PISA: Mutter will jetzt die Republik klagen

Kinder können nicht lesen

PISA: Mutter will jetzt die Republik klagen

Ein Land im PISA-Taumel: Jetzt ist fix, was ÖSTERREICH bereits gestern berichtete. Unsere Schüler rutschten im PISA-Test beim Lesen von Platz 16 auf Platz 31 unter den OECD-Staaten ab. Nur mehr die Türkei, Chile und Mexiko sind schlechter. In der EU sind wir überhaupt Letzter. Die Details:

  • Beim Lesen sackten die Schüler von 490 auf 470 Punkte ab. Macht Platz 31 bei 34 Teilnehmern. Ein Absturz um 17 (!) Plätze seit PISA 2006.
     
  • 28 Prozent der 15- bzw. 16-Jährigen können nicht sinnerfassend lesen (kapieren also nicht, was sie vor sich haben) – also fast ein Drittel!
     
  • Unter den Burschen verstehen 35 Prozent die Texte nicht, unter den Mädchen sind es 20 %.
     
  • Jeder zweite Schüler liest nur, weil er muss.
     
  • 61 Prozent der Burschen lesen in der Freizeit selten bis nie.
l In Mathematik haben 23 Prozent sehr geringe Kompetenzen.
l In den Naturwissenschaften laufen 21 Prozent der Schüler Gefahr, den Anschluss zu verpassen (OECD-Schnitt: 18 %).
l 34 % aller Jugendlichen sind hierzulande Risikoschüler, nur 16 % Spitze. Beim PISA-Musterschüler Finnland ist es umgekehrt: 29 % sind dort Spitze, 12 % Risikoschüler.

  • Besonders schlecht schneiden sozial schwache Schüler und Migrantenkinder ab.

  • Besonders erschreckend: Pro Jahr verlassen 25.000 Jugendliche die Hauptschule de facto als Analphabeten.

Mutter will Republik klagen
Genau aus diesem Grund, weil ihre Kinder nach vier Jahren Volksschule nicht lesen konnten, will eine Mutter aus Niederösterreich jetzt die Republik klagen. Die Frau wandte sich verzweifelt an den Elternvereinsobmann für Pflichtschulen in Niederösterreich (EVNÖ). Ihre Kinder, die inzwischen ins Gymnasium gehen, hatten trotz ihres "An­alphabetismus“ positive Noten an der St. Pöltner Volksschule erhalten. "Wir wollen gemeinsam mit der Jugendanwaltschaft nachweisen, dass die Schadensursache bei der Republik liegt“, so Franz Schaupmann, EVNÖ-Landesobmann gegenüber ÖSTERREICH.

Diashow Das sagen die Experten zum PISA-Ergebnis

Hannes Androsch, Industrieller

"Die Ergebnisse bestätigen, wie dringend notwendig eine Bildungsreform ist. Ich hoffe, dass allein die Ankündigung des Volksbegehrens, verstärkt durch das erschreckende PISA-Ergebnis, ein "wake-up call“ ist und zu Aktionen führt.



Jetzt müssen wir alles mobilisieren. Da muss ein Ruck durchs Land gehen. Nicht nur die Politiker müssen handeln, sondern auch die freien Bürger sind im Interesse ihrer Kinder und Enkelkinder gefordert. Wer sich jetzt noch immer dagegen stellt, der outet sich."



Andreas Salcher, Bestseller-Autor

"Unser veraltetes Bildungssystem geht nicht auf die Individualitäten der Schüler ein. Grund, warum wir jetzt so schlecht abschneiden, ist, dass wir seit PISA 2000 nichts machen. Und das, obwohl wir seit Jahren bestätigt bekommen, dass unsere Kinder nicht sinnerfassend lesen können. Der wirkliche Skandal ist also, dass es in Österreich immer eine engagierte Schuldzuweisungsdebatte gegeben hat, nie aber Handlungen. Wir haben die Banken mit Milliarden gerettet, die Jugend aber opfern wir."

Philip Pinter, Schulsprecher

"Im Wesentlichen zeigt der Test das gleiche Ergebnis wie 2006. Seitdem sind aber keine Reformen passiert. Es geht im schulpolitischen Bereich nichts weiter. Jede Diskussion artet in einen machtpolitischen Diskurs aus. Man vergisst ständig, die Schüler in den Mittelpunkt des Bildungssystems zu stellen. Es ist aber positiv, dass die Bildung jetzt in aller Munde ist und auch ein Volksbegehren geplant ist. Von dessen Inhalten wird abhängen, ob wir Schüler es dann auch unterstützen."

Eckehard Quin, Lehrervertreter

"Das Geld für PISA hätte man sich sparen können. Dass es enorme Probleme mit der Lesekompetenz gibt, ist doch jedem Lehrer längst klar. Vielleicht geht die Bildungspolitik nach den PISA-Ergebnissen endlich die Reformen an, die wir seit vielen Jahren fordern. Wenn PISA dafür nützlich war, ist es das Geld vielleicht wert. Es darf aber jetzt nicht wieder um Diskussionen über Schulorganisationen und Kompetenzzu¬gehörigkeiten gehen, sondern um qualitative Maßnahmen."

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Schmieds 10-Punkte-Plan
SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied fordert indes jetzt 30 Mio. Euro von ÖVP-Finanz­minister Josef Pröll zu­sätzlich. "Wir können uns das als Industrie- und Kulturnation nicht leisten. Es braucht einen nationalen Schulterschluss“, so Schmied zu ÖSTERREICH. Schmied hat einen 10-Punkte-Plan zur Rettung der Schule – darunter das verpflichtende Kindergartenjahr oder die Reduzierung der Klassenschülerzahl.
 

Die Ergebnisse

Lesen:

  • 1. Südkorea 539
  • 2. Finnland 536
  • 3. Kanada 524
  • 4. Neuseeland 521
  • 5. Japan 520#
  • 6. Australien 515
  • 7. Niederlande 508
  • 8. Belgien 50609
  • 9. Norwegen 503
  • 10. Estland 501
  • 11. Schweiz 501
  • 12. Island 500
  • 13. Polen 500
  • 14. USA 500
  • 15. Deutschland 497
  • 16. Schweden 497
  • 17. Frankreich 496
  • 18. Irland 496
  • 19. Dänemark 495
  • 20. Großbritannien 494
  • 21. Ungarn 494
  • OECD-Schnitt 493
  • 22. Portugal 489
  • 23. Italien 486
  • 24. Griechenland 483
  • 25. Slowenien 483
  • 26. Spanien 481
  • 27. Tschechien 478
  • 28. Slowakei 477
  • 29. Israel 474
  • 30. Luxemburg 472
  • 31. ÖSTERREICH 470
  • 32. Türkei 464
  • 33. Chile 449
  • 34. Mexiko 425

Mathematik:

  • 1. Südkorea 546
  • 2. Finnland 541
  • 3. Schweiz 534
  • 4. Japan 529
  • 5. Kanada 527
  • 6. Niederlande 526
  • 7. Neuseeland 519
  • 8. Belgien 515
  • 9. Australien 514
  • 10. Deutschland 513
  • 11. Estland 512
  • 12. Island 507
  • 13. Dänemark 503
  • 14. Slowenien 501
  • 15. Norwegen 498
  • 16. Frankreich 497
  • 17. Slowakei 497
  • 18. ÖSTERREICH 496
  • OECD-Schnitt 496
  • 19. Polen 495
  • 20. Schweden 494
  • 21. Tschechien 493
  • 22. Großbritannien 492
  • 23. Ungarn 490
  • 24. Luxemburg 489
  • 25. Irland 487
  • 26. Portugal 487
  • 27. USA 487
  • 28. Italien 483
  • 29. Spanien 483
  • 30. Griechenland 466
  • 31. Israel 447
  • 32. Türkei 445
  • 33. Chile 421
  • 34. Mexiko 419
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