Familienministerin

 

 

"Kinder sind Beziehungskiller"

Zuerst lehnte sich die neue Gesundheits- und Familienministerin Andrea Kdolsky (V) kurz nach ihrer Angelobung wegen ihrer Aussagen zu ihren Rauch- und Essgewohnheiten ("leidenschaftliche Gelegenheitsraucherin", "Schweinsbratenesserin") stark aus dem Fenster. Jetzt sieht die 44-Jährige sich wegen ihrer Einstellung zu Kindererziehung mit interner Kritik aus den eigenen Reihen konfrontiert.

Kritik am Familiensinn
Auslöser waren Aussagen der - kinderlosen - Ministerin zur Familienpolitik in einem vor kurzem erschienen Buch mit dem Titel "Kinderlos, na und? Kein Baby an Bord" (Orac-Verlag). Die selbst kinderlose Kdolsky kritisierte darin etwa eine "politische Verklärung der Mutterschaft" und lehnte eine Höherbewertung von Erziehungsleistungen von Familien in Relation zu Kinderlosen ab. Kdolsky meint in dem Buch weiter, sie habe das Gefühl, dass die "Idealisierung der Elternschaft wieder viel stärker wird." Beschwere man sich über Kinder, die sich "unmöglich benehmen", so werde man sofort der Kinderfeindlichkeit bezichtigt, monierte die Ministerin, die die Mutterschaft laut eigenen Aussagen aber auch selbst gereizt hätte: "Ich wurde aber nicht schwanger."

Kinder als Beziehungskiller
Zum Thema Beziehungen und Kinder schreibt die VP-Ministerin, sie habe eine "so tolle Partnerschaft. Wer weiß, ob die auch so wäre, wenn wir ein Kind hätten..." Außerdem äußerte sie Befürchtungen, mit einem Kind würde ihr Partner in den Hintergrund geraten. Das habe sie "bei vielen Paaren" erlebt.

"Froh, wenn ich Kinder wieder zurückgeben kann"
Kdolsky, die sich in Koflers Buch als "leidenschaftliche Tante" outet - auch, weil man die Kinder "irgendwann wieder zurückgeben kann"- , steht der Kritik ihrer Parteifreunde verständnislos gegenüber: Die Äußerungen beschrieben ihren "persönlichen Weg" und sollten nicht auf ihre Intention als Familienministerin umgelegt werden.

"Inhaltlich völlig inkompentent"
Die Obfrau des steirischen Familienverbandes und VP-Gemeinderätin Sissi Potzinger kritisiert Kdolsky als "inhaltlich völlig inkompetent". Offenbar kenne sie "nicht das System des Generationenvertrages", so Potzinger, die die Personalpolitik ihrer Partei "nicht mehr versteht".

Kritik an Einstellung zum Rauchen
Die neue Gesundheits- und Familienministerin Andrea Kdolsky (V) outet sich als Genussmensch: Die Ärztin definiert sich selbst als "Gelegenheitsraucherin" und will sogar die strengeren Rauchergesetze wieder aufweichen. Kdolsky: "Solange es geht, werde ich RAucher nicht diskriminieren."

Kritik an Ernährung
Auch die Ernährungsgewohnheiten der neuen Gesundheitsministerin sind äußerst umstritten: Kdolsky hat betont, eine "leidenschaftliche" Schweinsbraten-Esserin zu sein. "Ich bemühe mich, auch Obst und Gemüse zu mir zu nehmen, aber ich bin auch ein leidenschaftlicher Schweinsbraten-Esser", sagte Kdolsky vergangenen Samstag.

Der von ihrer Vorgängerin Maria Rauch-Kallat (V) zum wichtigen Anliegen erkorene Kampf gegen den "inneren Schweinehund" bezeichnete Kdolsky als "jahrzehntelangen Kampf". Die "ein bisschen zu vielen" Kilos seien aber "wohl erworben", so die Wienerin, die als Politikerin weg vom "Idealbild" und in Richtung "Wohlfühlgewicht" möchte.

Neuer Politiker-Typ
Die 44-Jährige verkörpert jene neue Generation von Politikern, denen es nicht darum geht, die eigene Parteilinie zu vertreten, sondern zu ihren Grundsätze zu stehen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Kdolsky: "Meine Mutter hat mir gesagt, egal, was kommt, du musst dir immer in den Siegel schauen können". Diesem Prinzip wolle sie treu bleiben – wie groß der öffentliche Druck auch immer werde.

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