Kommunalkredit-Millionen in Kasachstan

ÖSTERREICH

© APA (2x)

Kommunalkredit-Millionen in Kasachstan

Die „Verlotterung und Verwahrlosung, die in Teilen der Politik herrschen, schockieren mich“, kontert SP-Ministerin Claudia Schmied ihren Kritikern.

Seit einigen Tagen steht Schmied schließlich unter Dauerfeuer: Die Oppositionsparteien und der Koalitionspartner ÖVP kritisieren Schmied wegen ihrer einstigen Tätigkeit bei der Kommunalkredit.

Immerhin erstattete die Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Anzeige gegen die Manager der Kommunalkredit - Schmied saß dort von 2004 bis Jänner 2007 im Vorstand.

Im ÖSTERREICH-Interview hält die Bildungs­ministerin allerdings fest: "Die Vorwürfe fallen in eine Zeit, in der ich die Bank längst verlassen hatte.“ Das bestätigt auch die FMA, die Schmieds einstigen Chef, Reinhard Platzer, im Visier hat.

Ist Schmied damit also gänzlich aus dem Schneider? Nicht, wenn es nach ihren Kritikern geht. Denn die werfen der ehemaligen Bankerin eben auch "Spekulationsgeschäfte“ in ihrer Vorstandszeit vor.

114 Millionen Euro in kasachische Papiere
ÖSTERREICH-Recherchen ergeben nun, dass im Kommunalkredit-Prüfbericht der Wirtschaftsprüfer von Deloitte tatsächlich einige Risiko-Spekulationen vorkommen:

  • So hatte die Kommunalkredit etwa auch in – nicht ganz so sichere – Triple-B-Wertpapiere und nicht nur in die vermeintlich absolut sicheren Triple-A investiert.
  • Das Portfolio von riskanten Produkten ist von 29 Millionen Euro im Jahr 2003 auf 1,279 Milliarden 2004 und schließlich auf stolze 9,9 Milliarden Euro 2007 angestiegen.
  • 114 Millionen Euro wurden in Papiere der Republik Kasachstan angelegt. Diese Kasachstan-Papiere befanden sich jedenfalls schon im Jahr 2006 – also zu Schmieds Zeit – im Portfolio der Kommunalkredit. Claudia Schmied erklärt dazu, dass Kasachstan damals „seriös gerated (eingestuft, Anm.) und wohlhabend“ war. Geschäfte in der Region waren tatsächlich für sämtliche österreichische Firmen damals üblich.

Für diese Investitionen dürfte tatsächlich ihr damaliger Chef Platzer zuständig gewesen sein.

Claudia Schmied glaubt jedenfalls, dass die Attacken auf sie "eine Retourkutsche für die Kritik an den Spekulationsgeschäften des Bundes“ seien...Lesen Sie hier das Interview mit SP-Ministerin Schmied:

ÖSTERREICH: Sie werden wegen der Finanzgebarung ihrer Ex-Bank hart kritisiert.
Claudia Schmied: Natürlich bedaure ich es sehr, wenn eine Bank in die Verlustzone rutscht. Aber die Kritikpunkte beziehen sich auf eine Zeit, in der ich die Bank längst verlassen hatte. Diese ganzen Angriffe sind ein Politspektakel, das vor allem von der ÖVP inszeniert wird. Inhaltlich sind alle Vorwürfe haltlos.

Die Kommunalkredit hatte aber 2006 – während Ihrer Zeit als Vorstand dort – 114 Millionen Euro in Papieren in Kasachstan angelegt. Das waren ja wohl Hochrisiko-Geschäfte, oder?
Überhaupt nicht. Zu jener Zeit galt Kasachstan als sehr wohlhabend. Diese Papiere waren sehr hoch und gut gerated. Zu meiner Zeit wurde ausschließlich in sichere Anlagen investiert.

Sie haben erklärt, dass Ihnen „gewisse Kreise“ schaden wollten. Wen meinen Sie damit?
Dass diese Angriffe zum Schulbeginn kommen, ist ja kein Zufall. Das ist ein minutiös geplantes Politmanöver. Und es ist ein Ablenkungsversuch.

Wovon soll abgelenkt werden?
Von den Spekulationsgeschäften der Bundesfinanzierungsagentur. Man will eine reformfreudige Ministerin anpatzen. Das ist eine Retourkutsche der ÖVP wegen der Kritik an Molterer und Pröll. Das haben mir hochrangige ÖVP-Vertreter auch so gesagt. Ich bin schockiert über diese Verlotterung und Verwahrlosung.

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