Kdolsky über Regierung, Raucher und Gesundheit

Interview

Kdolsky über Regierung, Raucher und Gesundheit

ÖSTERREICH: Kürzlich stand in unserem Blatt, Scherzbolde würden zweifeln, ob sie überhaupt noch leben – so sehr sind Sie abgetaucht.

Andrea Kdolsky: Ich lebe noch – sogar mehr denn je. Ich bin auch nicht abgetaucht. Aber es gibt in der täglichen Arbeit eines Ministers sehr oft Dinge, die man der Öffentlichkeit nicht gleich bekannt gibt. Ich habe mir für 2008 sehr viele große Themen vorgenommen, an denen ich sehr intensiv arbeite, ohne das jetzt täglich öffentlich zu präsentieren. Und in der Society-Öffentlichkeit war ich nie und werde ich auch nie sein.

ÖSTERREICH: Das ist aber dann schon ein Imagewechsel?

Kdolsky: Da widerspreche ich – ich war nie Teil der Society. Das ist von den Medien in diese Richtung gesteuert worden. Charity-Auftritte von mir für Kinderkrebshilfe und Life Ball sind da falsch interpretiert worden.

ÖSTERREICH: Werden Sie heuer auf den Life Ball gehen?

Kdolsky: So wie es aussieht, bin ich da auf Bundesländer-Terminen. Ich war heuer auch nur am Ärzteball – alles andere ist sich aus Arbeitsgründen nicht ausgegangen.

ÖSTERREICH: Sie sind verärgert, wenn Sie als Partylöwin bezeichnet werden?

Kdolsky: Da werde ich sauer, weil ich das nicht bin. Es passt nicht zu mir.

ÖSTERREICH: Deshalb haben Sie die Ärztekammer, die das behauptet, geklagt?

Kdolsky: Ich glaube, es ist notwendig, bei gewissen Untergriffigkeiten Grenzen zu setzen. Privat halte ich viel aus – aber hier geht es darum, dass ich mit klaren Unwahrheiten vor der Patientenschaft desavouiert werde – und da muss ich als Gesundheitsministerin eine Aufklärung vornehmen.

ÖSTERREICH: Die Wahrheit ist…

Kdolsky: Dass ich im Ministerium derzeit sicher zwölf Stunden pro Tag arbeite und am Abend viel zu müde bin, um Partylöwin zu sein.

ÖSTERREICH: Sie haben von allen Ministern derzeit die größten Brocken in Arbeit …

Kdolsky: Es sind sehr große Brocken, auch weil es teilweise Altlasten sind, die schon über zig Jahre laufen und die jetzt zu lösen sind.

ÖSTERREICH: Beim Rauchergesetz haben alle mit dem großen Krach gerechnet – kommt jetzt der große Kompromiss?

Kdolsky: Minister Buchinger und ich haben mit unseren Ressorts immer hervorragend zusammengearbeitet, wir hatten deshalb ein sehr positives, sehr konstruktives Gespräch – und wir haben vor, der Regierung bis Mai ­einen Bericht für dieses ­Gesetz vorzulegen. Das geht mit dem Kollegen Buchinger sehr, sehr gut.

ÖSTERREICH: Der Konsens ist da: Rauchen nur mehr im Extrazimmer – außer in Mini-Lokalen, wo das räumlich nicht geht?

Kdolsky: Kollege Buchinger und ich haben festgelegt: Wir schweigen, bis wir das Resultat präsentieren können.

ÖSTERREICH: Aber Sie bestehen nicht mehr darauf, dass jedes Lokal unter 75 Quadratmeter frei wählen darf, ob es Raucher- oder Nichtraucherlokal ist. Alles löst sich in Wohlgefallen auf?

Kdolsky: Ich sage klar, dass die 75-Quadratmeter-Grenze für mich nicht in Stein gemeißelt ist und dass es prinzipiell darum geht, ob eine räum­liche Trennung möglich ist oder nicht. Deshalb denke ich, dass die weitreichendere Aussage wäre: Prinzipiell ist in jedem Lokal in Raucher- und Nichtraucherbereich zu trennen, außer dort, wo man aus baupolizeilichen oder gesetzlichen Gründen nicht trennen kann – und dort soll dann die Wahlfreiheit herrschen.

ÖSTERREICH: Damit sind Sie optimistisch, dass Sie im Mai eine Einigung und wir 2009 ein Rauchergesetz haben?

Kdolsky: Ich bin sehr optimistisch, weil Kollege Buchinger und ich immer sehr konstruktiv zusammenarbeiten. Wenn wir bis Mai einig sind, dann wird das Gesetz mit 1. 1. 2009 in Kraft treten.

ÖSTERREICH: Nach dem Kompromiss beim Rauchergesetz wäre bei dem neuen Erfolgs-Run der Andrea Kdolsky ein Kompromiss in der Frage der Kinderbetreuung „fällig“ …

Kdolsky: Auch da bin ich ­optimistisch. Wir haben ein sehr gutes Gesamtpaket für die Kinderbetreuung geschnürt. Das war nicht immer friktionsfrei – aber es ist eine gute Lösung geworden.

ÖSTERREICH: Die an den ÖVP-Bundesländern gescheitert ist. Sind Sie auf Ihre schwarzen Bundesländer sauer?

Kdolsky: Ich hab es nicht ganz verstanden. Ich glaube, es waren Kommunikationsprobleme. Es ist Ministerin Bures und mir ein Anliegen, dass wir ­alle Steine aus dem Weg räumen und einen neuen Anlauf machen. Wir machen noch im April einen neuen „Gipfel“ mit den Ländern – es geht da nicht um Länderinteressen, sondern um die Kinder in ganz Österreich, die ein Recht auf Betreuung haben.

ÖSTERREICH: Sind Sie für eine Einigung bei der Kinderbetreuung auch optimistisch?

Kdolsky: Auch da bin ich optimistisch und setze auf meine Kommunikationsstärke.

ÖSTERREICH: Die größte Hürde auf dem Weg zum Erfolg ist für Sie die Gesundheitsreform.

Kdolsky: Da kämpfe ich darum – wie eine Löwin.

ÖSTERREICH: Und Sie sind dabei gegen die Vermögens­zuwachssteuer, obwohl sie ­Ihnen viel Geld brächte?

Kdolsky Ich will eine bedingungslose Trennung von der strukturellen Gesundheitsreform und der Frage der langfristigen Finanzierung. Ich will das System so reformieren, dass wir mit den derzeitigen 10,3 Prozent des BIP als Finanzierung auskommen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass wir bei einer Strukturreform mit dem derzeitig im System befindlichen Geld – das sind 26 Mrd. Euro pro Jahr – auskommen und aus heutiger Sicht keine Vermögenszuwachssteuer brauchen – weil diese Finanzierung ja auch nicht verlässlich ist. Was machen wir, wenn es an den Börsen keinen Zuwachs gibt?

ÖSTERREICH: Wie haben Sie als Vize-Obfrau der ÖVP das ganze Neuwahlchaos erlebt?

Kdolsky: Ich war immer jemand, der an die große Koalition geglaubt und für den Neustart gekämpft hat

ÖSTERREICH: Wie sind Sie mit dem Neustart zufrieden?

Kdolsky: Perfekt ! Es läuft endlich hervorragend. Die Irritation, die Lähmung ist weg – jetzt wird so gearbeitet, wie sich die Menschen das wünschen. Jetzt gehen wir gemeinsam große Projekte an.

ÖSTERREICH: Sie klingen optimistisch wie nie zuvor?

Kdolsky: Es wird Frühling!

ÖSTERREICH: Das bedeutet: Auch die medialen Verletzungen, was Ihren privaten Neustart anbelangt, sind weg?

Kdolsky: Ich hoffe es – mein Pri­vatleben steht Gott sei Dank nicht mehr in den Medien.

ÖSTERREICH: Sie waren schon verletzt?

Kdolsky: Das ist richtig – da war ich verletzt und auch sehr wütend.

ÖSTERREICH: Und diese Narbe ist geheilt?

Kdolsky: Die Wunde heilt – wenn das eine Ärztin wie ich nicht schafft, wer dann? Für die Zukunft wünsche ich mir nur, dass mein Privatleben nicht in den Medien stattfindet und meine Arbeit in den Vordergrund rückt.

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