ÖSTERREICH-Interview mit Werner Faymann

"Vertrauensbeweis"

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ÖSTERREICH-Interview mit Werner Faymann

ÖSTERREICH: Wann haben Sie davon erfahren, dass Sie neuer Parteivorsitzender sind?
WERNER FAYMANN: Erst im Präsidium so wie alle anderen Teilnehmer auch. Aber ganz überraschend kam es nicht, weil wir die Problemlage in den letzten Tagen sehr ausführlich diskutiert haben und das immer eine Option war.

Haben Sie sofort angenommen?
Sofort, weil ich es als großen Vertrauensbeweis von Alfred Gusenbauer sehe, mir den Job des Parteivorsitzenden anzubieten.

Ihr Traumjob ist das aber nicht?
Es ist jedenfalls eine sehr ehrenvolle Aufgabe. Und was ist ein Traumjob? Das Wichtigste für mich war immer, für die Partei arbeiten zu dürfen. Mein Traumjob ist Verkehrsminister – und jetzt darf ich beides machen. Für mich optimal.

Wäre Ihr Traumjob nicht Kanzler?
Keinesfalls. Kanzler bleibt Alfred Gusenbauer – und wir haben vereinbart, dass er auch Spitzenkandidat für 2010 wird. Das ist die klare Zielvorgabe.

Bleiben Sie Regierungskoordinator?
Selbstverständlich. Ich halte es auch für völlig richtig, dass ich das Amt des Regierungskoordinators künftig mit dem des Parteivorsitzenden verbinde. Das wird Reibungsverluste verhindern.

Müssen Sie nicht künftig als SPÖ-Chef eine deutlich härtere Linie gegen die ÖVP vertreten?
Ich arbeite nie gegen jemand, immer nur mit Partnern. Ich bin ein sehr verbindlicher Mensch. Aber eines ist sicher: Die SPÖ wird künftig sehr klare, nämlich ihre eigenständigen Positionen vertreten. Ich sage gleich klar: Eine Pensionsautomatik wird es mit mir und der SPÖ nicht geben.

Was werden Sie an der SPÖ neu gestalten?
Wir werden in Zukunft eine viel intensivere interne Diskussion führen. Ich will die Gewerkschaftsvertreter stärker einbinden, die Abgeordneten stärker einbinden. Ich will vor allem in Zukunft eine engere Abstimmung mit den Ländern und den Bezirken. Das bedeutet einen zusätzlichen Aufwand, aber der ist dann im Ergebnis zu sehen.

Viele an der SPÖ-Basis fordern, dass die SPÖ aus der Regierung geht, wenn sie sich nicht besser gegen die ÖVP durchsetzen kann. Davon halte ich gar nichts. Ich sehe die SPÖ als Regierungspartei, als gestaltendes Element im Land. Wir müssen lernen, unsere Po­sition gegenüber der ÖVP konstruktiv zu vertreten. ­Eines ist klar: So ein Fehler wie die „Pensionsautomatik“ darf nicht passieren.

Wird die Arbeit für Sie nicht zu viel werden? Ich bin jetzt schon als Minister viel in den Ländern und werde das künftig mit dem Dialog verbinden.

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