Kritik von SPÖ:

Interview

Kritik von SPÖ: "Lehrer machen Panik"

Unterrichtsministerin Claudia Schmied nahm am Bildungsdialog der Sozialpartner in Bad Ischl teil. Wasser auf die Mühlen der SPÖ-Ministerin, die mit ihrer "Neuen Mittelschule" in Modellregionen schon 2008 starten will, ist die jüngste EU-Bildungsstudie. Deutschland und Österreich als Länder ohne Gesamtschule schneiden dort bei der sozialen Gerechtigkeit besonders schlecht ab: Kinder von schlecht ausgebildeten Eltern haben schlechtere Bildungschancen als etwa in den Niederlanden. Möglicher Grund: die frühe Selektion der Schüler in Hauptschulen und Gymnasien.

SPÖ hält die Proteste für inakzeptabel
Scharf kritisiert hat die SPÖ die stattfindenden Dienststellenversammlungen der AHS- und BMHS-Lehrer. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina bezeichnete es als "inakzeptabel", dass die Lehrervertreter "auf dem Rücken der Schüler beinharte ÖVP-Parteipolitik in den Schulen betreiben". ÖVP-Obmann Wilhelm Molterer und ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel müssten "die radikalen ÖVP-Lehrervertreter einfangen, die unter dem Deckmäntelchen des Protestes nichts anderes tun, als längst überholte Standesdünkel und eine verzopfte Bildungspolitik zu verteidigen."

Unter Hinweis auf die am Mittwoch präsentierte Sozialpartner-Forderung nach einem "neuartigen Schulwesen" meinte Kalina, es seien nur mehr ganz wenige, die sich mit aller Kraft gegen die notwendigen Modernisierungsschritte im Bildungssystem stemmen. "Es kann nicht sein, dass sich die Lehrer ihre Schüler aussuchen", so der SP-Bundesgeschäftsführer. Seit Jahren mache jede Studie aufs Neue klar, dass Österreichs Bildungssystem grundlegend reformiert werden müsse.

An den allgemeinbildenden (AHS) und berufsbildenden mittleren und höheren (BMHS) Schulen finden Donnerstag und Freitag Dienststellen-bzw. gewerkschaftliche Betriebsversammlungen statt, die offiziell unter dem Motto der "Information über schulorganisatorische Änderungen" und der Thematisierung der Arbeitssituation der Pädagogen stehen. In einer von den AHS-Lehrervertretern erstellten Vorlage für Elternbriefe wird "eine Schädigung unserer Schule" durch die Gesamtschul-Pläne von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) befürchtet. Das Unterrichtsministerium hatte diese "bewussten Falsch-und Halbinformationen" als "Panikmache" kritisiert.

Schmied in Interview

ÖSTERREICH: Die Lehrer streiken gegen Ihre "Neue Mittelschule". Was sagen Sie dazu?
Claudia Schmied: Es ist mir unverständlich, warum hier eine kleine Funktionärskaste Panik- und Angstmache betreibt. Ich habe von den Lehrern ein anderes Bild.
ÖSTERREICH: Sie brauchen für Ihre Modellregionen ein Gesetz und damit das Ja der ÖVP. Knackpunkt wird sein, inwieweit die Betroffenen eingebunden werden.
Schmied: Wir müssen die Betroffenen zu Beteiligten machen. Auf der anderen Seite müssen wir darauf achten, dass die Eltern klare Rechtssicherheit haben und die Kinder, die in der Neuen Mittelschule beginnen, auch ihren Abschluss machen können.
ÖSTERREICH: Wie wird diese Neue Schule aussehen?
Schmied: Das Wichtigste ist, dass der Notendruck in der Volksschule wegfällt, es gibt keine Aufnahmebeschränkungen. Es wird natürlich den Fächerkanon weiter geben, der Lehrplan wird der der AHS-Unterstufe sein. Man wird sich bemühen, individueller auf die Kinder einzugehen. Es wird aber natürlich Noten geben. Es sollen offene Schulen sein, es wird Kooperationen mit Organisationen aus dem Sport- und Kulturbereich geben. Entscheidend wird sein, dass auf den weiteren Bildungsweg geschaut wird: Wohin entwickeln sich die Kinder: eher zu einer Lehre oder hin zu einer AHS-Oberstufe?
ÖSTERREICH: Welche Lehrer werden unterrichten?
Schmied: Das Modell lebt vom Engagement der Lehrer, ich will nur die besten und engagiertesten - sei es nun aus den Hauptschulen oder den AHS - haben. Niemand wird gezwungen. Dienstrechtlich ändert sich für die Betroffenen nichts.
ÖSTERREICH: Auch die Sozialpartner und damit die ÖVP-geführte Wirtschaftskammer fordern jetzt eine Neue Schule. Gibt Ihnen das Auftrieb?
Schmied: Ja, sie sind in vielen Bereichen auf einer Linie mit mir: etwa mit der Möglichkeit, dass Erwachsene Matura oder Hauptschulabschluss gratis nachholen können.

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