25. Jänner 2010 21:33
© Johannes Kernmayer/TZ ÖSTERREICH
Das ORF-Gesetz ist am Montagabend auf den letzten Metern vorerst geplatzt:
Die ÖVP hat in der Koordinierungssitzung der Regierung ihre Zustimmung
verweigert und will das Gesetz neu aufschnüren. Die Begründung von Seite der
Volkspartei: Man sehe die Kostenkontrolle für die eigentlich vereinbarten
Mittel aus der Gebührenrefundierung nicht gewährleistet, außerdem brauche es
ein Strukturkonzept, das Hand und Fuß hat.
Allerdings soll auch über die Gremien neu verhandelt werden. Der Sprecher
von SPÖ-Medienstaatssekretär Josef Ostermayer sprach davon, dass die ÖVP "Vereinbartes,
mit dem man gemeinsam in Begutachtung gegangen ist, neu aufschnüren"
wollte.
Wie aus Verhandlerkreisen verlautete, hatte die ÖVP vor allem Bedenken wegen
der zu erwartenden roten Mehrheit im ORF-Stiftungsrat. Die SPÖ hätte nach
erfolgreich geschlagener Publikumsratswahl gute Chancen auf eine Mehrheit im
obersten ORF-Gremium.
Nächste Chance am 9. Februar
Neues Zieldatum für einen
Regierungsbeschluss ist der 9. Februar. Von der ÖVP wurde das Vertagen der
Materie auch damit begründet, dass man die Möglichkeiten für die
Landesstudios, im Fernsehen regionale bezahlte Ankündigungen zu schalten, "genauer
diskutieren" wolle, weil dies direkt die Privatradios und Verlage
treffe.
Zur Diskussion über die Gremien verlautete aus der Volkspartei, dass auch
der Rechnungshof
darauf verwiesen habe, dass hier Handlungsbedarf herrsche. Hauptsächlich
gehe es aber um die Kostenkontrolle. Die Verzögerung beurteilte man bei der
ÖVP nicht tragisch, da für die im Gesetzesentwurf vorgesehene weisungsfreie
Medienbehörde die Zustimmung der Opposition für eine Verfassungsmehrheit
notwendig sei. Und diese hat ja bis März ein Moratorium für
Gesetzesbeschlüsse beschlossen. Laut SPÖ gab es weiter auch keine Einigung
bei der Höhe der Medienförderung.
Die Koalition hatte sich im
November grundsätzlich auf das ORF-Gesetz verständigt. Den
wichtigsten Punkt stellte die Gebührenrefundierung dar, über die der ORF in
den nächsten vier Jahren 160 Mio. Euro erhalten soll. 2010 und 2011 fließen
jeweils 50 Mio. Euro aus dem Titel der Gebührenrefundierung an den Sender,
2012 und 2013 sind es jeweils 30 Mio. Euro. Außerdem sollte das Direktorium
auf maximal vier Köpfe verkleinert werden. Keine Änderung war damals
hingegen bei der Struktur der ORF-Gremien, dem Stiftungsrat und dem
Publikumsrat, geplant. Im Gegenzug für die Gebührenrefundierung wurde auf
kolportierten ÖVP-Wunsch der Chefredakteur des niederösterreichischen ORF,
Richard Grasl, zum Finanzdirektor bestellt.
Publikumsrat wird gewählt
Die Kandidaten für den
ORF-Publikumsrat stellen sich ab Dienstag der öffentlichen Wahl: Sechs
Mitglieder des 35-köpfigen Gremiums werden eine Woche lang per Fax gewählt,
der Rest wird direkt in die Hörer- und Sehervertretung geschickt. Insgesamt
stellen sich 23 Kandidaten der öffentlichen Wahl.
Die Wahl der Wunschkandidaten erfolgt nicht durch Ankreuzen, sondern durch
Eintragen des jeweiligen "Wahlcodes": Jedem Kandidaten ist eine
dreistellige Nummernkombination zugeordnet, der entsprechende Bereich wird
mit einem Buchstaben gekennzeichnet (etwa "B" für Bildung). Pro
Bereich kann eine Stimme abgegeben werden.
Gültig sind nur jene Stimmen, die mittels Wahlformular innerhalb der
Wahlfrist - bis 1. Februar 2010, 24.00 Uhr - bei der Nummer 0800/208108 per
Fax einlangen.