sondern auch zahlreiche Staatsbesuche hat er seitdem absolviert. Eine Premiere war Fischers Entscheidung, die Novelle der Gewerbeordnung wegen fehlender Verfassungskonformität nicht zu unterzeichnen: Erstmals in der Zweiten Republik hatte damit ein Bundespräsident eine von National- und Bundesrat bereits abgesegnete Gesetzesvorlage abgeschmettert.

Fischer wurde am 9. Oktober 1938 in eine sozialdemokratische Familie hinein geboren. Sein Vater, Rudolf Fischer, war von 1954 bis 1956 Staatssekretär im Handelsministerium in der Regierung Raab/Schärf. Die Schule besuchte Heinz Fischer in Wien, 1961 promovierte er zum Dr. jur., 1993 wurde er Ordentlicher Universitätsprofessor. Nach seiner Gerichtspraxis kam er als Jurist in den Klub der SP-Parlamentarier. 1963 bis 1975 war er dort Sekretär, dann Geschäftsführender Klubobmann, Minister für Wissenschaft und Forschung von 1983 bis 1987 und Klubchef (1987-1990). 1990 wurde er zum Nationalratspräsidenten gewählt. In der SPÖ war er 25 Jahre stellvertretender Vorsitzender. Auch bei den Europäischen Sozialdemokraten war das SPÖ-Urgestein lange Zeit an führender Stelle tätig.

Fischers politische Leitfigur war stets Bruno Kreisky. Allerdings war der legendäre Ex-Kanzler auch wesentlich am einzig echten Eklat in der Karriere des jetzigen Staatsoberhaupts beteiligt. Am Höhepunkt des Streits zwischen Kreisky und Simon Wiesenthal tat sich der damalige Klubchef Fischer als derjenige hervor, der einen Untersuchungs-Ausschuss gegen den Nazijäger anregte.

Nebenbei war Fischer mehr als dreißig Jahre Präsident der Naturfreunde. Als sein größtes Hobby gilt das Bergsteigen, musikalisch gehört dem Jazz seine Liebe. Verheiratet ist der Agnostiker seit 35 Jahren mit Margit Fischer. Der Ehe entstammen ein Sohn und eine Tochter. Auch als "First Couple" wohnen die Fischers in ihrer Wohnung in der Wiener Josefstädter Straße. Allerdings geht er jetzt nicht mehr so oft zu Fuß in die Hofburg wie früher ins Parlament, jetzt fährt er meist mit dem Auto, und zwar deshalb, "weil ich mir am Abend immer noch eine Aktentasche mit Post oder einer Lesemappe mit nach Hause nehme, und die muss in der Früh wieder ins Büro befördert werden", ist auf der Homepage der Hofburg nachzulesen.

Trotz des innerstädtischen Wohnsitzes gehört sein Fußball-Herz übrigens den Grün-Weißen vom westlichen Rande Wiens: Fischer ist Rapid-Anhänger. Und zeigt es gerne: "Im Sport darf der Bundespräsident ein hundertprozentiger Fan sein", sagte er einmal. Am Donnerstag wird eine von Elisabeth Horvath verfasste Fischer-Biografie in der Albertina präsentiert.

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