Kärnten: So tickt der neue Scheuch

Bruder übernimmt Ruder

Kärnten: So tickt der neue Scheuch

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Macht ist in Kärnten Family-Business: Wenn Uwe Scheuch (42) nach den mehrfachen Belastungen in der Birnbacher-Affäre den längst überfälligen Rücktritt wagt, dann springt der nächste Scheuch in die Bresche – nämlich Bruder Kurt (44). Er stieg am Mittwoch vom Klubobmann zum Vizelandeshauptmann und zum Chef der FPK auf. Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat die Bruder-Rochade von Uwe zu Kurt auf den Punkt gebracht: „Es ist die Kontinuität gewahrt.“

Starke Bindung
Denn Uwe und Kurt, das sind zwei wie Pech und Schwefel. Das liegt auch daran, dass die beiden Brüder sehr früh (Uwe war eineinhalb und Kurt dreieinhalb Jahre alt) den Vater verlieren. Er verunglückt bei einem Unfall auf dem Gut ihn Mühldorf. Der zwei Jahre ältere Kurt ist seit damals der „Beschützer“ seines kleineren Bruders, der ihn allerdings um einen Kopf überragt. „Ich werde Uwe ein Leben lang unterstützen“, beschreibt Kurt Scheuch die enge Bindung.

Großvater prägt die Brüder
Geprägt werden die beiden machtbewussten Brüder von ihrem Großvater Robert Scheuch. Er nimmt die Rolle des Ersatzvaters ein. Ihm gehörte auch der Sternhof bei Spital an der Drau. Dieses Gut (mit 40 Hektar Acker und 60 Hektar Wald) aus dem Jahr 1470 bewohnen die Scheuchs bis heute mit ihren beiden Ehefrauen, ihren fünf Kindern und mit Mama Scheuch. „Unsere Kinder haben drei Mütter und zwei Papas“, beschreibt Kurt die Scheuch-Idylle.

Der Großvater war ein überzeugter Nationalsozialist. Nach dem Krieg 1949 gehörte er zu den Mitgründern der VDU, der Vorläuferpartei der FPÖ. Hier laufen sich Robert Scheuch und Robert Haider – der Vater von Jörg Haider – über den Weg und werden Freunde. Jahrzehnte später machen die Brüder Scheuch an der Seite von Jörg Haider Karriere.

Als Haider 2002 in Knittelfeld die FP-Spitze loswerden will, sind die Scheuchs dabei. Kurt erhält in Knittelfeld den Titel „Reißwolf“, weil er auf offener Bühne den schriftlichen Kompromiss zwischen Riess-Passer und den FP-Rebellen zerreißt. 2005 sind sie bei der Abspaltung zum BZÖ wieder dabei. Und im Jänner 2010 – 18 Monate nach Jörg Haiders Tod – avancieren Uwe und Kurt zu den Putsch-Brüdern: Sie sind die Masterminds der BZÖ/FPK-Spaltung.

Mann fürs Grobe
Nach der „Part of the game“-Affäre und den zwei erstinstanzlichen Verurteilungen sowie den Ermittlungen wegen Geldwäsche in der Birnbacher-Affäre hat Uwe Scheuch die FPK ordentlich in die Bredouille gebracht. Jetzt muss Kurt, der als Mann fürs Grobe gilt, den FPK-Karren aus dem Dreck ziehen. „Ich musste in der Partei schon viele Rollen spielen“, rechtfertigt Kurt sein schlechtes Image.

Dazu gehört es auch, den Richter seines Bruders als „Kröte“ zu bezeichnen (es gilt die Unschuldsvermutung). Exakt drei Stunden nach seiner Benennung zum Vizelandeschef wird der Strafantrag gegen Kurt Scheuch wegen Beleidigung bekannt. Trotz der Turbulenzen ist er überzeugt: Die FPK bleibt in Kärnten die Nummer eins. Ist das die typische Scheuch-Arroganz oder kennt er nur die Eigenwilligkeit der Kärntner?


Nächste Seite: Das große ÖSTERREICH-Interview mit Kurt Scheuch.

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