27. April 2009 14:52
© Johannes Kernmayer/TZ ÖSTERREICH
Die Schweinegrippe hat Österreich noch nicht erreicht - weder faktisch, noch
psychisch. Trotz anhaltender Berichte über Todesfälle in Mexiko und
vereinzeltem Auftreten des H1N1-Virus in den USA, bleiben die Menschen
hierzulande offenbar gelassen.
Vorkehrungsmaßnahmen
Laut Gesundheitsminister Alois Stöger
(S) gebe es dazu auch keinen Grund, denn das Land sei "bestens
vorbereitet". Angaben der Apothekerkammer zufolge sei "noch
niemand mit Angst" in die Apotheke gekommen. Das Influenza-Medikament "Tamiflu"
sei in ausreichenden Mengen vorhanden. Dennoch wurden erste
Vorkehrungsmaßnahmen getroffen.
Influenza-Pandemieplan
Das Gesundheitsministerium habe bereits
2005 in Kooperation mit führenden österreichischen Influenza-Experten und
den Landesgesundheitsbehörden einen nationalen Influenza-Pandemieplan
erstellt, so Stöger.
Die Voraussetzungen für die bestmögliche Umsetzung seien definitiv gegeben
und "die österreichischen Gesundheitsbehörden können mit der Situation
entsprechend umgehen", betonte Stöger. Der Kontakt mit europäischen und
internationalen Behörden und Institutionen wurde bereits in den vergangenen
Tagen entsprechend intensiviert, so Stöger.
- Tamiflu für vier Mio. Österreicher
Genaue
Erkenntnisse über den Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko fehlen
noch, dass der Neuraminidase-Hemmer Tamiflu wirkt, steht bereits fest.
In Österreich sind Kapseln und Granulat des Medikaments in so großen
Mengen vorrätig, dass etwa vier Millionen Personen therapiert
werden können, erklärte Hubert Hrabcik, Generaldirektor für
öffentliche Gesundheit.
- Acht Mio. Schutzmasken
Diese befänden sich in
Bundesheer-Lagern und blieben vorerst auch dort. Das gleiche gilt für
die rund acht Millionen Schutzmasken, die der Bund für einen
Pandemie-Ernstfall auf Vorrat hat.
- Infos an Flughäfen
Aufklärung und Information sei
derzeit vor allem auf den heimischen Flughäfen wichtig. Dort liegen
auch schon Flugzettel für Urlauber auf, die aus Mexiko kommen. Laut
Touristikern halten sich im Moment maximal 200 Österreicher in dem
mittelamerikanischen Land auf - betroffen ist laut Außenministerium
aktuell niemand.
- Meldepflicht
Das Gesundheitsministerium hat überdies
eine Meldepflicht für Infektionen mit der Schweinegrippe angekündigt.
Einen entsprechenden Erlass werde es noch am Montag geben, kündigte
Stöger an. Zusätzlich wurde für Fragen bei der Agentur für
Gesundheit- und Ernährungssicherheit (AGES) eine Hotline
(05-05-55-555) eingerichtet.
- Kostenlose Stornierung
Offiziell gab es auch noch keinerlei Reisewarnungen
für betroffene Länder. Nach persönlicher Einschätzung
von Hrabcik sind Urlaube nach Mexiko dennoch nicht ratsam, da man noch
keinen Überblick über die Situation habe. Mehrere
Reiseveranstalter haben bereits kostenlose Stornierungen und Umbuchungen
bei Reisen in das mittelamerikanische Land angeboten.
- Mutationen möglich
Fest steht, dass man bei
Verdachtsmomenten von Schweinegrippe bereits testen könnte, betonte
Franz X. Heinz, Leiter des Virologischen Instituts der Medizinischen
Universität Wien. Fest steht aber auch, dass die Forscher noch
ziemlich im Dunkeln tappen, was das H1N1-Virus betrifft.
- Mutationen seien ebenso möglich, wie ein unerwarteter
Verbreitungsverlauf. "In der nördlichen Hemisphäre ist es
normalerweise nicht so, dass uns eine Grippewelle überrollt. Aber
das ist alles Spekulation. Wir wissen nämlich noch viel zu wenig über
die Krankheitsverläufe und die Todesfälle", brachte es
Heinz auf den Punkt. Möglich ist die Produktion eines spezifischen Impfstoff
gegen das Virus, es gibt diesbezüglich einen bestehenden Vertrag, aber
noch keinen Auftrag. Möglich sei eine Herstellung theoretisch ab
Ende der Woche.
- Stuffe drei
Wie in der Weltgesundheitsorganisation WHO, gilt
auch auf dem österreichischen Pandemie-Plan bezüglich der
Schweinegrippe Stufe drei von sechs möglichen Warnphasen. "Derzeit
überlegt man, ob man nicht schon eine Stufe 4 hätte",
betonte Hrabcik. Dafür würden die bisherigen Erkrankungen
sprechen. Um im Einklang mit der WHO zu bleiben, belasse man es vorerst
bei Stufe 3.
Schweinefleisch unbedenklich
Bei Schweinen hat das Virus eine
geringe Sterblichkeitsrate von einem Prozent, erkrankte Tiere würden
innerhalb von sieben bis zehn Tagen bei normalen Verlauf wieder genesen,
betonte Josef Köfer, veterinärmedizinischer Leiter bei der AGES. "Es
besteht keine Infektionsgefahr des Menschen durch Schweinefleisch oder
Würste die Schweinefleisch enthalten."
Der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie äußerte dennoch
Bedenken, dass die Diskussion sich auf den Konsum auswirken könnte. Die
Landwirtschaftskammer betonte, dass kein mexikanisches Fleisch nach
Österreich importiert werde.