Nur mehr vier Jahre Haft für Honsik

Milde für Neo-Nazi

© APA/ Pfarrhofer

Nur mehr vier Jahre Haft für Honsik

Dem Holocaust-Leugner Gerd Honsik ist am Montag im Justizpalast Milde zuteilgeworden. Die ursprünglich verhängte fünfjährige Freiheitsstrafe wurde auf 4 Jahre reduziert. Dem vorsitzenden Richter Christian Dostal war die in erster Instanz ausgesprochene Strafe "zu viel", wie er in der Urteilsbegründung feststellte.

Honsik war wegen wiederholter nationalsozialistischer Wiederbetätigung schuldig erkannt worden, wobei sich der Tatzeitraum auf die Jahre 1987 bis 2003 erstreckte und die Anklage im Wesentlichen auf der von Honsik herausgegebenen Zeitschrift "Halt!" und einiger Gedichtbände beruhte. Sowohl Gerd Honsik als auch die Staatsanwaltschaft Wien hatten gegen das Geschworenenurteil vom April 2009 berufen.

Rat für Honsik
Richter Dostahl empfahl Honsik, der sich während der Verhandlung nicht geäußert hatte, zukünftig nur mehr für die Schublade zu schreiben. Auf die publizistischen Ergüsse des Revisionisten anspielend, bemerkte der Richter: "Sie haben sich Ihr ganzes Leben mit diesen Dingen beschäftigt. Ob Sie damit Ihre Lebensqualität verbessert haben, weiß ich nicht. Ich würde mich freuen, Sie hier nicht mehr zu sehen. Schreiben Sie Tagebücher! Geben Sie diese niemandem zum Anschauen. Schreiben Sie nix, was herausgeht."

Nach Spanien abgesetzt
Honsik war bereits im Jahr 1992 auf Basis seines Buchs "Freispruch für Hitler?" von Wiener Geschworenen wegen Wiederbetätigung zu eineinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Statt die Strafe anzutreten, setzte er sich während des offenen Rechtsmittelverfahrens nach Spanien ab. Dort blieb er 15 Jahre unbehelligt und festigte weiter seinen Ruf als führender Publizist der rechten Szene, indem er in seiner Zeitschrift "Halt!" weiter nationalsozialistisches Gedankengut verbreitete. Im August 2007 wurde er mit europäischem Haftbefehl bei Malaga festgenommen, ausgeliefert und - nach Verbüßung seiner offenen Strafe - für sein "Wirken" in Spanien neuerlich angeklagt, wobei sich der Tatzeitraum auf die Jahre 1987 bis 2003 erstreckte.

Fans verfolgten den Prozess
An ihm als "alphabetisierter österreichischer Staatsbürger" sei "der Herr Honsik und seine Gefährlichkeit spurlos vorübergegangen", sagte der Anwalt des Beschuldigten. Die inkriminierte Zeitschrift bezeichnete der Anwalt als "Blättchen" bzw. "Postille, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hat" (sie wurde in einer Auflage von 5.000 Stück verbreitet, Anm.). Honsik habe "nichts getan, was mir als Strafrechtler kriminalistisch relevant erscheinen würde".

Die anwaltliche Behauptung, Honsik habe keine Gefolgsmänner, schien sich spätestens nach Schluss der Verhandlung zu widerlegen, als der mittlerweile 68-Jährige von der Justizwache abgeführt wurde. "Gerd, durchhalten!" wurde diesem aufmunternd nachgerufen. Dem Rechtsmittelverfahren hatten einige bekannte Gesichter aus rechten Szene beigewohnt.

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