07. Juni 2010 17:12
© Georg Hochmuth/TZ ÖSTERREICH
Im Burgenland
stehen nach der ersten Verhandlungsrunde zwischen SPÖ und ÖVP vorerst die
Zeichen auf eine rot-schwarze Zusammenarbeit. Beide durch das Proporzsystem
erneut in der Landesregierung vertretenen Parteien berichteten am Montag von
einem konstruktiven Gespräch. Die Freiheitlichen haben unterdessen
entschieden, die Landtagswahl nicht anzufechten. Sie wollen jedoch
erreichen, dass die Stimmzettel nochmals nachgezählt werden. Die vom Verlust
eines Mandats immer noch getroffenen Grünen wollen sich bis zum Herbst neu
aufstellen.
"Gutes Gespräch"
"Nach dem heutigen Gespräch würde
ich die Chancen sehr gut einschätzen, dass es eine Einigung zwischen SPÖ und
ÖVP gibt", sagte Landeshauptmann Hans Niessl (S) nach dem Treffen der
Regierungsparteien. Niessl und Landeshauptmannstellvertreter Franz Steindl
(V) waren sich einig, dass der Erstellung der kommenden Budgets besondere
Bedeutung zukomme. Bereits im Sommer sollen die Vorarbeiten beginnen.
Innerhalb von drei Jahren müsse das Burgenland mit 110 Mio. Euro weniger an
finanziellen Mitteln rechnen, so Niessl.
Einsaprungen
Neben der Prüfung von Einsparungsmöglichkeiten im
Land und den landesnahen Betrieben sollen auch die Politiker bei sich selbst
zu sparen beginnen - mit einer Nulllohnrunde, so Niessl. Als ein weiteres
Ziel nannte der Landeshauptmann die Präsentation eines "burgenländisches
Zukunftspakets", das die Entwicklung in Richtung Vollbeschäftigung
ermöglichen soll. Der Landeshauptmann will diese Woche auch noch mit der
FPÖ, den Grünen und der Liste Burgenland reden.
Landeshauptmannstellvertreter Steindl sprach sich für die Erstellung eines
Nachtragsvoranschlages für 2010 aus. Einig zeigten sich SPÖ und ÖVP auch
darin, dass im Wirtschaftsbereich eine Internationalisierung notwendig sei.
Nach einem weiteren geplanten Vieraugengespräch der beiden Parteichefs soll
kommenden Montag wieder eine große Runde stattfinden.
FPÖ ficht die Wahl nicht an
Während die Regierungsparteien
verhandelten, fasste die FPÖ im Landesparteipräsidium den Beschluss, die
Landtagswahl nicht anzufechten. Gleichwohl will Parteiobmann Johann Tschürtz
am Dienstag in allen sieben Wahlkreisen einen "Einspruch gegen ziffernmäßige
Ermittlungen" nach Paragraf 84 der Landtagswahlordnung einbringen. Auf diese
Weise erhofft sich die FPÖ eine neuerliche Zählung der Stimmzettel. Geprüft
würden dabei nur die Zahlenangaben, nicht jedoch die Stimmabgabe für
einzelnen Parteien. "Wir wollen definitiv keine Wahlanfechtung", betonte
Tschürtz, der erklärte, mit dem Ergebnis einer "ziffernmäßigen Neuauszählung
bzw. Ermittlung" einverstanden zu sein.
Grüne betroffen
Betroffenheit über den Verlust eines
Mandats, der auch jenen des Klubstatus nach sich zieht, herrscht weiter bei
den Grünen. Ab Herbst will man, nach dem Generationenwechsel neu
aufgestellt, Oppositionsarbeit im Landtag machen, so der künftige
Abgeordnete Michel Reimon. Die Grünen befänden sich im Burgenland in einer
schwierigen Situation: "Aber es gibt durchaus Potenzial, darauf aufzubauen."
Politisch werde es "keine Kehrtwendung", aber eine Verschiebung in gewissen
Schwerpunkten geben.
Man werde mit SPÖ, ÖVP und der Liste Burgenland Gespräche führen. Für
Verhandlungen auf Basis der im Wahlkampf präsentierten Werte sieht der
künftige Landtagsabgeordnete jedoch "kein Mandat". Landessprecher Josko
Vlasich nannte Gründe, warum laut einer ersten Analyse der Wahlerfolg
ausgeblieben sei: Die Grünen seien in den 171 Gemeinden noch zu gering
verankert, Spitzenkandidat Reimon zu spät präsentiert worden. Dass die
Grünen viele frühere Unterstützer an die Gruppe der Nichtwähler verloren
hätten, hänge nach seiner Ansicht auch mit den diesmal besonders guten
Prognosen zusammen.