Krieg um die Schule

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Krieg um die Schule

Eine zentrale Bundesverwaltung, ein einheitliches Dienstrecht mit längerer Anwesenheit, aber höheren Einstiegsgehältern für Lehrer und mehr Macht für Schuldirektoren: Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) will den verstaubten Schulapparat modernisieren. Kein leichtes Unterfangen: Denn die Lehrer rebellieren und stemmen sich vehement dagegen.

Schulreform: Auch SPÖ-Gewerkschafter skeptisch
Im ÖSTERREICH-Interview (siehe rechts) sagt nun sogar der rote FSG-Gewerkschafter Michael Zahradnik: „Ich befürchte, dass diese Reform eigentlich eine weitere Sparmaßnahme ist.“ Für ihn ist vor allem der Plan einer längeren Anwesenheit nicht umsetzbar. „Wenn das bedeutet, dass Lehrer acht Stunden in der Schule anwesend sein und in dieser Zeit alle Aufgaben erledigen müssen, wird das in der Praxis nicht zu machen sein“, so Zahradnik.

Lehrer fürchten viel mehr neue Verpflichtungen
Auch der (ÖVP-)Gewerkschafter Walter Riegler äußerte in ÖSTERREICH Kritik. „In Wirklichkeit geht es darum, die Arbeitszeit durch die Hintertür zu erhöhen“, so Riegler. Eine längere Anwesenheit sei nur dann möglich, wenn die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden. Riegler: „Ich fürchte, dass hinter der Forderung nach mehr Anwesenheit den Lehrern auch mehr neue Aufgaben wie Nachhilfe zugemutet werden könnten.“ Und Fritz Neugebauer, dem Chef der Beamtengewerkschaft, fehlt bei den Vorschlägen bisher der „Tiefgang“.

Im Zentrum der Lehrer-Kritik ist auch die Änderung des Gehaltsschemas. Ein AHS-Lehrer zu ÖSTERREICH: „Wir sind dafür, dass Junglehrer mehr verdienen als bisher. Aber es kann nicht sein, dass Überstunden noch einmal billiger werden.“

Ihre Pläne muss Schmied auch gegenüber einer breiten Bundesländer-Front rechtfertigen – und es gibt nun auch parteiinterne Kritik. Burgenlands Landeschef Hans Niessl sagte am Freitag, dass er eine Zentralisierung nicht befürworte. „Das ist nicht gut für das Bildungssystem“, so Niessl. OÖ-Landeschef Josef Pühringer: „Ich lehne die Übersiedlung der Landeslehrer zum Bund ab. Mit einer Verbundlichung wird die Schule nicht besser.“

Schmied fordert nun viel mehr Zusammenarbeit
Schmied erinnert, dass das Konzept in einer Arbeitsgruppe um die Staatssekretäre Schieder (SPÖ) und Lopatka (ÖVP) ausgearbeitet wurde. Und sie appelliert an die ÖVP: „Die Verwaltung ist Thema der gesamten Regierung. Ohne Zusammenarbeit ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt“, heißt es aus dem Büro von Claudia Schmied. Noch im Herbst sollen die ersten Verhandlungen mit Ländern und Gewerkschaft erfolgen.

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