Reichensteuer: Wer zahlt drauf?

Abgabe für Top-Verdiener

Reichensteuer: Wer zahlt drauf?

Die Jagd ist eröffnet: Beide Regierungs-Partei haben die Vermögenden des Landes im Visier. Sie sollen (befristet – das will die ÖVP) oder für immer (das möchte die SPÖ) eine „Reichen-Steuer“ zahlen.

Eines vorweg: Der Solidarbeitrag – in Deutschland liebevoll „Soli“ genannt – kann schon ins Geld gehen. ÖSTERREICH ließ von einem Steuerberater das SPÖ-Modell nachrechnen: Ab 300.000 € Brutto-Jahreseinkommen sollen (in der Lohn- und Einkommensteuer) zum Spitzensteuersatz 5% zugeschlagen werden.

Für Super-Verdiener wie den Barden Hansi Hinterseer würde dann – vorbehaltlich eines gewissen Spielraums in der Einkommensteuer – immerhin ein Steuerzuschlag von 132.857 € anfallen. Auch Wirtschaftsbosse wie Erste-General Andreas Treichl oder Tennis-Star Tamira Pazcek müssten deutlich mehr zahlen (siehe oben).

Doch wird das Steuersystem dadurch gerechter? Die Antwort lautet: ja, ein bischen. Der Steuerexperte Karl Bruckner von der BDO Austria hat die Abgaben berechnet, die derzeit auf den Österreichern lasten.

Super-Verdiener zahlt weniger als die Kassierin
Wenig überraschendes Ergebnis: Das System ist höchst ungerecht. Tatsächlich hat derzeit der Mittelstand – Jahreseinkommen zwischen 36.000 € und 59.000 € – den schwarzen Peter, zahlt die höchsten Abegaben (Steuer + Sozialversicherung). Konkret gehen 48,99 % der Einkünfte an den Staat. Andersrum: Die Hälfte des Jahres arbeitet diese Einkommengruppe für den Staat.

Ab knapp 60.000 € wirkt die Höchstbeitragsgrundlage – die Abgabenlast sinkt auf nur 38,1 %. Diese Diskont-Quote gilt bis zu einem Einkommen von 81.000 €, immerhin 5.800 € brutto im Monat! Erst für Einkommen darüber steigt die Quote wieder auf 43,71 %.

Was das bedeutet, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein Manager mit 100.000 € Jahreseinkommen (7.142 € im Monat) führt 43,7 % ab – eine Supermarkt-Kassierin mit 1.428 € zahlt anteilsmäßig mehr, nämlich 44,3 %.

Die Steuer-Deppen der Nation sind aber mittlere Einkommen: Mit 36.000 € brutto im Jahr liefert man 49 % an Vater Staat ab.

Der Grund für die Ungerechtigkeit ist eine heilige Kuh: die steuerliche Begünstigung des 13. und 14. Gehalts, die sogenannte Sechstelbegünstigung. Von ihr profitieren eben die hohen Einkommen besonders.

Wer tatsächlich wie viel bezahlt

„Hosen runter“! Österreich diskutiert die Einführung einer „Reichen-Steuer“. Aber: Wie viele Menschen wären von so einem Solidar-Beitrag überhaupt betroffen?

Lesen Sie hier, wer in Österreich wie viel Steuer zahlt – und wer gar keine. Die integrierte Lohn- und Einkommensteuerstatistik (für 2009) zeigt:

  • In Österreich gibt es knapp 6,6 Millionen Steuerzahler.
  • Alle zusammen verdienen wir rund 152 Milliarden Euro im Jahr …
  • … und zahlen dafür mehr als 25 Milliarden Steuer.
  • Die Bestverdiener zahlen 2,5 Milliarden Euro pro Jahr in den Steuertopf ein – obwohl es sich um eine rare Spezies handelt. Nur 17.141 verdienen nämlich mehr als 200.000 Euro im Jahr, wären also von einer „Reichen-Steuer“ betroffen.

Superverdiener zahlen 
2,5 Milliarden Steuer/Jahr

  • Anders ausgedrückt: Die Superreichen zahlen 10 Prozent der Steuern. Ihr Anteil an den Steuerzahlern beträgt aber nur 0,3 %.
  • Am meisten Steuern blecht die Einkommensklasse zwischen 30.000 € und 40.000 € – 4,4 Milliarden. In dieser Gruppe schlägt das Finanzamt auch am härtesten zu. Wer 40.000 Euro verdient, liefert jeden zweiten Euro an den Staat ab. Anders gesagt: Er arbeitet ab Juli bis Ende des Jahres nicht mehr für die eigene Brieftasche.
  • 42.000 Österreicher haben ein „negatives Einkommen“ (machen also Verluste oder Verlustvorträge) und zahlen gar keine Steuern. Wer zwischen 8.000 Euro und 12.000 Euro verdient, bekommt vom Staat mehr, als er einzahlt.
  • Am besten hat es, wer zwischen 150.000 und 200.000 Euro verdient. Diese Gruppe spendiert dem Staat nur 941  Millionen.
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