Klasnic-Kommission zieht Bilanz

97 Entschädigungen

© APA/HANS KLAUS TECHT

Klasnic-Kommission zieht Bilanz

Die von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzte Opferschutzanwaltschaft hat bisher 100 Entscheidungen getroffen: 97 Entschädigungen wurden zugesprochen, drei Fälle wurden abgelehnt, zog die Kommission unter der Leitung von Waltraud Klasnic am Donnerstag eine Zwischenbilanz. Zu finanziellen Details gab sich die Kommission zugeknöpft.

Keine finanziellen Details
Die Kommission gewährt Summen in den Kategorien 5.000 Euro, 15.000 Euro, 25.000 Euro und Beträge darüber - die 97 Entschädigungen betreffen alle vier Kategorien. Zusätzlich seien vielfach auch längerfristige Therapieleistungen zugesprochen worden. Eine Gesamtsumme der Entschädigungen wollte man auf Anfrage der APA nicht nennen. Keine Auskunft gab es auch über die durchschnittliche Zahlungshöhe bzw. wie sich die 97 Entschädigungen auf die Kategorien aufteilen.

76 Prozent jener, für die bereits eine Entschädigung beschlossen worden ist, sind männlich, 24 Prozent weiblich. Die "Vorfälle" ereigneten sich zu 44 Prozent in Orden und Kongregationen und zu 64 Prozent in Diözesen (teilweise sowohl als auch).

Sexueller Missbrauch
Nach Angaben der Kommission waren die Betroffenen zu 81 Prozent Opfer von sexuellem Missbrauch, zu 62 Prozent von körperlicher Gewalt und zu 57 Prozent von psychischer Gewalt. Fast drei Viertel der Opfer waren demnach von mindestens zwei Arten des Missbrauchs betroffen, ein knappes Drittel erlebte alle drei genannten Gewaltarten. Die meisten Fälle liegen 30 bis 40 Jahre zurück, erklärte ein Sprecher.

Von den Fällen mit bisher zuerkannten Entschädigungen entfallen 21 auf Wien, 16 auf Niederösterreich und je 15 auf Oberösterreich und Tirol. In der Steiermark gab es 14 Betroffene, in Salzburg zehn und in Kärnten acht. Jeweils ein Fall betrifft das Burgenland und Vorarlberg. Zu beachten ist bei diesen Zahlen allerdings, dass der Missbrauch laut Kommission teilweise in mehreren Bundesländern stattgefunden hat.

Bei der Staatsanwaltschaft hat die Kommission bisher vier Sachverhaltsdarstellungen eingebracht. Dem Vernehmen nach betreffen diese die Schulbrüder in Wien-Strebersdorf und Bad Goisern, das ehemalige Caritas-Heim in Steyr-Gleink, das Stift Kremsmünster und die Bubenburg in Fügen in Tirol.

Insgesamt haben sich bisher 729 Personen bei der Opferschutzanwaltschaft gemeldet, fast drei Viertel sind Männer.

"Uns ist bewusst, dass wir mit all unserem Tun nichts von den schrecklichen Vorfällen und dem unsagbaren Leid wiedergutmachen können, das die Opfer erlitten haben", meinte Klasnic. Man bemühe sich aber, bestmöglich auf die Bedürfnisse und Interessen der Opfer einzugehen.

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