08. Februar 2010 18:11
© Reuters/APA Hochmuth/TZ ÖSTERREICH JUVAN
Die Aufforderung
von Bundeskanzler Werner Faymann war unmissverständlich: „Ich erwarte,
dass die Justiz alle Korruptionsvorwürfe restlos klärt.“ Der Konter von
VP-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner folgte prompt und hart: Sie sei
gegen „Einmischung“ und verlange für Alfons
Mensdorff-Pouilly, Gatte von Ex-VP-Ministerin Maria Rauch-Kallat, dass
die Politik den Rechtsstaat in Ruhe lasse: Insider fürchten jetzt, dass mit
einem juristischen Trick, dem Schengen-Übereinkommen, eine Strafverfolgung
abgedreht werden könnte.
Faymann kampfeslustig
Seit Faymanns Sager – und natürlich auch
schon davor – kämpft die Wiener Staatsanwaltschaft freilich darum, auch nach
dem „Freikauf“ von Mensdorff um 328 Millionen Euro, den Fall in Österreich
doch noch vor Gericht bringen zu können.
Mensdorff-Anwalt Harald Schuster erklärt aber in ÖSTERREICH, dass das
Verfahren einzustellen sei: „Nach Artikel 54 des
Schengen-Durchführungsübereinkommens ist bei Identität von Sachverhalten ein
zweites Strafverfahren nicht erlaubt. Wir gehen notfalls bis zum
europäischen Gerichtshof, um das durchzukämpfen.“
Juristische Bombe
Gerhard Jarosch, Sprecher der
Staatsanwaltschaft Wien, sieht das derzeit noch anders: „Wir warten noch auf
eine Ausfertigung der britischen Entscheidungen. Nur wenn sie den Charakter
eines Gerichtsurteils haben, müssen Verfahren zu identen Vorwürfen in Wien
eingestellt werden.“ Die absolute juristische Bombe könnte laut
Strafrechtsprofessor Frank Höpfel freilich noch detonieren: „Haben die
Briten nur einen Deal mit BAE, wonach alles aussieht, und nicht mit
Mensdorff, gibt es kein Hindernis dafür, dass das Strafverfahren in Wien
ungebremst weiterlaufen kann.“ Falls da nicht „justizpolitische Erwägungen“
dagegen sprechen.