Opfer-Plattform attackiert Schönborn

Kirchlicher Missbrauch

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Opfer-Plattform attackiert Schönborn

Die Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt hat - schwer erfüllbare - Bedingungen für eine Zusammenarbeit mit der von Kardinal Christoph Schönborn eingesetzten Opferschutzanwaltschaft gestellt. Bei einem Treffen am Freitag wurde etwa gefordert, dass sich die Kommission unter der Leitung von Waltraud Klasnic fortan nicht mehr als "unabhängig" bezeichnen darf. Weiters wird in einer der APA vorliegenden Stellungnahme die Unterstützung beim juristischen Vorgehen gegen Schönborn verlangt, dem die Opfer-Plattform Mitwisserschaft bei Missbrauchsfällen vorwirft. Die Erzdiözese Wien hatte diese Anschuldigen bereits zurückgewiesen.

Bedingungen
"Die Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt ist grundsätzlich bereit, mit der von der Kirche eingesetzten und als Vertretung genannten Kommission zu kooperieren", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Opfer-Plattform. "Diese Kooperation soll zum Ziel haben, Gewaltverbrechen aufzuklären und angemessene Entschädigung für die Betroffenen zu erreichen." Grundsätzlich wird begrüßt, dass mit der "Schönborn-Klasnic-Kommission" als erster Schritt eine kircheneigene Stelle zur Aufarbeitung geschaffen worden sei.

Keine Unabhängigkeit
Zu den Rahmenbedingungen, welche die Opfer-Plattform für eine Kooperation mit der Klasnic-Kommission erfüllt sehen will, gehört unter anderem das Unterlassen von Bezeichnungen wie "Unabhängigkeit", "Hilfe", "Unterstützung" und "schnelles Geld". In dem Schreiben heißt es: "Eine Kommission, die Täter vertritt, verfügt nicht über die Kompetenz, Hilfe zu leisten. Sie kann ausschließlich Entschädigung für die begangenen Gewaltverbrechen bereitstellen."

Causa Schönborn
Laut Opfer-Plattform kann die Klasnic-Kommission ihre Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit unter Beweis stellen, indem sie in der "Causa Christoph Schönborn" kooperiert. Diesen verdächtigt man, "an der Verschleierung bzw. Vertuschung von Gewaltverbrechen beteiligt gewesen zu sein". Laut Schönborns Sprecher Erich Leitenberger sind die Anschuldigungen völlig haltlos und letztlich unfair. Es sei der Kardinal gewesen, der nach dem Rücktritt von Hans Hermann Groer die Verantwortung für die Erzdiözese Wien übernommen habe.

Die Plattform lehnt auch die bisher von der Kirche angebotenen Entschädigungszahlungen als "Almosen" ab und fordert stattdessen "eine unabhängige, möglichst international besetzte Kommission zur Bewertung der Schadensersatzzahlungen". Zudem fürchtet die Plattform, dass Schönborn nichts mehr von einem Verjährungsverzicht der Kirche wissen will. Die Klasnic-Kommission wird daher aufgefordert, an den Kardinal zu appellieren, sein Wort zu halten.

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