Sonderthema:
Lebenslanges Fahrverbot für Raser

Härtere Strafen

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Lebenslanges Fahrverbot für Raser

Österreich – ein Land gibt Vollgas. Im Vorjahr starben 204 Menschen auf den Straßen wegen Raserei. Seit 2005 wurden fast 1.500 Menschen getötet. Und: Fast täglich werden Lenker über 200 km/h geblitzt. Rekordhalter? Am 6. September ein Lamborghini-Fahrer, der seinen Sportwagen bei Amstetten auf 274 km/h beschleunigte. Am selben Tag starb ein junges Paar bei einem Autorennen am Wiener Gürtel. Igor T. (19) und Sladjana B. (21) wollten bald heiraten. Mit dem Speed-Rausch soll jetzt Schluss sein: SP-Verkehrsministerin Doris Bures überlegt sogar ein lebenslanges Fahrverbot für Extremfälle.

Neuer Strafenkatalog
Derzeit gilt: Wer mit mindestens 50 km/h über der Speed-Grenze erwischt wird, verliert zwei Wochen den Führerschein. Die Strafe bleibt gleich, egal ob man mit 180 oder etwa 230 km/h unterwegs ist. Bures will jetzt höhere Strafen für höhere Geschwindigkeiten. Diese Änderungen plant die Ministerin:

  • Wer zwischen 40 bis 50 km/h über dem Speed-Limit erwischt wird, bekommt eine Vormerkung. (Bei der 2. Vormerkung muss der Lenker sofort zum Verkehrs-Coaching, beim dritten Mal ist der Schein drei Monate lang weg.)
  • Wer 80 km/h schneller ist, soll den Schein vier bis sechs Wochen abgeben.
  • Ab 100 km/h: drei Monate ohne Führerschein.
  • In Extremfällen soll man ein Jahr für den Verkehr gesperrt werden. Bei Wiederholungstätern ist an ein lebenslanges Fahrverbot gedacht.
  • Um ausländische Raser zu stoppen, kann sich Bures sogar vorstellen, deren Autos beschlagnahmen zu lassen.

Unterstützt wird Bures vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. Die Pläne werden mit dem Koalitionspartner ÖVP noch verhandelt. Zuletzt nannte VP-Verkehrssprecher Ferry Maier Teile des Plans vorab "Autofahrer-Abzocke“.

Interview mit Bures: "Extremraser im Visier"

ÖSTERREICH: Sie wollen höhere Strafen für Raser. Welche Gruppe von Schnellfahrern haben Sie besonders im Visier?
Doris Bures: Die Extrem­raser, die mit weit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind. Also, es geht hier nicht um 20 oder 30 kmh zu schnell, sondern um jene, die weit darüber liegen.

ÖSTERREICH: Warum setzen Sie eher auf Führerscheinentzug als auf Geldstrafen?
Bures: Die Geldstrafen wurden mit dem Verkehrs­sicherheitspaket vor einem Jahr erhöht. Jetzt geht es dar­um, mit weiteren Begleitmaßnahmen ein Umdenken zu erreichen. Wir wissen aus einer Studie, dass ein zweiwöchiger Führerscheinentzug wie eine Geldstrafe von 1.000 Euro wirkt.

ÖSTERREICH: Was bringen die höheren Strafen für die Verkehrssicherheit?
Bures: Wir haben zum Beispiel mit den strengeren Strafen bei Alkohol am Steuer einen massiven Rückgang bei den Unfall­toten erreicht, und zwar um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

ÖSTERREICH: Wäre es nicht wichtiger, dass man durch mehr Kontrollen bestehende Strafkataloge durchsetzt?
Bures: Die begleitenden Kontrollen sind mindestens genauso wichtig wie die Strafkataloge. Deshalb hat das Innenministerium die Kontrollen erhöht.

ÖSTERREICH: Wie ist der Stand der Verhandlungen mit der VP beim Vormerksystem?
Bures: Wir sind in permanenten Gesprächen mit der ÖVP. Es gibt aber noch Diskussionsbedarf. Ich will das Paket so rasch wie möglich vorlegen, und ich bin optimistisch, dass sich die Vernunft durchsetzt.

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