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Mikl öffnet erste Kaserne

Asyl-Streit

Mikl öffnet erste Kaserne

Morgen, Freitag, läuft das „Ultimatum“ von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner an die Länder in Sachen Flüchtlingsunterkünfte ab. Und die ÖVP-Ministerin erhöhte am Mittwoch den Druck auf die Länder. In Kärnten – das wie fünf weitere Länder die Asylquote nicht erfüllt – wird die Kaserne Bleiburg für Asylwerber geöffnet.

Drei weitere Kasernen in ­petto
Konkret sollen 100 Flüchtlinge Quartier bekommen. Drei weitere Kasernen in Freistadt (OÖ), Tamsweg (Sbg.) und Horn (NÖ) 
stehen quasi 
„Gewehr bei Fuß“.

Mikl wartet aber noch bis Freitag, ob die Länder weitere Quartiere aufstellen: „Da tut sich was.“ Der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) ist jedenfalls sauer: „Das läuft ohne Plan ab“, wettert er.

Tatsache ist: Die Länder übernehmen viel zu wenig Asylwerber: In den letzten fünf Wochen gab es 8.710 Asylanträge – nur 2.967 Quartiere wurden von den Ländern angeboten. Derzeit leben knapp 1.200 Asylweber in Zelten.

(gü)

 

Flüchtling: "Zelte 
sind 
beschämend"

Er sieht müde aus, ist aber voller Hoffnung. Mohammad Sharify zahlte 21.000 Dollar für die monatelange Reise nach Österreich. Er landete im überfüllten Camp in Traiskirchen, später in Wien. Sein Asylbescheid ist positiv und bald will er die Familie nachholen.

ÖSTERREICH: Warum mussten Sie fliehen?
Mohammad Sharify: Ich arbeitete als Manager und als Arzt in einer Klinik. Doch es gab Probleme mit der Regierung, ich musste aus dem Land. Ich zahlte 21.000 Dollar, wurde aber von Schleppern zwei Monate in einem Raum versteckt, es fühlte sich wie Gefängnis an. Meine Frau und drei Kinder ließ ich zurück.

ÖSTERREICH: Wie war Ihr erster Eindruck von Österreich?
Sharify: Ich kam zuerst nach Traiskirchen. Alles war neu und verwirrend. Wir waren 20 Menschen in einem Raum ohne Privatsphäre. Ich konnte meine wenigen Sachen nicht versperren. Ich hatte nichts zu tun, habe nur nachgedacht. Es war schrecklich, ich wurde depressiv. Andere erzählten mir von Kämpfen im Lager.

ÖSTERREICH: Wie ging es weiter?
Sharify: Ich wurde noch zwei Mal verlegt. Die Bearbeitung meines Antrags dauerte Monate, aber ich darf zum Glück bleiben. Ich lebe jetzt im Caritas-Heim, besuche einen Deutsch-Kurs und will als Arzt Menschen helfen.

ÖSTERREICH: Flüchtlinge leben hier in Zelten und die Ministerin stoppte neue Verfahren...
Sharify: Zelte sind beschämend, es ist auch aus medizinischer Sicht schrecklich. Es sollte ein anderer Weg gefunden werden. Anstatt Verfahren zu stoppen, sollte die Ministerin Flüchtlingen wie mir helfen.

Jochen Prüller

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