Numerus Clausus in Österreich

Experten-Urteil

Numerus Clausus in Österreich "unsinnig"

Aus Sicht des Salzburgers Erziehungswissenschafters Ferdinand Eder wäre die Einführung eines Numerus Clausus (NC) in Österreich, wie sie sich Tirols Landeshauptmann Günther Platter (V) vorstellen kann, "unsinnig". "Derzeit kann man in Österreich aus den Noten in den Abschlussklassen keine sinnvolle Prognose für das Studium ableiten", sagt er. Auch aus Sicht von Hans Sünkel, Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), ist ein NC für Österreich "keine wirklich gute Idee".

Nicht vergleichbar
Da man in Österreich nicht nur das Gymnasium, sondern auch fünf verschiedene Formen von berufsbildenden höheren Schulen (BHS) mit Hochschulreife abschließe, seien die Noten der Abschlussklassen nicht vergleichbar. Die inhaltlichen Anforderungen und das Stundenausmaß pro Fach seien an den verschiedenen Oberstufenformen einfach zu unterschiedlich, begründet Eder.

In Deutschland sei hingegen das Gymnasium im Grunde die einzige Schulform, deren Abschluss zum Uni-Besuch berechtigt. Die Zentralmatura, die mit 2013/14 an den AHS und mit 2014/15 an den BHS eingeführt wird, wird aus Eders Sicht zumindest eine gewisse Vergleichbarkeit bringen, da ein Teil der Beispiele für alle Schultypen gilt.

Noten spielen geringe Rolle

Eder sieht allerdings ein weiteres Problem bei einer Einführung des NC in Österreich: Derzeit würden Noten nur eine relativ geringe Rolle für viele Schüler spielen, vor allem Burschen würden mit Noten strategisch umgehen und sagen: Ein Vierer reicht. Die Note sage damit nichts über die Kompetenz dieser Schüler aus, sondern darüber, wie viel Anstrengung sie zu investieren bereit waren. "Wenn ich aber als Schüler weiß, dass die Note dann eine Rolle für die Uni-Zulassung spielt, gehe ich ganz anders heran."

In Deutschland sei das Numerus-Clausus-System hingegen schon etabliert. Bereits in den Jahren vor dem Abschluss werde an den Schulen darauf geachtet, dass die Noten vergleichbar sind.

Aus Sünkel Sicht könnte ein NC in Österreich lediglich dazu beitragen, dass die Zahl deutscher Studenten in Österreich gesenkt werden. Generell würden die Notendurchschnitte der Gymnasien nur einen Teil der Fähigkeiten abbilden, die man für ein bestimmtes Studienfach braucht. "Wenn man schon an Notendurchschnitts-Orientierung denkt, dann muss sich noch eine ordentliche Aufnahmsprüfung dazugesellen und vielleicht sogar noch ein Aufnahmegespräch." In Fächern, wo es weniger Nachfrage als Angebot gebe, könne man sich allerdings ein Aufnahmeverfahren ersparen.

"Unqualifizierter Senf"
Als "unqualifizierten Senf zur Universitäts-Politik" hat Grünen-Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald Platters Aussage am Montag in einer Aussendung tituliert. Die Beurteilung nach Matura-Noten sei unfair und dumm und die Akademikerquote ohnehin bereits zu gering.

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