15. Oktober 2008 15:44
Bei einem Viertel aller tödlichen Verkehrsunfälle ist Alkohol im Spiel, das
zeigt eine entsprechende Tiefenanalyse des Kuratoriums für
Verkehrssicherheit (KfV) zu tödlichen Unfällen im Straßenverkehr. 35
Menschen sind heuer (von Jänner bis August) bei einem von Alkounfall ums
Leben gekommen. Laut KfV bestehe bereits bei 0,5 Promille Alkohol im Blut
das doppelte Unfallrisiko wie im nüchternen Zustand, bei 0,8 Promille gar
das Fünffache. Für Alkolenker forderte das Kuratorium schärfere Konsequenzen.
Hohe Dunkelziffer
Bei tödlichen Alleinunfällen wird - anders als
im aktuellen Fall Haider - in der Regel kein nachträglicher Alkotest
durchgeführt. Dadurch schätze man die Dunkelziffer der tödlichen Unfälle,
bei denen Alkohol im Spiel war, relativ hoch ein.
Im Bereich von 0,8 Promille steigt die Risikobereitschaft um etwa 80
Prozent, Reaktions- und Konzentrationsfehler treten zwei- bis dreimal
häufiger auf als im nüchternen Zustand, die Blickbewegungen des Fahrers
reduzieren sich um 30 Prozent. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass ein
Alkolenker bei einem Unfall durchschnittlich zwei andere Menschen mit ins
Unglück reißt.
Von Jänner bis August 2008 sind laut Bundesministerium für Inneres (BMI)
bei Alkounfällen 2.337 Menschen verletzt worden. Das sind um 2,9 Prozent
weniger als im Jahr davor (2007: 2.406). Auch bei den Unfällen hat es heuer
bisher einen leichten Rückgang um 1,9 Prozent gegeben (2008: 1.677 Unfälle,
2007: 1.709).
Haider muss viel getrunken haben
Auch wenn man nichts über die
genauen Umstände des Alkoholkonsums Haiders - wie den Zeitraum bzw. die Art
der Getränke - weiß, ging ein bekannter Ernährungsexperte, der nicht
namentlich genannt werden wollte, davon aus, dass der Kärntner
Landeshauptmann eine Menge zu sich genommen haben muss, die umgerechnet zehn
doppelten Schnäpsen entsprechen würde, um auf den Wert von 1,8 Promille zu
kommen. Normalerweise würden bei einem solchen Wert die Leute beim Gehen
schon schwanken, zeigte sich der Experte überzeugt.
Alkolenker kommen in Österreich immer noch relativ milde davon. Ein Wert
von unter 1,2 Promille hat für einen Alkolenker laut Othmar Thann, Direktor
des Kuratoriums, relativ wenig Konsequenzen. "Unser Vorschlag wäre, dass man
bereits ab einem Wert von 0,5 Promille etwas unternimmt", sagte Thann. Das
könne beispielsweise ein Verkehrscoaching sein, wo Rotkreuz-Mitarbeiter
Alkolenkern über ihre Einsätze bei Alkounfällen erzählen. Für
Hochrisikolenker über 1,6 Promille müssten mehrere Maßnahmen gleichzeitig
gesetzt werden.