ORF-Finanzchef will bei

Rotstift

ORF-Finanzchef will bei "Chili" sparen

ORF-Finanzdirektor Richard Grasl will einen "Stress Test" für den öffentlich-rechtlichen ORF etablieren. Wie Grasl im sagte, sollen damit verschiedene wirtschaftliche Krisenszenarien durchgespielt werden. "Ich glaube nicht, dass wir uns noch einmal zwei Jahre leisten können wie die vergangenen beiden. In Zukunft müssen wir für alle Szenarien Maßnahmenpläne bereit haben." Gespart werde im ORF weiter, kündigte er an. 2012 klaffe eine Finanzierungslücke von 30 Mio. Euro. Grasl will allgemein die Produktionskosten senken und die Verträge mit Dominic Heinzls "Chili" und die Location von "Im Zentrum" überprüfen.

Personalabbau nötig
Der ORF muss weiter Personal reduzieren, um nachhaltig positiv zu wirtschaften. Dies geht aus dem der APA vorliegenden vertraulichen Finanz- und Stellenplan des öffentlich-rechtlichen Senders für 2011 hervor. "Zur weiteren Senkung der Personalkosten ist in den kommenden beiden Jahren der weitere Abbau von bis zu 150 Mitarbeitern geplant", heißt es in dem 107 Seiten dicken Budgetentwurf, der kürzlich an die Mitglieder des ORF-Stiftungsrats ging und am 16. Dezember vom obersten ORF-Gremium abgesegnet werden soll.

Finanzplan
2011 wird der ORF-Konzern laut Finanzplan ein positives Ergebnis (EGT) von 300.000 Euro schaffen, sagte Grasl. Ursprünglich war für nächstes Jahr ein Minus von 25 Mio. Euro prognostiziert worden. Um die noch offene Lücke von 30 Mio. Euro im Jahr 2012 zu schließen, werde er "in den nächsten Wochen den Direktionen und Abteilungen auch für 2012 eine Einsparungsvorgabe schicken. 2011 und 2012 soll - so wie dies heuer gelungen ist - die schwarze Null ohne Einrechnung der Gebührenrefundierung erreicht werden", erklärte Grasl. "Mein Ziel wäre es, dass wir 2013/14, wenn die Gebührenrefundierung ausläuft, den ORF so gesund haben, dass er finanziell unabhängig ist."

Produktionskosten
Im Auge hat der Kaufmännische Direktor dabei vor allem die Produktionskosten. "Da sind wir nicht soweit gekommen, wie ich es mir gewünscht hätte, aber das heißt ja nicht, dass das nicht unterjährig passiert." Mit den Finanzverantwortlichen im Programm sei er bereits im Gespräch, außerdem würden internationale Benchmarks für Sendeformate zugrunde gelegt. "Wir schauen uns an, wie viel das Genre 'XY' international kostet und wie viel wir dafür zahlen. Sollte es Differenzen geben, werden wir diese Lücke schließen."

Die teure Kulisse der Diskussionssendung "Im Zentrum" im Wiener Haas-Haus könnte im Zuge dieser Überlegungen nun doch dem Sparstift zum Opfer fallen. Grasl hat am Montag die Finanzmittel "für einen Piloten von 'Im Zentrum' neu", dass dann voraussichtlich wieder am Küniglberg stattfinden soll", freigegeben, wie er sagte. "Die neue Sendung muss jedenfalls weniger kosten als dass, was sie bisher im Haas-Haus gekostet hat." Wenn dies gelinge, sei es sinnvoll, das Format wieder ins ORF-Zentrum zu holen. Auch der Rechnungshof habe auf Mehrkosten von 570.000 Euro hingewiesen, so Grasl. Der abgewählte Informationsdirektor Elmar Oberhauser hatte den Standort stets verteidigt.

Rotstift bei "Chili"
Am Kostenradar ist auch die Societysendung "Chili", deren tägliche Sendezeit nach schwachen Quoten de facto halbiert wurde. "Durch die Umstellung von 'Chili' ist es doch so, dass ich mir da Einsparungen für das nächste Jahr erwarte", so Grasl. Wie viel Produktionsminuten Sendungsmacher Heinzl, der einen Drei-Jahresvertrag mit dem ORF hat, bekommen soll "ist noch in laufenden Verhandlungen", so Grasl. "Aber eines ist für mich klar: Wenn weniger Produktionsminuten vom ORF abgenommen werden, wird der ORF Chili TV auch weniger bezahlen."

Ski-Rechte
Teuer könnten die Verhandlungen mit dem ÖSV über Skirechte für die Saison 2012/2013 werden. Grasl, der die Rechte, die erstmals europaweit ausgeschrieben werden, verhandeln wird, ist optimistisch.

Bei den anstehenden ORF-Wahlen im Jahr 2011 hofft ORF-Finanzdirektor Richard Grasl auf eine "breitest mögliche Mehrheit", wie er sagte. "Ich glaube, dass die letzten Jahre auch gezeigt haben, dass es mit sehr knappen Mehrheiten sehr schwierig ist, das Unternehmen zu führen." Bei den Weichenstellungen, die in den kommenden Jahren auf den ORF zukommen, etwa die "Neuaufstellung nach dem Gesetz, Herausforderungen des Marktes, die Immobilienfrage, eine Neuordnungen der Plattformen am Fernsehmarkt", brauche einen breiten Konsens, so der Finanzdirektor. "Außerdem ein Team, das bedingungslos zusammenhält."

 Finanzbereich
Grasl selbst sieht seine Zukunft weiter im Finanzbereich des ORF. "Ich bin sehr gern Kaufmännischer Direktor. Ich habe das vor einem Jahr übernommen und wie ich glaube, habe ich etliche Akzente gesetzt - und ich habe eine sehr gute Basis mit Generaldirektor Wrabetz." Grasl gilt in bürgerlichen Kreisen als ORF-Zukunftshoffnung und als möglicher Kandidat für den Posten des Generaldirektors.

   In der Frage, ob es vorgezogene Neuwahlen der ORF-Geschäftsführung geben soll, hält sich Grasl bedeckt. "Es gibt sicher gute Gründe dafür, zum Beispiel strukturelle Veränderungen, die wir vornehmen müssen, und da halte ich es einfach für sinnvoll, dass diese mit denjenigen erarbeitet werden, die dem neuen Team angehören." Im Disput zwischen SPÖ und ÖVP über die Frage, ob damit auch die Funktionsperiode der Geschäftsführung vorzeitig enden soll, wollte er sich nicht festlegen. "Das ist dann eine andere Frage, die Politik und Stiftungsrat entscheiden müssen", so Grasl knapp.
 

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