Österreicher klar gegen EU-Beitritt der Türkei

Umfrage

© dpa/A3483 Matthias Schrader

Österreicher klar gegen EU-Beitritt der Türkei

Nach dem jüngsten Stand einer Internet-Erhebung der türkischen Botschaft in Wien sprechen sich die Österreicher klar gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus. Zwischen 19. September 2006 und 11. Jänner 2007 füllten 2.670 Personen die Fragebögen aus. Für eine Dreiviertel-Mehrheit (74 Prozent) ist die Türkei kein europäisches Land. 40 Prozent lehnen einen EU-Beitritt auch dann ab, wenn alle Bedingungen erfüllt wären und keine Arbeitsmigration stattfände, wie der "Kurier" (Montag-Ausgabe) berichtet.

"Falsches Image"
"Wir wollten den Status quo erforschen, um sowohl mit den Zuwanderern als auch mit den österreichischen Behörden und den EU-Stellen besser in Dialog treten zu können", kommentierte Botschafter Selim Yenel das Ergebnis. Auch wenn es letztlich mit dem EU-Beitritt der Türkei nicht klappen sollte, "dann geht die Welt auch nicht unter", so der Diplomat. Es gehe darum, dem Prozess "eine faire Chance zu geben" und "das falsche Image der Türkei zurecht zu rücken".

Weitere 20 Prozent der Befragen sind der Ansicht, die Türkei dürfe "niemals" EU-Mitglied werden. Laut "Kurier" bedeutet dies für Botschafter Yenel, der die Internet-Erhebung selbst in Auftrag gab: "Die anderen 40 Prozent sind für den Beitritt meines Landes. Für ein etwaiges späteres Referendum (im SPÖ/ÖVP-Koalitionsabkommen festgeschrieben, Anm.) müssen wir also nur noch zehn Prozent der Österreicher von unserem Anliegen überzeugen."

Unbekannte "Erfolgsstorys"
Für jeden Zweiten ist primär die türkische Gemeinde selbst an der mangelnden Integration der Türken in Österreich Schuld. Das sei nach den Worten des Botschafter "nicht ganz fair": "Sicher, einige hätten mehr tun können, doch gleichermaßen muss man auch auf Versäumnisse früherer österreichischer und türkischer Regierungen hinweisen". Der Diplomat will künftig Beispiele gelungener Integration in den Vordergrund stellen. Viele "Erfolgsstorys" kenne die breite Öffentlichkeit gar nicht.

Als positiven Aspekt wertete der Botschafter, dass die Österreicher "gut Bescheid über den Zypern-Konflikt wissen", was wohl mit der langen Teilnahme an der UN-Blauhelm-Mission (1964-2001, Anm.) auf der geteilten Mittelmeer-Insel zusammenhänge. 85 Prozent der Befragten hätten gewusst, dass seit der Republiksgründung durch Atatürk Staat und Religion strikt voneinander getrennt sind. Für 59 Prozent spiele der islamische Glaube als Beitrittskriterium keine Rolle. 34 Prozent würden die Türkei in der EU als Brücke zwischen den Kulturen sehen.

Als bestimmende Faktoren für eine Zugehörigkeit des Türkei zu Europa wurden die Aspekte Kultur (32 Prozent), Geografie (31 Prozent), Religion (21,5 Prozent) und Geschichte (15,7 Prozent) bewertet. Unter den Faktoren, die das Türkei-Image in Österreich prägen, wurden genannt: die schwierige Zypern-Frage (67 Prozent), der Terror der kurdischen PKK-Extremisten (57 Prozent), die Türkei als Tourismus-Land (53,4 Prozent), die Türkenbelagerung (22 Prozent) sowie Wirtschaftsdynamik und Vermittlung Europa-Nahost (je 17 Prozent). 80 Prozent der Fragebögen wurden von Männern ausgefüllt, 78 Prozent hatten zumindest Matura-Niveau. Dies zeigt, dass es sich hierbei nicht um eine repräsentative Umfrage handelt.

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