Republik gedenkt an Weltkriegsjahr 1914

100 Jahre Kriegsausbruch

Republik gedenkt an Weltkriegsjahr 1914

In einem Staatsakt in der Nationalbibliothek in Wien hat das offizielle Österreich am Mittwoch des Beginns des Ersten Weltkriegs sowie des 100. Todestags von Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner gedacht. Bundespräsident Heinz Fischer sprach dabei vom "beträchtlichen Anteil" der österreichisch-ungarischen Monarchie an der Verantwortung für den Kriegsausbruch.

"Aus der Geschichte gelernt"
"Ich glaube, sagen zu können, dass Österreich aus der Geschichte gelernt hat", sagte Fischer in seiner Rede. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Neutralität, die EU-Mitgliedschaft oder die Teilnahme an UN-Friedenssicherungsmissionen. All das sei "Ausdruck der Tatsache, dass Österreich bemüht ist, dem Frieden zwischen den Menschen und Völkern nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten zu dienen".

Fischer stellte den Frieden in den Mittelpunkt seiner Rede, denn ohne diesen "ist alles nichts". Der Kompass im Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden müsse stets auf die friedliche Problemlösung gerichtet sein. Er sprach sich für langfristige Friedenspolitik aus, die bei Wurzeln und Ursachen des Krieges ansetze. Auch seine eigene Haltung legte der Bundespräsident offen. "Ich betrachte mich nicht als Pazifist im traditionellen Sinn des Wortes, sondern bekenne mich zur Kombination von Friedenspolitik und Landesverteidigung."

Frage der Schuld
Zur Frage nach der Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs verwies er einerseits auf die Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo 1914, aber auch auf das "verhängnisvolle Ultimatum" aus Wien. "Wahr ist, dass die österreichisch-ungarische Monarchie ihren beträchtlichen Anteil an der Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu tragen hat." Heute seien die Beziehungen zu den damaligen kriegsführenden Staaten und zu den Westbalkanstaaten ausgezeichnet und vorurteilsfrei. "Aus österreichischer Sicht sind die Wunden aus dieser Zeit verheilt."

Auch zum aktuellen Konflikt in der Ukraine nahm Fischer Stellung. Es sei falsch, ein Land wie dieses gewissermaßen vor die Wahl zwischen der EU und Russland zu stellen. Besser wären "gute und faire Beziehungen" in beide Richtungen.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hob in seiner Rede die visionäre Rolle von Suttners als "Pionierin des Pazifismus" hervor. Vor allen anderen habe sie vor industriellen Massenvernichtungskriegen gewarnt, für das friedliche Miteinander aller Staaten gekämpft und als erste Frau den Friedensnobelpreis erhalten.

   Ihr Erbe sei eine neue anhaltende Kraft für Friedens- und Kriegsforschung, die Überzeugung, dass Rüstung den Krieg vorbereite, die Wachsamkeit gegenüber nationalistischer Hetze, die Stärkung internationaler Organisationen und die Vision eines friedlich vereinten Europas, so der Bundeskanzler. Letztere Vision habe sie bereits 1892 formuliert. Die Rückschau auf das 20. Jahrhundert bestätige von Suttners Unbeirrtheit und ihre Warnungen vor dem "Dämon Gewalt".
 

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