ÖVP will Hausärzte aufwerten

Wahlprogramm

ÖVP will Hausärzte aufwerten

Um dem drohenden Mangel an Hausärzten mit Kassenvertrag zu begegnen, will die ÖVP die Hausärzte aufwerten. Es sollen nicht nur deren Rahmenbedingungen verbessert werden, die Volkspartei stellt sich auch Landarzt-Stipendien, Hausarzt-Verbände und sogenannte "Virtual Care Rooms" vor. Diese Pläne sind Teil des ÖVP-Wahlprogramms, das die Partei im September präsentieren will.

Da in den nächsten zehn Jahren 60 Prozent der knapp 4.000 Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag in Pension gehen werden, schlägt die ÖVP vor, schon jetzt konkrete Maßnahmen gegen einen drohenden Ärztemangel zu ergreifen. "Dreh- und Angelpunkt des Systems" solle der Hausarzt sein. Um auch in Zukunft junge Menschen für diesen Beruf zu gewinnen, sollen die Rahmenbedingungen für Hausärzte verbessert werden.

Bezahlung
"Die Bezahlung muss fairer werden und es muss auch die Zeit abgegolten werden, die aufgewendet wird, um den Patienten gut und persönlich zu betreuen. Im Gegenzug muss auch das Service und die Erreichbarkeit von Hausärzten - vor allem im urbanen Raum - durch Kooperationen und Koordination verbessert werden, insbesondere an Tages- und Wochenrandzeiten", heißt es im Entwurf für Kapitel 16 - "medizinische Versorgungssicherheit" - des ÖVP-Wahlprogramms, der der APA vorliegt.

Nach deutschem Vorbild kann sich die ÖVP auch Landarzt-Stipendien vorstellen. Bereits im Studium sollen Studierende finanziell gefördert werden, wenn sie sich bereit erklären, nach dem Studium zumindest für eine gewisse Zeit eine Stelle im ländlichen Raum anzutreten. Dafür sollen 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

Vor allem für eine Absicherung der Versorgung im ländlichen Raum schweben der ÖVP Hausarzt-Verbände mit einer gewissen Flächenabdeckung nach dem Vorbild des Notarzt-Verbandes in Osttirol vor. Dort deckt ein Team an Ärzten ein größeres Gebiet ab und kommt vor Ort, wenn Hilfe gebraucht wird. Ähnlich könnte das nach den Vorstellungen der ÖVP auch für Hausärzte funktionieren, die mobil ein größeres Gebiet abdecken. Unterstützt könnten diese von geschultem Pflegepersonal werden, das die Voruntersuchung übernimmt und eine Ersteinschätzung abgibt, ob der Allgemeinmediziner, ein Facharzt oder doch das Spital die beste nächste Anlaufstelle ist.

Vorbild Schweden
Schweden dient der ÖVP als Vorbild für so genannte "Virtual Care Rooms" in entlegenen Gebieten. Das sind Räume, die mit einfachen Testmöglichkeiten und einem Videokonferenz-System ausgestattet sind, in denen aber zunächst kein Arzt anwesend ist. Patienten können in einem ersten Schritt einzelne Tests selbst machen und per Video mit einem Arzt kommunizieren. So ersparen sie sich eine lange Fahrt zum nächsten Arzt oder Spital und sind trotzdem bestens betreut.

Als wichtige Maßnahme auch für den ländlichen Raum sieht die ÖVP auch die geplanten Primärversorgungseinheiten. Diese betrachtet die Volkspartei einerseits als Zwischenstufe zwischen Hausarzt und Spital und andererseits als Möglichkeit, die Patienten verstärkt in den niedergelassenen Bereich zu lenken.

Um die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem zu steigern, will die ÖVP die Wartezeiten auf wichtige Operationen, Behandlungen und Untersuchungen verkürzen. Das Auslastungsmanagement vor allem von OPs soll verbessert und noch mehr Transparenz für Patienten geschaffen werden. Der Einsatz von Medikamenten soll effizienter werden. Missstände wie Gangbetten vor allem in Wiener Spitälern will die ÖVP abstellen. In der Finanzierung und Steuerung des Gesundheitssystems will die ÖVP "Grundlegendes" ändern, Details werden dazu in dem Papier aber nicht genannt.
 

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