24. Juni 2009 10:18
Neun Wochen und gut 100 Verhandlungsstunden haben Vertreter der
Sozialversicherung und der Ärztekammer für diesen Kompromiss hinter
verschlossenen Türen verhandelt: Am Dienstag wurde das Sanierungspaket für
Österreichs Krankenkassen auf Schiene gebracht und auch offiziell vom
Hauptverband abgesegnet.
Nulldefizit 2013 geplant
Das Ergebnis: In den kommenden vier
Jahren sollen 2,5 Milliarden Euro im System eingespart werden, Ziel ist eine
ausgeglichene Kassenbilanz im Jahr 2013. „Für die Patienten wird unsere
Reform keine negativen Auswirkungen haben. Ganz im Gegenteil: Von einer
Qualitätsverbesserung werden sie sogar profitieren“, ist Hauptverbandschef
Hans Jörg Schelling im Gespräch mit ÖSTERREICH überzeugt.
Die Änderungen im Detail:
- Billigere Medikamente
Ärzte sollen dazu verpflichtet werden,
zukünftig ihren Patienten immer das günstigste Arzneimittel zu
verschreiben. Das muss nicht automatisch ein Generikum sein, auch
billigere Original-Medikamente können verschrieben werden. Auch eine
differenzierte Rezeptgebühr soll nun kommen.
- Kleinere Packungsgrößen
Zu große
Medikamentenpackungen sind laut Hauptverband für zwei Drittel der
steigenden Kosten bei Heilmitteln verantwortlich. Sie sollen nun
verkleinert werden.
- Altersgrenze für Ärzte
Mediziner sollen künftig
nicht mehr unbegrenzt tätig sein dürfen: Die Reform sieht eine
Altersgrenze (Regelpensionsgrenze plus fünf Jahre) für Ärzte vor.
- Praxis-Zusammenschlüsse
Gruppenpraxen, die "Ärzte-GmbHs",
sollen künftig gefördert werden. Zugleich sollen Mediziner künftig
regelmäßig an interessenunabhängigen Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen
müssen.
- Längere Öffnungszeiten
Gerade an Tagesrandzeiten
und Wochenenden sollen die Ordinationszeiten ausgeweitet und so die
überlaufenen Spitalsambulatorien entlastet werden.
- Patientenportal
Eine Internetseite soll künftig über
Öffnungszeiten, Qualifikationen und Fortbildungen von Ärzten
informieren.
Bereits am Donnerstag wird die Bundeskurie der Ärzte ihr offizielles Okay
zur Kassenreform geben, spätestens am Montag soll das Papier dem
Gesundheitsministerium übergeben werden.
Kritische Stimmen zur Reform kommen von der Pharmaindustrie: „Hier einen
Kompromiss auf Kosten von Dritten zu finden ist nicht partnerschaftlich und
inakzeptabel“, so Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber zu ÖSTERREICH.
Sparziel nicht erreichbar
Der Gesundheitsökonom Ernest
Pichlbauer und IHS-Gesundheitsexpertin Maria Hofmarcher bezweifeln, dass das
Sparziel von 2,5 Mrd. Euro erreicht werden kann. Man müsse allerdings die
Detailergebnisse des Papiers abwarten.
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Das Defizit der Krankenversicherung wird ohne Sanierungsmaßnahmen im
Jahr 2010 auf 264 Mio. Euro und 2011 auf 573 Mio. Euro steigen. In den
Jahren 2012 und 2013 würde es auf 737 bzw. 836 Mio. Euro weiter
explodieren. In den Berechnungen des Hauptverbandes sind die 100 Mio.
Euro aus dem geplanten Strukturfonds ab 2010 bereits berücksichtigt.
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