18. Februar 2009 13:31
Wie schon im Rohbericht übt der Rechnungshof (RH) auch in seinem Endbericht
massive Kritik an den Austrian Research Centers (ARC) in Seibersdorf. Bei
der Finanzplanung habe es "gravierende Fehlannahmen" gegeben, vor allem die
Personalgebarung geriet unter Beschuss, etwa bei massiven
Kollektivvertragsüberzahlungen. Der RH stößt sich auch an den Vorgängen um
die Vertragsgestaltung bei Geschäftsführern des Unternehmens.
Staatsanwaltschaft für Auslieferung
So ist auch der Dritte
Nationalratspräsident Martin Graf (F), zunächst Geschäftsführer einer
ARC-Tochter, dann ARC-Prokurist, ein Thema. Die Staatsanwaltschaft hatte in
der Vorwoche unter anderem wegen im RH-Rohbericht aufgezeigter Missstände
seine Auslieferung im Parlament beantragt.
Ungerechtfertigte Prämie an Graf
Kritisiert wird, dass
Geschäftsführerverträge und Dienstverträge leitender Angestellter zum Teil
uneinheitlich und nicht vorausschauend gestaltet waren. Konkret in Bezug auf
Graf betont der Rechnungshof, dass die Begründung für die Auszahlung einer
Einmalprämie ungerechtfertigt gewesen sei, "weil sie durch eine
Klausel im Geschäftsführervertrag ausgeschlossen war". Den
Fall Graf untersucht die Staatsanwaltschaft unter anderem, weil er 220.000
Euro Abfertigung sowie eine Einmalprämie über 50.000 Euro bekommen haben
soll. Graf weist alle Vorwürfe zurück, er habe noch auf ihm Zustehendes
verzichtet.
Fehlende Gesamtstrategie
Der RH sieht bei den ARC eine "fehlende
Gesamtstrategie", "strukturelle Schwächen", "Fehlentscheidungen" und eine
"mangelnde betriebswirtschaftliche Ausrichtung", die zu
"existenzgefährdenden Liquiditätsabflüssen" geführt hätten.
Gegensteuerungsmaßnahmen seien nur kurzfristig wirksam gewesen.
Dass die ARC in den Jahren 2000 bis 2003 in einen Konzern mit der ARC als
Holdinggesellschaft umgewandelt und im Jahr 2006 neuerlich in eine
Forschungsgesellschaft zusammengeführt wurde, bemängelt der RH ebenfalls.
"Die Umorganisationen wirkten sich insgesamt negativ auf die
Unternehmensentwicklung aus und leisteten keinen Beitrag zur
Ergebnisverbesserung der ARC", heißt es.
Controlling unter Beschuss
Massiv kritisiert wird das
Controlling: Dieses sei "aufgrund organisatorischer Mängel und fehlender
Instrumente weitgehend wirkungslos" gewesen, eine interne Revision fehlte
trotz entsprechender Ankündigung der Geschäftsführung.
Gravierende Fehlannahmen
Wirklich ins Trudeln dürften die ARC
laut RH durch die Technologieoffensive gekommen sein. "Den Finanzplanungen
(für die Offensive sowie die Sanierung des Standortes Seibersdorf und einen
Umzug, Anm.) lagen gravierende Fehlannahmen zugrunde.
Kapitalseitige Bilanzposten (Passiva) wurden fälschlicherweise als liquide
Mittel (Aktiva) oder liquide Mittel als frei verfügbar bezeichnet, obwohl
sie nur treuhändig gehalten wurden", schreibt der Rechnungshof in der
Kurzfassung. "Außerdem war die Erhöhung des Personalstandes nicht
ersichtlich und die dadurch entstehenden langfristigen Folgekosten fanden in
der Finanzplanung keine Berücksichtigung." Das brachte stark ansteigende
Personalaufwendungen mit sich.
Kritisiert werden vom RH auch die Verwaltungsgemeinkosten von rund 14,1 Mio.
Euro, die etwa doppelt so hoch seien wie bei einer vergleichbaren deutschen
Forschungsgesellschaft. Die Einsparungspotenziale liegen laut Prüfern bei
den Verwaltungsgemeinkosten bei rund 6,4 Mio. Euro, bei den Overheadkosten
bei jährlich sieben Mio. Euro.
Beschäftigten überbezahlt
"Die Beschäftigten der ARC
und ihrer Tochterunternehmen waren zum Teil überbezahlt." Auf Basis November
2007 lagen laut RH die Bezüge von 221 Beschäftigten um mehr als 30 Prozent
über dem jeweiligen Kollektivvertragslohn. Dies machte rund 60 Prozent der
Gesamtüberzahlung aus, heißt es in dem Bericht.