Nächste Stronach-Attacke gegen Wolf

In der ZiB 2

Nächste Stronach-Attacke gegen Wolf

Wenn Milliardär Frank Stronach in der ZiB 2 zu Gast ist, gibt es was zu berichten. Nur wenige Monate nach seinem schon legendären Duell mit Moderator Armin Wolff, kam es auch am Dienstag wieder zu hitzigen Wortgefechten. Der Neo-Politiker, der untertags endlich das Programm seiner Partei präsentiert hatte, war Wolf Korruption vor und bot ihm Wirtschafts-Nachhilfe an.

Video zum Thema ZIB 2: Stronach Attacke gegen Wolf

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Ganze 40 Sekunden verlief das Interview in ruhigen Bahnen, ehe Stronach das erste Mal unterbrochen werden musste. Streitpunkt waren die vielen Berufspolitiker, die ihm ein Dorn im Auge sind. Den Einwurf Wolfs, dass auch im "Team Stronach" viele Berufspolitiker zu Werke gehen, wischte der Milliardär schnell vom Tisch: "Nochamal, die haben Mut gehabt und sind intelligent genug zu wissen, dass sie bei ihren Parteien keine Chance hatten."

Das Stronach-Interview im Wortlaut 1/114
Armin Wolf
Guten Abend und vielen Dank für's Kommen.
Frank Stronach Guten Abend.
Armin Wolf
Herr Stronach, warum verachten Sie Politiker eigentlich so?
Frank Stronach Ich habe nicht gesagt, dass ich sie verachte. Ich habe nur gesagt, wenn zu viele Berufspolitiker. Wir können die Politiker nicht alleine regieren lassen. Das ganze Land. Wir müssen verstehen, dass die Regierung, das Management eines Landes ist. Und unglücklicherweise besteht dieses Management aus Politikern. Das Mandat eines Politikers gewählt und wiedergewählt zu werden. Sobald sie die Wahl gewinnen, denken sie schon, was müssen wir tun mit der nächsten Wahl. Das heißt...
Armin Wolf
Das steht genau so…
Frank Stronach Ich bin gleich fertig. Das heißt: Das ganze Land wird durch politische Ideen und Überlegungen gemanaged. Und das kann nicht funktionieren.
Armin Wolf
Genau so wie Sie das jetzt gesagt haben steht das auf Seite 1 ihres Parteiprogrammes ihres Neuen. Da steht wörtlich: “Wir wollen keine Berufspolitiker.” Und dann steht da im ganzen Parteiprogramm verteilt: Politiker sagen nicht die Wahrheit, sie neigen zur Korruption, sie denken nur an ihren eigenen Vorteil. Und sie denken an das Parteibuch, usw.
Frank Stronach Das stimmt…
Armin Wolf
Moment, ich bin noch nicht fertig mit meiner Frage. Das interessante daran ist aber, dass Sie in ihrer ganz neuen Partei aber etliche Berufspolitiker haben. Zum Beispiel Herrn Köfer, den neuen Landesrat in Kärnten oder den Spitzenkandidaten in Salzburg oder ihre jüngste Nationalratsabgeordnete Frau Schenk, die ihr ganzes Berufsleben überhaupt nur als Parteiangestellte verbracht hat.
Frank Stronach Aber nocheinmal: Man muss sehen, dass diese Leute erstens einmal Mut gehabt haben. Und, dass sie auch intellligent genug sind, dass sie wissen, sie sind bei Parteien dabei, bei Politikern, wo es keine Zukunft gibt. Wir haben eine Regierung, die seit 50 Jahren nur Schulden macht. Das kann doch…
Armin Wolf
Aber jetzt weichen Sie mir aus. Das heißt, Berufspolitiker bei Team Stronach sind gute Berufspolitiker und die anderen sind schlechte Berufspolitiker?
Frank Stronach Nein. Die müssen auch nach den Werten. Wir werden einen Ehrencodex haben, die sie unterschreiben müssen. Und wir sagen, Politiker maximum zwei Perioden. Ich möchte hier noch sagen: Ich habe nie gesagt, dass die Politiker lügen. Und, dass sie nicht die Warheit sagen.
Armin Wolf
Aber natürlich. Das steht in ihrem Parteiprogramm. Herr Stronach, das müssen Sie ja nachlesen. Politiker sagen oft nicht die Wahrheit. Das steht…
Frank Stronach Nein, nein, nein. Das ist ein Unterschied, wenn man sagt, die Politiker sagen nicht die Wahrheit.
Armin Wolf
Genau das habe ich zitiert…
Frank Stronach Nein, nein. Ja genau. Ob ich hier sage, sie sagen ‘oft nicht die Wahrheit’, da ist ein Unterschied. Und oft heißt: Wieviel, zehn Prozent oder zwanzig. Ich weiß ganz genau, was ich sage. OK? Und ich hoffe, wir haben heute ein sehr sachliches und sehr vernünftiges. Und ich freue mich, dass wir einmal sehr vernünftige Gespräche haben.
Armin Wolf
Ja, das hoffe ich auch. Jetzt können wir nicht ihr ganzes Parteiprogramm abarbeiten. Das hat immerhin 62 Seiten und viele, viele Punkte. Aber zu ein paar Punkten möchte ich Sie fragen. Die Schulden haben Sie schon angesprochen. Und jetzt schreiben Sie da konkret: Sie wollen die Verwaltungskosten in Österreich jedes Jahr um 5 Prozent senken. Wieviele Milliarden wären das?
Frank Stronach Das sind viele Milliarden.
Armin Wolf
Ja wieviel?
Frank Stronach Wir müssen das durchrechnen. Ja. Wir müssen das durch. Ich weiß, es wird über eine Milliarde sein. Und wir wisse auch, dass Ganze passt nicht mehr. Nicht. Zum Beispiel, unser Vorschlag ist: Unser Wirtschaftsprogramm ist aufgebaut auf sozialökonomische Gerechtigkeit. Wir sagen: Firmen, die ihren Profit in Österreich investieren, zahlen nur 10 Prozent Steuern, Und das können sie den Arbeitern geben, weil es ist für die Arbeiter ein moralisches Recht, dass ein Teil des Profits. Aber, was wir sagen: Firmen, österreichische Firmen, die ihren Profit im Ausland investieren, müssen die vollen Steuern zahlen. Und sie können die Schulden nicht abschreiben und die Verluste, was sie… Und das war das Problem… Milliarden wurden…
Armin Wolf
Aber, Herr Stronach. Das hat jetzt mit meiner Frage überhaupt nichts zu tun…
Frank Stronach Wir müssen… Die Leute wollen auch verstehen… Wir sagen, das ist eine Wirtschaftsfrage. Und ich glaube, die Wirtschaft verstehe ich.
Armin Wolf
Herr Stronach.
Frank Stronach Und ich weiß auch, Sie sind ein guter Reporter, aber die Wirtschaft verstehen Sie nicht ganz.
Armin Wolf
Herr Stronach.
Frank Stronach Ich gebe Ihnen gerne etwas Wirtschaftsnachunterricht.
Armin Wolf
Gut. Ich habe ein bisserl Wirtschaft studiert. Aber immerhin.
Frank Stronach Ein bisschen, das ist.. das genügt ja nicht.
Armin Wolf
Und jetzt trotzdem. Wenn Sie so konkret schreiben in Ihrem Parteiprogramm, dass Sie die Verwaltungskosten um fünf Prozent senken können, dann müssen Sie ja wissen, wieviel diese fünf Prozent sind.
Frank Stronach Ja, wir wissen, wieviel die Verwaltungskosten sind. Insgesamt fünf Prozent. Das kann man sich ausrechnen. Wichtig ist: Wir müssen die Verwaltungskosten reduzieren. Wir alle wissen, das ist überverwaltet. Wenn Du in Österreich eine Schuhmacherei anfangen willst, einen Friseurladen, Du musst viele Prüfungen ablegen. Pass auf, wenn die Schuhe nicht passen, kauft sie Dir keiner ab. (Das hat mit der Umwelt nichts zu tun.) Wir brauchen. Wir müssen die Wirtschaft ankurbeln.
Armin Wolf
Herr Stronach, diese Sätze bestreitet ja niemand. Das unterschreibt ja jede andere Partei auch.
Frank Stronach Nein, wir müssen. Es ist nur wichtig… Es muss einmal verstanden werden, wie die Wirtschaft funktioniert. Die Wirtschaft wird von drei Kräften geschrieben. Äh, getrieben: Kluge Manager, fleißige Arbeiter und Investoren. Und ich sage, die Arbeiter haben ein moralisches Recht, einen Teil des Profites, den sie durch ihren Fleiß mittragen. Und dadurch entsteht ein ganz anderes Denken. Und die Arbeiter sind mehr motiviert. Sie sind dann mit Herz dabei. Sie denken nach. Das führt zu neuen Produkten.
Armin Wolf
Herr Stronach.
Frank Stronach Man wird produktionsfähiger.
Armin Wolf
Herr Stronach. Kennen Sie den Schriftsteller Mark Twain?
Frank Stronach Ja, natürlich. Ich habe schon viel von ihm gehört.
Armin Wolf
Mark Twain hat einmal geschrieben: Ein Interview besteht üblicherweise aus dem Interviewer der Fragen stellt, und dem Interviewten, der sie beantwortet. Ihre Antworten haben überhaupt nichts mit meiner Frage zu tun gehabt. Ich möchte noch einmal gerne wissen: Wieviel der österreichischen Verwaltungskosten können sie einsparen.
Frank Stronach Sie haben ein Problem: Sie wollen immer Ja oder Nein. Ich könnte auch sagen…
Armin Wolf
Nein, ich muss gar nicht Ja oder Nein.
Frank Stronach Sagen Sie mir Ja oder Nein: Ist der ORF wirtschaftlich sehr gut geführt?
Armin Wolf
Herr Stronach. Herr Stronach.
Frank Stronach Sagen Sie mir Ja oder Nein.
Armin Wolf
Herr Stronach, ein Interview besteht aus einem Interviewer, der die Fragen stellt. Das bin ich.
Frank Stronach Sie sind Staatsangestellter.
Armin Wolf
Nein, ich bin kein Staatsangestellter.
Frank Stronach Sie sind beim ORF. Dann ist es halt eine verdeckte Anstellung.
Armin Wolf
Herr Stronach.
Frank Stronach Sie können mir ja nicht sagen, dass das das eine private Firma ist. Das ist.. Das stimmt nicht was Sie jetzt sagen.
Armin Wolf
Herr Stronach, ich bin kein Staatsangestellter.
Frank Stronach Sie sind… Sie arbeiten… Wissen Sie, was Korruption ist? Korruption ist auch, Leute, die bewußt, Korruption, Strukturen und Werte unterstützen. Und ich glaube, mit dem Herzen und Denken gibt er mir recht. Aber ihr wisst, wenn ihr nicht nach den Parteien euch so verhält, dann habt ihr diese Stellung nicht. Weil dieser Verein…
Armin Wolf
Herr Stronach.
Frank Stronach …und der ORF wird nur von Politik funktionieren…
Armin Wolf
Herr Stronach, Sie haben unrecht. Aber ich will mit Ihnen nicht über den ORF diskutieren. Diskutieren wir über die Währungsunion. Ein wichtigeres Thema. Da wollen Sie austreten. Und Sie schlagen in dem Programm jetzt vor, dass jedes Land jetzt seine eigene Währung bekommen. Seinen eigenen Euro mit unterschiedlichem Wert. Jetzt, wenn das einen unterschiedlichen Wert hat, wozu soll es dann noch Euro heißen. Warum dann nicht gleich zurück zum Schilling?
Frank Stronach Ich hoffe, ich bin für ein starkes Europa. Das braucht Generationen, bis das zusammenwächst. Und, nicht, wir haben jetzt den Euro. Dann kann ruhig.. Wir sind das gewöhnt den Euro. Aber eines ist ganz sicher: Wenn Österreich seinen eigenen Euro haben würde: Die Österreicher wissen, dass der österreichische Euro mehr Wert ist als der griechische Euro.
Armin Wolf
Und das ist der Unterschied?
Frank Stronach Und darum dreht sich’s.
Armin Wolf
Und was ist der Unterschied zwischen dem Schilling und einem österreichischen Euro?
Frank Stronach Nein, nein, nein. Ich.. Wenn die Mehrheit... Wir haben jetzt einmal den Euro. Und die ganze Idee ist ja, dass Europa zusammen wächst. Jetzt, wie wir in Europa strukturiert sind, wachst Europa auseinander. Es entsteht ein Hass. Und Hass kann zu Kriege führen. Und das müssen wir vermeiden. Also, wenn man in Griechenland die Bilder sieht: Merkel mit Schnurrbart wie der Hitler und so weiter. So entsteht ein Hass. Es funktioniert nicht mehr. Das war eine Fehlkonstruktion, die gemeinsame Währung. Weil, wenn jedes Land seine Währung hat, dann kann ein Land aufwerten oder abwerten, um wieder konkurrenzfähig zu sein.
Armin Wolf
Gut.
Frank Stronach Das sind alles ganz wichtige Wirtschaftsfragen.
Armin Wolf
Alles das, wären noch etliche Nachfragen wert. Aber es gibt noch so viele andere interessante Punkte. Auf Seite 20 ihres Parteiprogrammes steht: Wer nichts zu verbergen hat, kann auch alles offen legen.
Frank Stronach Genau.
Armin Wolf
Jetzt haben Sie in den letzten Monaten mehrfach angekündigt, dass Sie ihre persönlichen Finanzen offen legen werden. Haben aber dann letztlich immer nur den gleichen Satz gesagt: Nämlich, dass Sie in Österreich ungefähr zwei Millionen im Jahr verdienen. Und eine Million Steuer zahlen.
Frank Stronach …Auszug vom Finanzamt.. Das ist es…
Armin Wolf
Wann machen Sie das? Das kündigen Sie schon seit vielen Monaten an.
Frank Stronach Ich sage das und ich kann nicht… Letztendlich wird der Auszug vorkommen, wo ungefähr draufsteht: 2 Millionen Steuer. Und das ist ja nicht kompliziert.
Armin Wolf
Und das dürfen wir dann morgen filmen?
Frank Stronach Bitte?
Armin Wolf
Dürfen wir das dann morgen filmen?
Frank Stronach Ich muss.. Ich muss zuerst schauen, wo das ist.
Armin Wolf
Ja, aber Sie kündigen das seit August schon an.
Frank Stronach Es ändert ja nichts. Wenn ich etwas anderes sagen würde, dann würde ich hier als Lügner dastehen.
Armin Wolf
Ja wir können es ja nicht überprüfen.
Frank Stronach Ja, ich sage: Ihr kriegt’s es einmal.
Armin Wolf
Was heißt einmal?
Frank Stronach Ja, einmal eben. Pass auf. Das Finanzamt… wird meistens immer nach einem Jahr abgerechnet. Und da gibt es eine genaue Überstellung.
Armin Wolf
Gut. Man kann den Eindruck gewinnen, Sie meinen es nicht wirklich Ernst mit Ihrer Ankündigung.
Frank Stronach Ich meine es Ernst. Ich habe nichts zu verbergen. Überhaupt nicht.
Armin Wolf
Also, wir bekommen das und dürfen das abfilmen?
Frank Stronach Ihr könnt euch das abfilmen.
Armin Wolf
Gut. Wir kommen darauf zurück. Jetzt geht es ja in Ihrer Partei ja ziemlich chaotisch zu. In Niederösterreich können sich die Abgeordneten seit über einem Monat nicht einigen, wer Klubobmann werden soll. Und in Tirol wurde vor zwei Wochen, fünf Wochen vor der Wahl, ihr Parteiobmann abgesetzt. Und der ebenfalls abgesetzte Landesgeschäftsführer, der tritt jetzt mit seiner eigenen Liste Team Stronach an, die nicht ihre ist. Jetzt fliegen Sie morgen nach Tirol um mit ihm zu reden. Und ich höre aber heute aus Ihrer Partei, Sie werden ihm dann morgen sagen, dass Sie ihn nicht unterstützen werden und seine Liste nicht finanzieren werden.
Frank Stronach Nein, das stimmt ja alles nicht. Ich hatte heute das erwähnt. Ich wurde dreimal gefragt in der Pressekonferenz. Ich habe gesagt: Ich fliege morgen nach Tirol. Ich schätze Tiroler sehr. Tiroler sind sehr freiheitsliebend. Wollen nicht dominiert sein, von irgendjemanden: Nicht vom ihm, nicht von Brüssel. Und auch nicht von mir. Wir sind eine junge Partei. Wir machen Fehler. Wir haben in der kurzen Zeit. Wir haben… Tausende von tausenden Leuten kommen und wollen mit dabei sein. Und da passieren Fehler. Aber letztendlich, wenn die Werte nicht stimmen. Und, wo mein Name drauf steht, da müssen die Werte stimmen. Ich fahre morgen raus. Ich werde zu den Tirolern sagen, was ich… Ich schätze Tiroler sehr, Tirol ist ein sehr wichtiges Land für Österreich. Und ich verstehe die Unabhängigkeit und so weiter. Und ich werde da mit den einzelnen Leuten sprechen und mir ein Bild machen, was da falsch gelaufen ist. Und am Donnerstag werden wir dann fertig sein, mit den Leuten zusammensitzen, wo wir das alles überprüfen und einmal eine Klarstellung machen. Und am Donnerstag Nachmittag oder am Freitag werden wir dann ein Inserat in die Presse, wie wir das sehen und welche Maßnahmen wir getroffen haben.
Armin Wolf
Wir müssen schon zum Ende kommen. Jetzt nach den Landtagswahlen in Niederösterreich und Kärnten, wo Sie ungefähr 10 Prozent erreich haben, haben Sie gesagt: Sie sind enttäuscht, und hätten sich mehr erwartet. Was sind denn jetzt Ihre Erwartungen für Tirol und Salzburg?
Frank Stronach Ich muss morgen.. Für Tirol kann ich überhaupt keine Aussagen machen. Ich fahre morgen raus…
Armin Wolf
Gut, das haben wir schon gehört… Salzburg?
Frank Stronach Salzburg glaube ich, Salzburg werden wir mehr wie 10 Prozent machen. Und wir werden sehen. Wir arbeiten. Wir sind alle ziemlich neu. Alles ziemlich… Irgiendwie… Wir werden gut abschneiden.
Armin Wolf
Was ist die Latte für die Nationalratswahl, damit Sie zufrieden sind?
Frank Stronach Die Latte ist sehr hoch.
Armin Wolf
Wie hoch?
Frank Stronach Ich sage nie einen Prozentsatz.
Armin Wolf
Sie haben schon oft Prozentsätze gesagt. Sie haben mal 20 gesagt, sie haben mal 30 gesagt.
Frank Stronach Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Nie.
Armin Wolf
Ich habe so viel gelesen, was Sie alles gesagt haben.
Frank Stronach Was die Zeitungen schreiben, ist ja alles Mist.
Armin Wolf
Und auch im Fernsehen gesagt haben, Herr Stronach.
Frank Stronach Nein. Zeigen Sie mir, ich kann es sagen, ich sage das nicht. Ich habe das nie gesagt. Ich weiß, was ich sage. Sie können mich mitten in der Nacht aufwecken. Ich sage: Es kommt vom Herzen, es ist die Wahrheit. Ich sage nie die Prozent, ich sage, ich arbeite. Wir haben gute Programme. Wenn Leute unsere Programme verstehen. Nicht, Wirtschaftsprogramme, die auf sozialökonomische Gerechtigkeit…
Armin Wolf
Herr Stronach, das können wir jetzt nicht nochmal besprechen.
Frank Stronach Ja, aber
Armin Wolf
Sie wollen mir keine Zahl sagen.. Akzeptiere ich.
Frank Stronach Nein, habe ich nie. Habe ich nie gesagt.
Armin Wolf
Letzte… Akzeptiere ich. Letzte Frage, weil Sie das auf Ihrer Pressekonferenz nicht konkret beantwortet haben: Können Sie in Ihrer Partei eigentlich überstimmt werden? Oder haben Sie bei allem ein Veto-Recht?
Frank Stronach Nein, ich habe ein Veto-Recht in der Bundespartei. Ich habe immer gesagt, in den Ländern, wenn es gute Leute dort gibt, die unsere Werte akzeptieren, dann bin ich finanziell behilflich. Aber in der Bundespartei, die ist sehr wichtig, und da wird ein sehr gutes Auge darauf merken…
Armin Wolf
Und da haben Sie das letzte Wort?
Frank Stronach Da habe ich das letzte Wort.
Armin Wolf
Allerletzte Frage: Könnten Sie von Ihrer Partei abgewählt werden?
Frank Stronach Ich glaube nicht. Ich glaube nicht.
Armin Wolf
Danke vielmals.
Frank Stronach Danke. Heute war’s besser, wie das letzte Mal.
Armin Wolf
Ich arbeite daran.
Frank Stronach Sehr gut.
Armin Wolf
Ich muss sagen, Sie auch.
Frank Stronach OK. Sehr gut.
Armin Wolf
Vielen Dank für Ihren Besuch im Studio.
Frank Stronach Danke.

Hitzige Diskussion
Das war der Startschuss für eine hitzige Diskussion, wie man sie von den beiden Streithähnen kennt. Der Vorwurf, dass in seinem Parteiprogramm stehe, dass Politiker nicht die Wahrheit sagen, trieb Stronach beinahe die Zornesröte ins Gesicht: "Ich habe nicht gesagt, dass Politiker lügen." Dann musste er allerdings relativieren: "Lügen und nicht die Wahrheit sagen ist ein Unterschied. Ich freue mich, dass wir mal ein vernünftiges Gespräch haben."

Weniger vernünftig erschien Stronach die Frage Wolfs, wie er jährlich fünf Prozent bei Verwaltungskosten einsparen wolle: "Sie sind ein guter Reporter, aber die Wirtschaft verstehen sie nicht so. Ich würd ihnen gern Wirtschaftsnachhilfe geben." Der Milliardär echauffierte sich so sehr über den Moderator, dass dieser ihm wieder einmal erklären musste, wie das mit Fragen und Antworten bei einem Interview so funktioniert.

Einmal in Rage geredet, griff Stronach wieder einmal eines seiner Lieblingsziele an: Den ORF. Wolf sei ein "verdeckter Angestellter" und alle im ORF wüssten, "wenn ihr euch nicht nach den Parteien verhält, dann habt ihr diese Stellung nicht. Dieser Verein, der ORF, wird nur von Politfunktionären geführt."

"Merkel mit Hitler-Bart"
Aus der Frage nach der von Stronach geforderten Rückkehr zum Schilling, aus dem diesmal ein "österreichischer Euro" wurde, wurde eine Attacke gegen die moderne Gesellschaft: "Es entsteht Hass, es funktioniert nicht mehr, Merkel mit Hitler-Bart, so entstehen Kriege." Auch die Printmedien bekamen noch ihr Fett weg. Er habe nie 30 Prozent bei den Nationalratswahlen angekündigt: "Ich habe nie Prozente genannt. Was die Zeitungen schreiben ist ja Mist."

Am Ende gab sich Stronach versöhnlich: "Das Gespräch war besser als das letzte Mal." Wolf: "Ich arbeite daran." Stronach: "OK, sehr gut."

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