Neonazis sehen FPÖ als Vorfeldorganisation

"alpen-donau.info"

© AP

Neonazis sehen FPÖ als Vorfeldorganisation

Als "Vorfeldorganisation, die uns Unterschlupf gewährt und auf deren Strukturen wir zurückgreifen können", bezeichnen die Betreiber der Neonazi-Homepage "alpen-donau.info" die FPÖ. Verpackt ist dieser Satz in einem mit Sonntag datierten Beitrag unter dem Titel: "Eine Interviewanfrage - wir antworten öffentlich". FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache wies diese Darstellung entschieden zurück.

"Haben mit diesen Herrschaften nichts zu tun"
Wörtlich sprach Strache von einem "Unsinn" und sagte weiter: "Wir haben mit diesen Herrschaften jedenfalls nichts zu tun".  Im Übrigen beschäftige er sich mit dieser Seite nicht und kenne sie auch nicht. Gleichzeitig ging der FPÖ-Obmann zum Gegenangriff über: "Ich habe schön langsam den Verdacht, dass es sich um eine Agent-Provokateur-Seite handelt, die von politischer Seite geschützt wird."  Er wundere sich, dass diese Seite bis heute im Netz stehe und er frage sich wo die Innen- und die Justizministerin in dieser Angelegenheit sind.  Er habe schon drei Mal Klage eingebracht, sagte Strache.

"Tradition hochhalten"
"Wer hinter unserer Netzseite steckt? Viele wollen es wissen", heißt es auf der Homepage in der Antwort auf die Interviewanfrage, die laut den Betreibern das "Standard Seminar Team" abgeschickt haben soll. "Glücklicherweise verfügen wir insbesondere in Österreich, aber auch im übrigen Deutschland, über eine Reihe von Vereinigungen, von den nationalausgerichteten Studentenverbindungen, Turnerbünden bis hin zu Wander- und Schutzvereinen, kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenschlüssen, in denen unsere Tradition hochgehalten wird", heißt es auf der Website. Der "nationale Widerstand" in Österreich umfasse "im wesentlichen alle deutschbewußten Gruppen und Personen". Man lebe " in einem zur Gänze vom Feind besetzten Land", so die Betreiber von "alpen-donau.info".

Schlagende Burschenschaften
Erst am Freitag hatte die APA darauf hingewiesen, dass einige Personen, die in einer parlamentarischen Anfrage der Grünen als dem Umfeld der Homepage-Betreiber zuzurechnend genannt werden, aus dem Milieu schlagender Burschenschaften kommen. Auch weitere, bisher namentlich nicht genannte Personen, die zumindest am Verfassen eines oder mehrerer Beiträge auf "alpen-donau.info" beteiligt gewesen sein könnten, stammen zum Teil aus dem Burschenschafter-Milieu. Den der APA vorliegenden Informationen zufolge könnte der Verdächtigenkreis bis zu 29 Personen umfassen, von denen demnach bis zu 13 Angehörige schlagender pennaler oder akademischer Verbindungen wären.

"Unbeteiligte"
Einige dieser Personen sind oder waren demnach auch der FPÖ oder einer ihrer Vorfeldorganisationen wie dem Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) zuzurechnen. Insider machen in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass nach der Auflösung des vom Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) als neonazistisch klassifizierten Bundes freier Jugend (BfJ) in Oberösterreich einige seiner Mitglieder bei Teilorganisationen des RFJ untergekommen sein sollen. Nicht zuletzt deshalb sehen Experten auch die Reste des BfJ innerhalb jenes Kreises, der für die Erstellung der Homepage verantwortlich sein soll. Die auf der Liste der Grünen genannten Personen wurden am Sonntag übrigens samt und sonders als "Unbeteiligte" tituliert.
 

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