Regierung hält an Neuer Mittelschule fest

"Starkes und gutes Projekt"

Regierung hält an Neuer Mittelschule fest

Die Regierung hält auch nach dem am Dienstag bekannt gewordenen durchwachsenen Evaluierungsbericht zur Neuen Mittelschule (NMS) an der Schulform fest. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) sprach am Mittwoch von einem "starken und guten Projekt", auch Wissenschafts-Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) geht von der Umwandlung aller Hauptschulen in NMS aus. Kritik kommt von der Opposition.

Die NMS ist seit 2012 ein eigener Schultyp für die Zehn- bis 14-Jährigen und tritt bis 2018 sukzessive an die Stelle der Hauptschule. Wichtigste Unterschiede: Für temporäre Gruppenbildung, Förder- und Leistungsmaßnahmen oder Teamteaching mit zwei Lehrern in der Klasse gibt es Zusatzmittel, im Gegensatz zur Hauptschule sind keine fixen Leistungsgruppen vorgesehen.

Evaluierung brachte durchwachsenes Fazit
Die Evaluierung hatte gezeigt, dass in den untersuchten ersten beiden NMS-Jahrgängen zwar Verbesserungen des Unterrichts und ein Rückgang an Gewalt verzeichnet wurde. Das habe aber nicht durchgehend zu besseren Leistungen der Schüler und einer höheren Bildungsgerechtigkeit geführt, so der Bericht. Wo das NMS-Konzept allerdings stärker umgesetzt wurde, gab es auch etwas bessere Ergebnisse. Das war vor allem im ersten Jahrgang der Fall - insgesamt wurde die NMS-Idee aber an mehr als der Hälfte der Standorte nur unzureichend umgesetzt.

Heinisch-Hosek will dem durch eine "vollständige Umsetzung" begegnen. Außerdem sollen die Zusatzmittel in Form der sechs Zusatzstunden besser eingesetzt werden können - etwa nicht nur für Deutsch, Mathe oder Englisch, sondern auch für "standortspezifische Schwerpunktfächer".

Mehr Autonomie für Schulen
Länder oder Schulen sollten außerdem entscheiden können, ob damit Bundes- oder Landeslehrer beschäftigt werden. Auch das Angebot von Schülercoaching anstelle von Teamteaching wäre möglich, so Heinisch-Hosek. Die nötigen Gesetzesänderungen wären "schnell und einfach schon ab Herbst umsetzbar".

Mahrer plädierte ebenfalls für ein größeres Ausmaß an Schulautonomie sowie zusätzlich für eine Stärkung der Elementarpädagogik. Es müsse einerseits viel stärker schul- bzw. klassenspezifisch entschieden werden können, wie die Ressourcen bzw. pädagogischen Konzepte eingesetzt werden. Anderseits müsse man darauf achten, dass Kinder "schon gut gefördert und mit guten Sprachkenntnissen in die Volksschule kommen". Es sei illusorisch, darauf zu hoffen, dass die Sekundarstufe ausbessern könne, was schon die Volksschule nicht geschafft habe.

Opposition übt Kritik
Die Opposition übte aus unterschiedlichen Gründen Kritik: Die FPÖ hält Heinisch-Hosek für rücktrittsreif und plädiert für eine Rückkehr zur Hauptschule, die Grünen verlangen eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen, die NEOS mehr Schulautonomie und das Team Stronach statt der NMS einen Ausbau der verschränkten Ganztagsschule.

Evaluierungs-Ergebnis für Experten  keine Überaschung
Wenig überrascht über die Evaluierungsergebnisse zeigten sich der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger, und der Bildungswissenschafter Stefan Hopmann (Uni Wien). Die bisher bekannt gewordenen Ergebnisse könnten nur "Schreibtischattentäter und manche Theoretiker in den Schulbehörden" überraschen, so Kimberger. Veränderungen im Bildungssystem bräuchten länger.

Ebenso Hopmann: Die Erwartung von schnellen Verbesserungen sei eine "furchtbar naive Annahme". Die durchwachsenen Ergebnisse der Evaluierung seien nicht überraschend, es sei sogar verwunderlich, dass die "Anfangsdelle" in den Leistungen nicht größer ausgefallen sei. Wer glaube, dass sich mit der NMS-Einführung Schülerströme verändern oder kurzfristige Leistungszuwächse erzielen lassen, "ist auf dem falschen Dampfer und versteht nichts von Schule".

Bundesschulsprecher Lukas Faymann forderte eine bessere Einbindung der Schulpartner: Die NMS sei nur dort ein Erfolg gewesen, wo Lehrer und Direktoren hinter dem Projekt gestanden seien, so Faymann in einer Aussendung.
 

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