Polit-Streit über Che Guevaras Nase

In Wien

Polit-Streit über Che Guevaras Nase

Der im vergangenen Oktober enthüllten ersten Büste des Revolutionärs auf europäischem Boden war Ende April von bisher Unbekannten die Nase abgesägt worden. Die Sympathisanten des Guerillakämpfers fanden sich nun zusammen, um gegen den "faschistoiden Akt" Einigkeit zu demonstrieren.

Nasenoperation
Die Bronzebüste werde in jedem Falle restauriert, versicherte Hans Mikosch, Chef der österreichisch-kubanischen Gesellschaft, die das Werk mit Hilfe eines Prominentenkomitees unter Beteiligung von Elfriede Jelinek initiiert hatte. Dabei beruhigte er: "Die Nase existiert." Sie sei nach dem Attentat im Park gefunden worden und werde nun in Regensburg wieder angelötet. Für den Transport des Kopfes und die folgende "Nasenoperation" dürfte die Stadt die Kosten übernehmen. Che Guevara sei als linker Revolutionär nach wie vor von großer Bedeutung: "Das ist leider offenbar auch ein Grund für den Hass gegen ihn."

Politischer Schaden
SP-Pensionistenchef Karl Blecha rief dazu auf, den Anfängen zu wehren: "Che Guevara ist eben genau das nicht, was die Rechtsterroristen behaupten - er war kein Massenmörder." Er sei ein Mensch gewesen, der nicht nur geredet, sondern auch gehandelt habe und jedes Wochenende mit der Machete in den Zuckerrohrplantagen gestanden sei. Der Schaden an der Büste könne schnell behoben werden - für den politischen Schaden müsse man nun einig zusammenstehen.

ÖVP will Entfernung
Nicht nur Vertretern lateinamerikanischer Staaten und SPÖ-Pensionistenchef Karl Blecha, auch der ÖVP stinkt das "feige, hinterhältige, perfide und absolut skrupellose Attentat auf eine völlig wehrlose Nase im Wiener Donaupark nach dem Muster des Obelix-Attentats auf die Sphinx". Dies sei als Vandalismus zu verurteilen. Grundsätzlich habe Wien jedoch andere Probleme als das Riechorgan von Che Guevara, weshalb VP-Landesgeschäftsführer Norbert Walter erneut die ersatzlose Entfernung der Büste forderte.

Provokation
Bei dieser handle es sich um eine Provokation und um einen Schlag ins Gesicht für alle Exilkubaner, ließ Walter via Aussendung kein gutes Haar am Revolutionsführer. Auch vom sozialdemokratischen Pensionistenchef könne man in Zeiten einer wirtschaftlichen Krise anderes erwarten, als sich mit "revolutionären Riechkolben" zu beschäftigen - wiewohl Walter durchaus Zugeständnisse machte: "Es ist Blecha unbenommen, in Che Guevara-Bettwäsche zu schlafen. Das ist seine Privatsache."

Schande
Auch Kubas Botschafterin Norma Goicochea Estenoz unterstrich, dass es sich um einen politischen Akt gegen eine Symbolfigur gehandelt habe, die alles unternommen habe, um die Menschheit zu retten: "Dieser Akt erhöht unsere Bereitschaft zu kämpfen." Es sei nicht entschieden, ob es eine offizielle kubanische Protestnote an die Regierung geben werde, aber jedenfalls sei ein solcher Akt eine Schande in einem Kulturland wie Österreich.

Bereitschaft zu kämpfen
Horacio Bazoberry Otero, Botschafter Boliviens, bezichtigte faschistische Gruppen der Tat: "Ich verurteile im Namen der Regierung und des Volkes von Bolivien diese Schändung." Unterstützungserklärungen kamen auch von weiteren Vertretern aus Argentinien und Kolumbien. Und am 14. Juni, dem 81. Geburtstag Che Guevaras, werde man sich vor dem Denkmalssockel einfinden, versprach Goicochea Estenoz - ob die Büste dann schon wieder ihre Nase trage oder nicht.

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