06. September 2011 21:41

Politik-Insider 

Wehrpflicht-Begehren im Dezember

Faymann und Spindelegger übten sich im Krisenmanagement.

Wehrpflicht-Begehren im Dezember
© TZ ÖSTERREICH/Niesner

Nach dem gestrigen Ministerrat war Krisenmanagement angesagt. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und sein Vize Michael Spindelegger (ÖVP) trafen einander zu einem Vieraugengespräch.

Dringendster Tagesordnungspunkt: die in den vergangenen Wochen immer häufiger aufgetretenen Risse in der Koalition zu kitten.  Wie ÖSTERREICH bereits am Freitag berichtete , herrscht vor allem in der ÖVP Angst vor einem Bruch und Neuwahlen.

Diese Angst konnte auch beim gestrigen Termin nicht ausgeräumt werden. Zwar konnten Faymann und Spindelegger in einem wichtigen Punkt Konsens erzielen, in einem zweiten gab es aber keine Einigung:

  • Bei der Vermögenssteuer wurde Waffenstillstand vereinbart. SPÖ und ÖVP werden eine gemeinsame Arbeitsgruppe installieren.
  • Bei der Wehrpflicht allerdings gingen die beiden ohne Ergebnis auseinander. Und diese Frage – die SPÖ will die Wehrpflicht abschaffen, die ÖVP will einen reformierten „Österreich-Dienst“, der die Wehrpflicht weiter vorsieht – könnte die Koalition tatsächlich sprengen.
  • Die SPÖ will in jedem Fall Volksbefragung – nur wie?
  • In der ÖVP herrscht die Furcht, dass die SPÖ die Bundesheer-Debatte zum Absprung nützen könnte. Tatsächlich ist sich die Faymann-Partei darüber einig, dass es eine Volksbefragung über die Abschaffung der Wehrpflicht geben soll. Uneinig ist die SPÖ über das Wie:
  • Während der harmoniebedürftige Teil der Parteispitze um Kanzler Faymann die Volksbefragung nur in Absprache mit dem Koalitionspartner will ...
  • ...ist der weniger konfliktscheue Teil um die SPÖ Wien (Bürgermeister Michael Häupl hat die Abschaffung der Wehrpflicht bekanntlich „erfunden“) dafür, die Volksbefragung möglichst rasch, vielleicht sogar noch heuer, und notfalls gegen die ÖVP abzuhalten.

Das wäre, wie ein ÖVP-Grande zürnt, „ein glatter Koalitionsbruch“. Eine Neuwahl 2012 wäre unausweichlich.

SPÖ hat die besseren Karten im Neuwahl-Poker
SPÖ-Strategen sehen das freilich gelassen. Würde die ÖVP die Koalition aufkündigen, nur weil die SPÖ das Volk befragen will, hätte die Spindelegger-Partei die schlechteren Karten. Der Poker hat jedenfalls eingesetzt. Für die SPÖ läuft es im Moment ganz gut, sie könnte bei einem Anti-Schwarz-Blau-Wahlkampf punkten, ÖVP und FPÖ sind nicht zuletzt nach der Telekom-Affäre und dem Schüssel-Rücktritt schwer angeschlagen.

Gut möglich, dass die SPÖ-Offensive noch diese Woche losgeht. Am Donnerstag startet auf dem Wiener Kahlenberg die Herbst-Klausur des SPÖ-Präsidiums. Am ersten –öffentlich zugängigen – Tag wird über die Vermögenssteuer debattiert, am Freitag soll’s – hinter verschlossenen Türen – zur Sache gehen und die Volksbefragung möglicherweise beschlossen werden.
 

Wehrpflicht-Volksbegehren im Dezember

Laut einem SPÖ-Granden könnte die SPÖ einen Coup der besonderen Art planen: „Es könnte bereits im Dezember ein Anti-Wehrpflicht-Volksbegehren geben.“ Ursprünglich hatte SPÖ-Kanzler Werner Faymann vor, dass Volk spätestens zur Nationalratswahl 2013 über die Zukunft des Heeres zu befragen.

Bekanntlich möchten die Roten die allgemeine Wehrpflicht abschaffen – oder zumindest aussetzen. Die ÖVP läuft gegen diese Pläne Sturm. Dementsprechend grantig würden die Schwarzen freilich auch auf diese Pläne reagieren. „Das wäre ein Koalitionsbruch“.

Nicht ganz: Denn ein roter Insider erklärt ÖSTERREICH den Hintergrundplan: „Wir würden natürlich nicht selbst das Volksbegehren starten. Das würde eine Gruppe Unabhängiger machen.“

Das heißt, ähnlich wie beim Bildungsvolksbegehren von Hannes Androsch könnte auch bei der Wehrpflicht ein Experte – zum Beispiel Brigadier Gerhard Karner – ein Plebiszit starten. Die Grünen würden ein solches dann ebenso unterstützen wie maßgebliche SPÖ-Kreise. Während ÖVP und FPÖ dann automatisch dagegen sein müssten. Der strategische Vorteil für die FPÖ: „Dann gibt es einen klaren Lagerkampf Schwarz-Blau gegen Rot-Grün“, sagt ein SP-Mann.

Darabos startet Versuche. SPÖ-Verteidigungsminister Norbert Darabos startet indes bereits die Ausarbeitung von ersten Wehrpflicht-Aus-Modellversuchen. Derzeit schaut er sich in Deutschland an wie, es beim Lieblings-Nachbarn mit der Aussetzung der Wehrpflicht nun wirklich geht.


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7 Postings
Frosch meint am 08.09.2011 20:28:35 ANTWORTEN >
omen meint am 08.09.2011 13:36:21
Ich sehe unser Bundesheer auch so - leider muss ich sagen!
Meines Erachtens ist das Bundesheer zu reinem Selbstzweck verkommen. Hier wird eine völlig unnötige Offiziersgesellschaft künstlich am Leben erhalten.
167 Generalsränge und ich glaube 2700/2800 Offiziere insgesamt in Österreich. Das ist eine derart grotesk hohe Zahl für die Größe unseres Landes - nur noch unglaublich!
Die kämpfen natürlich mit Klauen und Zähnen um die Beibehaltung der Wehrpflicht - liegt ja auf der Hand und kann man ihnen vielleicht nicht einmal verübeln.
Bösartig formuliert - wenn man unsere Berufssoldaten hernimmt - hätten wir schon unser Berufsheer!
omen meint am 08.09.2011 13:36:21 ANTWORTEN >
volksbegehren sind nicht zwingend so wie etwa eine volkasabstimmung . das heer gehört von grund auf erneuert ,meiner persönlichen erfahrung als grundwehrdiener sind da zu viele goldfasane
die ausser fett abkassieren nichts tun . die unteren ränge sind zu einem grossen teil von alkohikern
und menschlichen versagern besetzt .-es gilt natürlich die unschuldsvermutung .
Schütze meint am 08.09.2011 11:16:58 ANTWORTEN >
Was gibts denn da noch zu begehren? Die Wehrpflicht begehrt keiner, da doch lieber freies Waffentraining damit wir unsere Heimat verteidigen können - aber warum noch junge Männer für Monate in einer Kaserne einsperren?
napoleon meint am 07.09.2011 15:14:32 ANTWORTEN >
Mal so die Gegenfrage,
Welches Volksbegehren war bisher erfolgreich.
Keines in den letzten20 jahren.
Kein Berufsheer, sonder ein Freiwilligen Heer.
Wobei, Längere Verwendung, mit Prämien bezahlt werden.
geleitet wird das Heer von einen Berufsoffierscorps.
napoleon meint am 08.09.2011 16:11:06
Auf Tunichgut möchte ich antworten:
Ein Berufsoffizierscorps, nachgebildet und aufgestellt wie Polizei- oder Gedamarieeinheiten sind. Hat aber Landesverteidigungslinie zu machen.
B_ Gendamerie, war die Vorläuferin des Bundesheeres.
Tunichtgut meint am 08.09.2011 09:10:49
@Bonaparte, mit Verlaub eine Frage-
Meinst du jetzt ein "Berufs-Offizierskorps" ?
Wird das BH nicht eh von einem solchen geleitet?

Verjüngung des Offizierscorps wäre angesagt und das meine ich jetzt nicht altersmäßig!
mmljaguar meint am 07.09.2011 11:09:51 ANTWORTEN >
Es wird höchste zeit für die Abschaffung der Wehrpflicht. Ein kleines Berufsheer mit Freiwilligen Zeitsoldaten ist absolut ausreichend. Österreich zu verteidigen war nic möchlich (auch nicht mit dem Spannocci-Plan), der mit seinem "Raumverteidigungskonzept" die Aufgabe weiter Teile des Landes vorsah und die Bewohner dieser Landesteile dem Schicksal überlassen hätte, ebenso ist es unmöglich einen Menschen innerhalb von 6 Monaten an eine Front gegen eine kampferprobte, riesige Übermacht zu stellen, das wäre für sehr viele dieser Menschen das (vorsätzlich herbeigeführte) Todesurteil. Was allso soll es bringen, junge Menschen zu etwas zu zwingen, was sie ablehnen und was sinnlos ist und sie damit aus dem Produktions- und Konsumptionsprozess abzuziehen....
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