04. Februar 2010 07:38
Geheimkonten, Schwarzgeld, Steuerbetrug und Briefkastenfirmen. Die Affäre um
die Salzburger Osterfestspiele wird endgültig zum Kriminalfall. Der geheime
Prüfbericht, der gestern veröffentlicht wurde, zeigt nun das ganze Ausmaß
der Affäre: Demnach wurden die Osterfestspiele im Prüfungszeitraum ab dem
Jahr 2002 um rund
zwei Millionen Euro geschädigt – weitaus mehr als bisher vermutet. Die
„Hauptübeltäter“ (O-Ton Landeshauptfrau Gabi Burgstaller): der langjährige
Geschäftsführer der Osterfestspiele, Michael Dewitte, und der Technikchef
der Sommerfestspiele, Klaus Kretschmer.
Selbstbedienungsladen
Dewitte führte das Festival als
Selbstbedienungsladen und kassierte auf abenteuerliche Weise rund 1,2
Millionen Euro ab. Sein Komplize Kretschmer stellte über seine Firmen
Rechnungen in der Höhe von 687.191 Euro.
Im Prüfbericht wird die schamlose Abzocke der beiden
Festspiel-Chefs detailliert aufgeschlüsselt:
- Der erste Fall betrifft eine großzügige Spende des amerikanischen
Festspiel-Mäzens Donald Kahn über eine Million Euro im Jahr 2005. Davon
zweigte Dewitte 50.000 Euro Provision für sich ab. „Diese Auszahlung
wurde nicht über die Gehaltsverrechnung abgewickelt“, heißt es dazu im
Prüfbericht.
- Noch dreister ging Dewitte mit der Spende des russischen Förderers Igor
Vidyaev über 800.000 Euro im Jahr 2008 um. Dewitte überwies davon
300.000 Euro an die Briefkastenfirma Art & Culture Consulting Ltd.
in Nordzypern und auf ein anonymes Konto auf der Karibikinsel Belize.
Freilich ohne die Provision zu versteuern. Hinter dieser Transaktion
steckte Klaus Kretschmer. Die beiden dürften sich das Geld aufgeteilt
haben, so Burgstaller.
- Weiters schanzte sich Dewitte selbst Gehaltssteigerungen zu, die
zwischen 2001 und 2009 einen Schaden von 654.169 Euro verursachten.
- Und Dewitte stellte astronomische Spesenrechnungen an die
Osterfestspiele: In der Spielzeit 2008/09 verrechnete er Reisekosten in
der Höhe von 91.138,34 Euro (zum Vergleich: im Jahr 2001/2002 waren es
noch 47.197,20 gewesen).
Strafanzeige gegen Dewitte
Bei der Staatsanwaltschaft Salzburg
wurde am Mittwoch Strafanzeige gegen Dewitte eingebracht. Er ist aber nach
wie vor auf freiem Fuß – und scheinbar auch noch in Amt und Würden: Beim
Verein der Förderer der Osterfestspiele (dem wichtigsten Geldgeber des
Festivals) scheint er laut Registerauszug der Bundespolizeidirektion
Salzburg nach wie vor als Geschäftsführer auf.
Antrag auf U-Haft für Kretschmer
Für Kretschmer gibt es
einen Antrag auf U-Haft, er liegt nach einem Selbstmordversuch
im künstlichen Tiefschlaf. Für alle genannten Personen gilt die
Unschuldsvermutung.
Seit Herbst 2007 bekannt
Das Problem für die Politik: Die
dubiosen Geldflüsse waren den Verantwortlichen schon seit Jahren bekannt.
Bereits am 30. Juni 2007 warnte die Prüfgesellschaft Ernst&Young in
einem Bericht – der ÖSTERREICH vorliegt – vor Unregelmäßigkeiten und schlug
eine rasche Neuorganisation vor.
„Wir weisen darauf hin, dass zum 30. Juni 2007 die geforderte
Eigenmittelquote (…) und die Schuldentilgungsdauer (…) nicht gegeben sind
und somit die Voraussetzungen für die Vermutung eines Reorganisationsbedarfs
vorliegen.“ Und: „Wir haben die gesetzlichen Vertreter mit Schreiben vom 19.
September 2007 über das Vorliegen der Voraussetzungen (…) eines
Reorganisationsbedarfs informiert“, so die Prüfer.
Brisant sind auch die Kosten, die bei der Prüfung ans Licht kamen: Demnach
kassierten die 22 Beschäftigten der Osterfestspiele im Schnitt 142.000 Euro.
Und in dem Bericht wird festgehalten, dass der Bilanzverlust von 938.918
Euro vom Verein der Förderer der Osterfestspiele abgedeckt wird. Jener
Verein, dessen Geschäftsführer nach wie vor Michael Dewitte ist …