Andrea Kdolsky

"Raucher nicht diskriminieren"

ÖSTERRREICH: Sie treten gegen Rauchverbote auf. Warum?
Andrea Kdolsky: Ich bin prinzipiell gegen krasse Verbote und gesetzliche Vorgaben. Damit sollten wir nicht beginnen. Mir geht es als Medizinerin natürlich darum, darauf hinzuweisen, dass Rauchen schädlich ist. Ich will aber auch die persönliche Freiheit der Individuen schützen. Unabhängig davon, was im Koalitionspakt steht, der bindend ist.

ÖSTERREICH: Im Koalitionspakt ist eine Ausweitung der Nichtraucherzonen vorgesehen. Wann kommt das?
Kdolsky: Es gibt ja die Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden und die Selbstverpflichtung von 40 Prozent Nichtraucher-Zonen in Lokalen. Wir werden uns ansehen, wie weit wir damit sind. Dann werden wir uns mit der Wirtschaft zusammensetzen. Ich möch­te jedenfalls niemandem etwas aufoktroyieren. So lange es möglich ist, werde ich die Raucher nicht diskriminieren.

ÖSTERREICH: In den USA und in immer mehr europäischen Ländern gibt es generelle Rauchverbote in Lokalen.
Kdolsky: Für mich ist es nicht unbedingt so, dass wir das machen müssen, was andere Länder tun. Die USA nehme ich auch nicht gern als Beispiel, weil da die Selbstbestimmung des Individuums nicht mehr gegeben ist. Ich will zunächst schauen, was wir auf einer freiwilligen Ebene für die Rechte jedes Einzelnen tun können.

ÖSTERREICH: Sollten Nichtraucher nicht einfach besser geschützt werden?
Kdolsky: Das ist ganz wesentlich. Aber es gibt seit 1. 1. 2005 Rauchverbote in allen öffentlichen geschlossenen Räumen. In vielen Lokalen gibt es bereits viel größere Nichtraucher-Bereiche – und der Raucher-Bereich besteht aus zwei Katzentischen beim Eingang zur Toilette. Oder es gibt Bar-Zonen für Raucher, damit Nichtraucher nicht belästigt sind. Überall dort, wo das nicht der Fall ist, muss man natürlich etwas tun.

ÖSTERREICH: Und was?
Kdolsky: Überall dort, wo Vorschriften überschritten werden, muss etwas passieren. Da ist aber die Verantwortung dorthin zu geben, wo sie hingehört: Ich war lange am AKH Wien, und dort herrscht absolutes Rauchverbot. Es gibt aber Stiegenhäuser, wo geraucht wird. Ich glaube nicht, dass man durch Gesetze die Mentalität der Menschen ändern kann. Zwang und Druck erzeugen Gegendruck.

ÖSTERREICH: Was soll dann geschehen?
Kdolsky: Ich will untersuchen, wie ich die Leute besser überzeugen kann. Vor allem die Jungen. Ich sage ihnen schon als Medizinerin: Jemanden, der 70 Jahre lang geraucht hat und heute 86 ist, dem kann ich nicht erklären, dass er nicht rauchen soll. Wir müssen bei den Jungen ansetzen – auch bei Frauen. Es gibt ein Sender-Empfänger-Problem: Es wird viel an Aufklärung gemacht, die aber nicht ankommt. Wir müssen uns anschauen, warum das so ist.

ÖSTERREICH: Sie rauchen doch selbst?
Kdolsky: Ich bin absolute Gelegenheitsraucherin. Ich habe seit vier Tagen keine Zigarette mehr geraucht.

ÖSTERREICH: Können Sie sagen, wie viel Sie pro Tag oder pro Woche rauchen?
Kdolsky: Nicht einmal das kann ich sagen. Ich rauche oft wochenlang nichts, dann rauche ich an einem gemütlichen Abend mit Freunden gleich einige Zigaretten.

ÖSTERREICH: Es gibt Kritik an Verteidigungsminister Darabos, weil er Zivildiener war. Ist es nicht ähnlich schwierig, als Raucherin das Nichtrauchen zu propagieren?
Kdolsky: Nein, dann könnte man auch sagen, als Kinderlose dürfte ich nicht Familienministerin sein. Oder nur dann Verkehrsminister werden, wenn ich ein paar Unfälle gebaut habe. Als Ärztin habe ich auch Patienten mit Krankheiten behandelt, die ich selbst nicht hatte.

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