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PISA: Die ersten Resultate

Katastrophe

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PISA: Die ersten Resultate

So verheerend wird der PISA-Test: Österreich fliegt aus den besten 20 PISA-Nationen. Statt Begabung entscheidet nur die Herkunft.

Hochspannung vor der am kommenden Dienstag erscheinenden PISA-Studie, bei der in Österreich unter anderem die Lesefähigkeit von 6.590 Schülern des Jahrgangs 1993 aus 280 Schulen getestet wurde. Insider ließen ÖSTERREICH einen ersten Blick auf die – katastrophalen – Detailergebnisse der Studie werfen:

Beim Lesen stürzen die Schüler total ab
Dass inzwischen 23 Prozent der AHS-Einsteiger nicht oder kaum sinnverstehend lesen können, ist laut dem Wiener Bildungsforscher Franz Blüml ebenso ein Gemeinplatz, wie die Tatsache, dass Experte Andreas Salcher damit recht hat, dass jeder fünfte 15-Jährige de facto Analphabet ist. Jetzt haben Österreichs Bildungspolitiker die Sache noch einmal schwarz auf weiß:

2000 war Österreich mit 492 Punkten und Platz 18 unter den OECD-Staaten gestartet. 2006 kam man mit 490 Punkten bei einem Durchschnitt von 492 Punkten auf Platz 16 des Rankings.

Und 2009 wurde es zappenduster. Unsere Schüler verlieren im Schnitt noch einmal zehn Punkte – unter allen 56 PISA-Staaten ist ein Absturz hinter Ungarn (zuletzt 482), Lettland (479) und Kroatien (477) fast fix. Im Extremfall überholen uns – je nach Auswertung – sogar die Türkei (477) und Chile (442).

Extreme Unterschiede nach Herkunft der Eltern
Besonders extrem ist laut Insidern die Differenz zwischen den besten und schlechtesten Schülern gewachsen: Schon 2006 nahmen die Unterschiede um 20 Punkte zu. Jetzt ist diese Zahl noch einmal gewaltig explodiert.

Zwischen den besten und schlechtesten Schülern könnte heuer die Differenz 380 PISA-Punkte betragen – so viel wie beim derzeitigen Negativrekordhalter Bulgarien.

Grund für diese alarmierenden Daten: Der Einfluss des Elternhauses – etwa durch Migrationshintergrund und Einkommen – auf die Leistungen wurde noch gravierender.

Nur etwa fünf Prozent der Schüler halten weiter mit den Besten der Welt mit. Ein Viertel liegt im Durchschnitt der Top-Nationen wie Korea und Finnland. Dafür steigt aber die Zahl der Leseunfähigen: Ein Viertel liegt in der „Flop Ten“. Fünf Prozent können sogar schlechter lesen als das absolute Schlusslicht Kirgistan.

Grün-Experte Harald Walser: Radikalkur gegen Schulkrise
ÖSTERREICH: Wer ist schuld am neuen PISA-Debakel?
Harald Walser: Da kann sich die ÖVP nicht abputzen. Es ist kein Zufall, dass seit der Streichung von zwei Unterrichtsstunden von der Volksschule bis zur AHS-Oberstufe durch Elisabeth Gehrer die Testergebnisse immer schlechter werden. So wurde auch die Schule immer schlechter.

ÖSTERREICH: Ist die neue Studie überhaupt zählbar?
Walser:  Von 5.690 Schüler wurden 535 aus der Wertung genommen, 219 davon wegen des Boykotts. Wäre die Studie nicht aussagekräftig, wie könnte man dann erklären, dass bei Mathematik und Naturwissenschaften alles gleich bleibt, 
wir aber ausgerechnet beim Lesen abstürzen? Sollen da alle Boykottierer gleich geschummelt haben?

ÖSTERREICH: Was muss jetzt passieren?
Walser: Ich werde eine Serie von Gesetzen vorlegen. Darunter eine zweijährige Kindergartenpflicht. Denn es hat sich gezeigt: Je länger Kids im Kindergarten lesen lernten, desto besser waren ihre PISA-Resultate.

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