Verlängerung im

Karl Amon

Verlängerung im "Traumjob" Radiodirektor

Karl Amon gilt zwar schon seit längerem als Reserve für die ORF-Führung, im Direktorium sitzt er aber erst vergleichsweise kurz. Im August des Vorjahres übernahm Amon die Hörfunkdirektion vom erkrankten Willy Mitsche. Dass der ausgewiesene Radiofan Amon den von ihm geliebten Job fortführen wird, war seit Monaten klar. Auch in der zweiten Amtszeit von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wird er vom Funkhaus aus die ORF-Radioflotte dirigieren.

Amons Projekt: Neues Kinderradio
So gern und erfolgreich Amon als Fernseh-Chefredakteur tätig, war, so sehr schlägt sein Herz für den Hörfunk: Das wird auch Besuchern von Amons Büro schnell klar, das durchgehend vom Kultursender Ö1 beschallt wird - mit einem Ohr scheint Amon immer am Programm zu hängen. Vor hätte er vieles, wie er versichert: So will er etwa in seiner ersten vollen Amtszeit als Radiodirektor ab 1. Jänner ein Kinderradio schaffen - die junge Zielgruppe sei sträflich vernachlässigt, befindet Amon. In Zeiten der Absiedelungs- und Umbau-Debatte outete er sich auch als Fan einer Mehr-Standort-Strategie: Während in der ORF-Zentrale schon Pläne für eine Zusammenführung aller ORF-Medien in einem Haus gewälzt werden, brach Amon in öffentlichen Äußerungen eine Lanze dafür, die Radios dezentral zu belassen.

Info-Chef in Hörfunk und Fernsehen
Bevor Amon in die Radiodirektion wechselte, war er Chefredakteur der TV-Information und davor Leiter der Radioinformation im Funkhaus. Er galt journalistisch als untadeliger Unabhängiger, der sich im Doppelgespann mit dem früheren Infodirektor Elmar Oberhauser nachhaltig für journalistisch freies Arbeiten in der TV-Information einsetzte. Die Gesprächsbasis zur Kanzlerpartei SPÖ blieb ungeachtet dessen offenbar intakt: In Zeiten, als die Sozialdemokratie den Kopf von ORF-Chef Alexander Wrabetz forderte, galt er als einer der möglichen Wunschnachfolger von Kanzler Werner Faymann (S). Amon schlug dies dem Vernehmen nach jedoch vehement aus. Dennoch war seine Bestellung zum Radiodirektor ein Wunsch der SPÖ, der Amon zumindest nicht gestört haben dürfte: "Die Radiodirektion ist mein Traumjob", bekannte er bei seiner Kür.

Sozialdemokratischer Stallgeruch
Amon stammt aus einem sozialdemokratischen Elternhaus und wurde in der niederösterreichischen Arbeiterkammer sozialisiert. Politisch will er sich aber nicht kategorisieren lassen. "Zum harten Kern der Konservativen würde ich mich nicht zählen", meinte Amon dazu einmal scherzhaft. Politische Einstellungen seien vom Job klar zu trennen. Das mussten auch sozialdemokratische Politiker erfahren: Den früheren SP-Kanzler Franz Vranitzky verärgerten Amon und Oberhauser, als dieser sein Kommen ins Studio verweigerte und die beiden einen leeren Stuhl, der Vranitzkys Gesprächsverweigerung symbolisierte, platzierten.

Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Amon wurde am 31. Dezember 1949 in St. Pölten geboren. Amons Vater war Eisenbahner mit immer wieder wechselnden Dienstorten. Von einem "fahrenden Leben durch Österreich", das Amon prägte, berichten Freunde. Station machte man etwa in Vorarlberg oder Kärnten, wo Sohn Karl die Schule in Spittal an der Drau besuchte. Nach dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Wien begann Amon 1978 als Mitarbeiter in der Parlamentsredaktion des ORF, 1981 wechselte er als Redakteur in die ORF-Wirtschaftsredaktion ("Schilling" und "Zeit im Bild"). Fünf Jahre später, 1986, wurde er innenpolitischer Redakteur in der "ZiB 1" und 1990 stellvertretender Leiter der "ZiB 2", die er gemeinsam mit Elmar Oberhauser reformierte. In diese Zeit fiel etwa die Entwicklung der Diskussionssendung "Runder Tisch".

Negründung von Radio Wien
1992 wechselte Amon ins Radio und wurde Chefredakteur im ORF Landesstudio Wien, wo er unter anderen für die Neugründung von "Radio Wien" und die Umorganisation von "Wien heute" verantwortlich zeichnete. Unter Generalintendant Gerhard Weis war der Niederösterreicher 1999 erstmals als Fernseh-Chefredakteur im Gespräch, wurde in der Folge Radio-Chefredakteur beziehungsweise Leiter der Österreich 1 Radio-Hauptabteilung "Information", wie es im ORF-Jargon heißt.

Schärfung des Info-Profils
Der Teamarbeiter änderte die Strukturen, bestellte Info-Chefs für die einzelnen Radios und verringerte in Sachen Information vor allem "Reibungsverluste" zwischen Ö1 und Ö3. Ö1 etwa verdankt seinen Höhenflug maßgeblich den Informationssendungen, und Ö3 konnte dank verbesserter und umfassenderer Information sein öffentlich-rechtliches Profil wieder schärfen. Die Fernseh-Information krempelten er und Oberhauser ähnlich um. "Amon steht voll hinter seinen Leuten, nimmt auf Befindlichkeiten Rücksicht, versucht breit einzubinden und nimmt lieber eine Sitzung mehr in Kauf, um die Leute zu überzeugen, auch wenn dann ohnehin meist geschieht, was er von Anfang an geplant hatte", beschreiben Mitarbeiter Amons Führungsstil.

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