Kamtschatka-Krabben für den Kanzler

Faymann in Moskau

© EPA

Kamtschatka-Krabben für den Kanzler

Der Gesprächston war betont locker, die Gesten freundschaftlich – nur der Inhalt der Aussagen, der war eiskalt. Russlands starker Mann Wladimir Putin empfing am Mittwoch Österreichs Kanzler Werner Faymann in allen Ehren in seinem Amtssitz am Rande des Kremls in der Moskauer Innenstadt. Nicht ohne zu betonen, dass die Beziehungen zwischen Russland und der Alpenrepublik die allerbesten seien.

Werner Faymann hatte sich eine große Aufgabe gestellt: Er wollte Putin davon überzeugen, den Gas-Streit zwischen Russland und der Ukraine nicht auf dem Rücken Europas auszutragen und auch im kommenden Winter den Gashahn nicht abzudrehen.

Putin spaßt: „Keine Atom­Kraft? Das ist gut für uns“
Putin blieb während des eineinhalbstündigen Gesprächs locker im Ton, wechselte immer wieder vom Russischen ins Deutsche – und machte auch so manchen Witz. So lachte er auf, als Faymann davon sprach, dass Österreich auf die Atomkraft verzichtet habe: „Ja, das ist gut für Sie, aber auch sehr gut für uns“, witzelte Putin.

Putin kalt: „Ukraine zweigt für sich illegal Gas ab“
In der Sache blieb der Russe allerdings knallhart: Falls die Ukraine erneut ihre Gasrechnungen nicht zahlen könne, bleibe ihm nichts anderes übrig, als den Gashahn abzudrehen. Das bedeute zwar erneut, dass die Versorgung Europas mit russischem Erdgas leide, Putin will das aber hinnehmen: „Was sollen wir tun, die Ukraine zweigt illegal immer wieder Gas ab. Sie sagen, sie haben kein Geld, dabei haben sie genug.“

Immerhin: Putin stimmte Faymann zu, dass es zwischen dem Lieferanten – also Russland – und dem Kunden Österreich ein Vertrauensverhältnis geben müsse. Und: Eingehend besprachen Putin und Faymann die neuen Pipeline-Projekte Southstream (russisch) und Nabucco (österreichisch-türkisch). Faymann versicherte, dass das OMV-Projekt nicht als Konkurrenz zu den russischen Plänen gedacht sei.

Putin freundlich: „Sie sind gern Gas-Drehscheibe“
Putins Konter: „Sie wollen ihre Position als Gas-Transitland ausbauen.“ Putin schlug vor, Energiefragen künftig gleich zwischen den beiden Ländern zu verhandeln – also abseits der Gespräche zwischen Moskau und der EU. Zu dem Zweck wurde eine eigene russisch-österreichische Arbeitsgruppe eingesetzt, der auch Staatssekretär Josef Ostermayer angehört.

Noch einmal ließ Putin aufhorchen: Er sei zwar bereit, die Verträge über die Landerechte mit den Austrian Airlines bis 1. Februar 2010 zu verlängern. Durch die Übernahme durch die Lufthansa sei die AUA aber keine österreichische Fluglinie mehr, Landerechte müssten neu verhandelt werden.

Nach dem festlichen Mittagessen für Faymann und seine Delegation zog der Kanzler in ÖSTERREICH eine positive Bilanz des Gesprächs. Putin habe sehr wohl Verständnis für Österreichs Sorgen gezeigt.

Und das kredenzte Putin seinem Gast:

  • Tartar aus Heringswangen.
  • Kamtschatka- Krabben-Salat
  • Wachtelsuppe mit Trüffel-Klößchen.
  • Gedämpfter Heilbutt oder Entenkeule geschmort mit Dörrobst.
  • Rahm-Panna-Cotta.
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