06. Februar 2010 09:29
Freitag um 8 Uhr morgens zerplatzten die roten Träume von der absoluten
Mehrheit im ORF endgültig: Die ÖVP hatte wider Erwarten fünf von sechs
Publikumsräten ergattert. Dabei hatte die SPÖ bereits fix damit
gerechnet – wie bei der letzten Wahl – wieder haushoch zu gewinnen. Eine
Woche lang konnten die ORF-Zuseher ihre Stimmen per Fax abgeben. Das
Ergebnis ist freilich für die Regierung besonders spannend: Ab nun gibt es
im 35-köpfigen ORF-Stiftungsrat – der den neuen ORF-Generaldirektor 2011
wählt – wieder ein Patt zwischen SPÖ und ÖVP. Die SPÖ hat 13 Stiftungsräte,
die VP 12.
Jetzt kommt das neue ORF-Gesetz rascher
Aber das Ergebnis hat
auch eine Symbolkraft zum Start des Superwahljahres 2010 – mit gleich drei
Landtagswahlen. Denn die ÖVP-Parteimaschinerie konnte offensichtlich besser
mobilisieren als jene der Roten. Besonders bitter für Kanzler Werner
Faymann: Selbst der sonst so gut funktionierende SP-Pensionisterverband
unterlag gegenüber den schwarzen Senioren. Dass Schauspieler Gerhard
Tötschinger schlicht populärer ist als Beppo Mauhart ist dabei nur ein
kleiner Trost.
Dementsprechend nervös reagiert man nun in der SPÖ-Parteizentrale.
Allerdings können sich Kanzler Faymann und SP-Medienstaatssekretär Josef
Ostermayer zumindest über eine andere Entwicklung freuen: Bislang blockierte
die ÖVP das neue ORF-Gesetz aus Angst vor einer roten absoluten Mehrheit im
ORF-Stiftungsrat. Die ÖVP wollte bislang den Modus der Beschickung des
Stiftungsrates verändern. Das ist nach dem neuen „Gleichgewicht des
rot-schwarzen Schreckens“ – so ein ORF-Spitzenmann – nicht länger nötig. Das
benötigte ORF-Gesetz – und damit auch die 160 Millionen Euro an
Gebührenrefundierung für den ORF – werden schon bald beschlossen.
Schwarze Regenbogenkoalition
Wirklich spannend werden die neuen
Allianzen im ORF: Um sich durchzusetzen, bräuchte die SPÖ im Stiftungsrat
die Unterstützung der 5 Betriebsräte, der Grünen und des parteifreien Franz
Küberl.
Die ÖVP wiederum hätte ab jetzt eine Mehrheit mit der „schwarzen
Regenbogenkoalition“ aus ÖVP, FPÖ, BZÖ und Grüne, wie ein ORF-Mann
frohlockt. Oder SPÖ und ÖVP besinnen sich ihrer gemeinsamen Koalition.