Ruth Elsner

© TZ Österreich/Kernmayer

"Ich freue mich auf einen Neustart"

Wenn Helmut Elsner (75) einen Wunsch ans Christkind freigestellt bekäme, dann wäre das Ergebnis erwartbar: Freiheit. Schon mehrmals gab es Hoffnung, dass sich die grüne Eisentür für den Ex-Bawag-Chef öffnet. Immer wieder lehnte die Justiz seine Enthaftungsanträge und auch die Fußfessel ab. Aber dieses Mal stehen die Chancen gut. Die Generalprokuratur hat schon Ende Oktober das Bawag-Urteil für mangelhaft erklärt. Die Anklagepunkte "schwerer Betrug“ und "Bilanzfälschung“ werden mit großer Sicherheit fallen. Wie Ehefrau Ruth Elsner die Chancen ihres Mannes am Mittwoch sieht, erzählt sie im Interview:

"Sicher der schönste Moment in meinem Leben“

ÖSTERREICH: Frau Elsner, am Donnerstag entscheidet der OGH über das Bawag-Urteil. Wie groß ist Ihre Anspannung?

Ruth Elsner: Sie ist bei allen Beteiligten, bei meinem Mann, bei mir und unseren Anwälten, natürlich spürbar.

ÖSTERREICH: Sie haben schon oft große Hoffnungen gehabt, dass Ihr Mann entlassen wird. Sie wurden jedes Mal enttäuscht. Trauen Sie sich noch, solche positiven Gedanken zu haben?

Elsner: Doch, ich bin schon sehr positiv gestimmt. Die lange U-Haft ist skandalös. Auch unter Anwälten und Richtern am Landesgericht hört man immer wieder, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, die Meinung, dass die Länge der U-Haft längst überzogen ist. Außerdem bin ich mir sicher, dass der OGH die Dinge sehr ernsthaft betrachtet und korrekt agieren wird. Und dass es an dem Bawag-Urteil und dem Prozess viele Zweifel gibt, wurde in den letzten Jahren ausführlich in den Medien berichtet.

ÖSTERREICH: Welche Zweifel meinen Sie konkret?

Elsner: Das primäre Problem am Bawag-Prozess ist die Tatsache, dass weder der Staatsanwalt noch die Richterin ihrer Aufgabe der Wahrheitsfindung nachgekommen sind. Ganz im Gegenteil. Sie haben sich bemüht, am Recht vorbei, die Fakten zu verfälschen. Der Staatsanwalt hat die Anklageschrift drei Mal während des Prozesses verändert. Dabei aber nie zulasten Flöttls. Er hat die Anklage gegen ihn trotz massiv belastender Unterlagen nicht ausgeweitet. So hat er als dritter Anwalt Flöttls agiert. Die Motivation hierfür lässt gewisse Rückschlüsse zu.

ÖSTERREICH: Wie groß ist die Nervosität bei Ihrem Mann?

Elsner: Für ihn ist die Anspannung am größten, denn für meinen Mann ist es am schwierigsten, mit der Situation umzugehen. In der U-Haft hat er keine Möglichkeit, mit jemandem über seine Gedanken, Sorgen oder Hoffnungen zu sprechen. Ich merke an den Telefonaten mit ihm, wie nervös er ist. Auch sein Blutdruck war in den letzten Wochen sehr hoch.

ÖSTERREICH: Wird Ihr Mann am 22. und 23. Dezember bei der OGH-Verhandlung anwesend sein?

Elsner: Das haben wir noch nicht klären können. Mein Mann möchte auf alle Fälle seine Möglichkeit nützen, um ein Schlusswort zu halten. Aber nicht unter den gegebenen Umständen. Die Teilnahme halte ich aus gesundheitlichen Gründen für bedenklich. Denn das wird keine normale Verhandlung. Die Anspannung ist sehr groß und auch das Medieninteresse wird enorm sein.

ÖSTERREICH: Werden Sie anwesend sein?

Elsner: Am 23. Dezember fällt die Entscheidung, da komme ich sicher.

ÖSTERREICH: Hebt der OGH die Anklage wegen Bilanzfälschung und schweren Betrugs auf, aber nicht wegen Untreue, werden Sie dann weiterkämpfen?

Elsner: Obwohl sich der OGH nach der herrschenden Rechtslage nur mit Formalfehlern zu beschäftigen hat, kann man nicht annehmen, dass sich die obersten Richter nicht mit dem Betrugsfall Flöttl auseinandersetzen. Es ist auszuschließen, dass sie eine Anklage, die auf Amtsmissbrauch beruht, unberücksichtigt lassen. Wird das komplette Urteil nicht an die erste Instanz zurückgewiesen, werden wir den Antrag auf Wiederaufnahme einbringen.

ÖSTERREICH: Sie wollen den Fall neu aufrollen?

Elsner: Wir waren in den letzten Jahren nicht untätig. Und wir haben mit Gutachten und vielen Beweisen gezeigt, dass der Fall nicht aufgeklärt ist. Wir sind zu hundert Prozent überzeugt, dass hier ein Betrugsfall an meinem Mann und der Bank vorliegt.

ÖSTERREICH: Sie sind in eine neue Wohnung gezogen und bald ist hoffentlich Ihr Mann frei. Ist das ein Neuanfang?

Elsner: Das ist es auf jeden Fall. Es gibt einen großen Nachholbedarf, wenn man vier Jahre getrennt war. Viele Umstände haben sich in unserem Leben geändert. Aber ich sehe es positiv und freue mich wahnsinnig darauf. Wichtig ist, dass mein Mann schmerzfrei wird. Aber Narben auf der Seele werden sicherlich bleiben. Und ich sehe, dass wir noch einige schöne Jahre miteinander verbringen können. Außerdem ist 2011 das Glücksjahr für Wassermänner (Ruth Elsner) und Stiere (Helmut Elsner).

ÖSTERREICH: Wäre die Freiheit für Ihren Mann ein Weihnachtswunder für Sie?

Elsner: Wunder ist es keines. Aber sicher der schönste Moment in meinem Leben. Und mein Mann hat es sich verdient, dass er wieder alleine bestimmen kann, wie sein Tagesablauf ist.

Autor: Ida Metzger
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